Ein Blick in die Werkstatt der Macht: Die Originalakten zum »Fall Sand« zeigen, wie ein politisch erwartetes Urteil Gestalt annahm – und wie ein einzelner Prozess zur Metapher für Macht, Kontrolle und die Zerbrechlichkeit des Rechts wird.Als Carl Ludwig Sand 1819 den Schriftsteller August von Kotzebue tötete, geriet Europa in Unruhe. Neben dem öffentlichen Aufruhr begann ein stillerer Prozess: jenes Ringen um Wahrheit und Ordnung, das sich in Untersuchungen und Gerichtssälen vollzieht, in Akten niederschlägt und in politischen Erwartungshorizonten verfestigt. Dieses Buch folgt jenen Spuren.Auf Grundlage der erstmals ausgewerteten Originalprozessakten entfaltet Karen Schobloch ein neues, dichtes Bild jenes Verfahrens, das weniger der Klärung eines Mordes diente als der Stabilisierung einer verunsicherten Ordnung. Schritt für Schritt wird sichtbar, unter welchem politischen Druck Untersuchung und Urteilsvorbereitung standen und wie sich das Urteil abzeichnete, bevor es gefällt wurde.Adressiert werden Leserinnen und Leser, die einen solchen Prozess nicht nur verstehen, sondern erleben möchten, die sprachliche Genauigkeit schätzen und zugleich die erzählerische Kraft historischer Rekonstruktion suchen. Neuartig ist die erstmalige vollständige Erschliessung der Prozessakten und die Art und Weise, wie juristische Analyse und historische Darstellung ineinandergreifen. So entsteht ein fesselndes Panorama des Vormärz, in dem ein einzelner Prozess eine ganze Epoche erhellt.
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08.09.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein Kriminalfall aus der Rechtsgeschichte
Was für ein Buch: Wissenschaft und erzählerischer Zauber sind hier auf versierte Weise vereint – gewissermassen ein Kriminalfall aus der Rechtsgeschichte.
„Das bestellte Urteil“ beschränkt sich mitnichten auf eine wissenschaftlich fundierte strafgeschichtliche Aufarbeitung. Karen Schoblochs neues Buch ist auch erzählerisch durchwegs gelungen.
Der Prozess gegen Carl Ludwig Sand wird von der Autorin minutiös recherchiert, aufgearbeitet und anschliessend aus verschiedenen Perspektiven neu entfaltet. Unter sorgfältiger Auswertung der Originalprozessakten führt uns die belesene Autorin mit juristischer Genauigkeit durch diesen bedeutenden Gerichtsprozess und darüber hinaus in die Abgründe des Menschseins. Dabei erschliesst sie dem Leser beiläufig rechtliche und politische Zusammenhänge neu und führt ihm den unbändigen Willen zur Macht plastisch vor Augen.
Der geschmeidige Textfluss ermöglicht auch interessierten Laien problemlos den Zugang. Eine in vielfältiger Hinsicht bereichernde Entdeckung unter den diesjährigen Buchneuheiten.