Mit der Geburt beginnt unser Leben in Hilflosigkeit. Erst durch Zuwendung entwickeln wir die Fähigkeit, uns selbst sowie andere zu verstehen und mit ihnen in Beziehung zu treten. Trotz Gemeinschaft und Zuneigung gehören Krankheit, Tod, Konflikte und Einsamkeit untrennbar zum Leben dazu. Ebenso fallen wir immer wieder in einen Zustand der Hilflosigkeit zurück und sehnen uns nach Unterstützung. Hilflosigkeit infolge psychischer oder körperlicher Erkrankung stellt dabei eine besondere Herausforderung dar - für die Betroffenen ebenso wie für ihr Umfeld: für FreundInnen, Familie und Menschen in helfenden Berufen. In "Aussichtslos? Eine kleine Psychologie der Hilflosigkeit" skizziert der Arzt und Psychotherapeut Kamiar K. Rückert anhand von PatientInnengeschichten und psychotherapeutischem Wissen zentrale Überlegungen zu diesem oft schwer erträglichen menschlichen Zustand. Der Autor beschreibt objektive und subjektive Gründe für Hilflosigkeit und lädt dazu ein, diese bewusst zu reflektieren. Dabei geht er unter anderem den Fragen nach, welche Formen von Hilflosigkeit es gibt, wie sie entsteht und was vorliegt, wenn sie trotz Bemühung und Unterstützung nicht verschwindet. Ebenso wird thematisiert, ob professionelle Hilfe immer notwendig ist und wo die eigene Verantwortung hilfloser Menschen liegt.Das Buch richtet sich nicht nur an PsychotherapeutInnen, sondern an alle Menschen, denen Helfen wichtig ist. Es bietet Orientierung für Betroffene und Unterstützende und plädiert für Beziehung - ohne Aufopferungskult oder Perfektionsanspruch. Für Beziehungen, in denen Unterstützung eingefordert und angenommen werden darf, zugleich aber auch Verantwortung für das eigene Handeln benannt wird.
Kundinnen und Kunden meinen
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Bewertung
5/5
12.08.2026
Buch (Taschenbuch)
Integration von Perspektiven
Als Psychotherapeut muss man sich bewusst Zeit nehmen, Fachliteratur zu lesen. Dieses Buch habe ich jedoch sehr gerne und ausgesprochen zügig gelesen.
Rückert wechselt dabei immer wieder zwischen verschiedenen Ebenen: Er schreibt als Wissenschaftler, blickt auf die klinische Praxis und lässt zugleich immer wieder den Menschen und seine eigene Person zu Wort kommen. Dieser Wechsel macht den Schreibstil erfrischend und wohltuend unkonventionell.
Besonders überzeugend finde ich, dass Rückert auch die beschriebenen Abwehrmechanismen selbst kritisch reflektiert und sich dabei ausdrücklich nicht ausspart. Dadurch wird er selbst zu einem guten Modell für die Haltung, die er vermittelt.
Auffällig ist zudem, wie verständlich er komplexe Themen darstellt: einfach, aber nicht vereinfacht. Gerade diese Verbindung aus wissenschaftlicher Tiefe, klinischer Relevanz und persönlicher Reflexion macht das Buch für mich besonders lesenswert.