Vorfälle, Unfälle, Abfälle, Zufälle – »die Welt ist alles, was der Fall ist«. Aber der Zufall scheint diese Welt zu regieren. Denn jeder Vorfall, Unfall oder Abfall ist seinerseits – ein Zufall. Der Zufall hat ein doppeltes Gesicht. Einerseits erhöht der Zufall den Anschein der Unordnung im Raum, System oder Netzwerk. Andererseits ist jeder Zufall die Gelegenheit zu einem beherzten Zugriff, um weiterzukommen oder etwas über die Dinge zu lernen. Gibt es ihn oder gibt es ihn nicht? An und für sich ist er das, was er ist, ein vielfach determiniertes Ereignis in einer immer wieder undurchschaubaren Welt.Auf den ersten Blick ist der Zufall eine europäische Erfindung. Andere Kulturen sprechen von Magie und Hexerei, vom verdienten Schicksal oder von einer meist katastrophalen Wendung im Lauf der Welt. Doch auch in Europa halten die Konzepte der Statistik und Stochastik Kontakt zu verborgenen Strukturen. Niemand vertritt den Gedanken einer radikalen Kontingenz, demgemäss alles zufällig ganz anders sein könnte. Sondern jeder vertritt den Gedanken einer konditionierten Kontingenz, in der der Zufall eine Gelegenheit ist, sich neu zu sortieren.Die funktionale Orientierung der Moderne gilt seit Frege als ein Kalkül von Leerstellen, die von verschiedenen Argumenten »gesättigt« werden können. Die Systemtheorie schafft zwischen System und Umwelt genau jenen Abstand, der von Zufällen aller Art, von Anschlüssen im System ebenso wie von Ereignissen in der Umwelt, genutzt werden kann. Die Netzwerktheorie rechnet grundsätzlich mit Elementen, die überraschend eine Rolle spielen oder verschwinden.
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