Das 2012 gedrehte Kinodebüt des international gefeierten brasilianischen Filmemachers und früheren Filmkritikers Kleber Mendonça Filho, der 2025 in Cannes für THE SECRET AGENT als bester Regisseur ausgezeichnet wurde, ist ein ebenso spannender wie klug gebauter und politisch eindringlicher Thriller. Wohlstand und der Wunsch nach Sicherheit bestimmen das Leben in einer ruhigen Strasse unweit vom Sandstrand des atlantischen Ozeans in der brasilianischen Millionenstadt Recife. Im Alltag der Bewohner zeigen sich jedoch Risse und Widersprüche, die mit dem Bauboom ebenso zu tun haben wie mit der verdrängten Kolonialgeschichte, der Gewalterfahrung in der Zeit der Militärdiktatur und extremen Klassenunterschieden. NEIGHBORING SOUNDS (O SOM AO REDOR) porträtiert eine Gesellschaft, die von den Geistern der Vergangenheit in Unruhe und Angst versetzt wird. Nichts ist hier, wie es scheint. Fast unmerklich schleichen sich in die Milieustudie die Anzeichen eines vom amerikanischen Genrekino inspirierten Thrillers ein. Gleichzeitig verankert sich der Regisseur formal und thematisch bewusst in der vielfältigen Filmgeschichte Brasiliens. Mit minutiösen Bildern und einer komplexen Tonspur entwirft NEIGHBORING SOUNDS zugleich eine Vision für ein kontemporäres Autorenkino.
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