Beschreibung
Produktdetails
Format
ePUB 3
Kopierschutz
Nein
Family Sharing
Ja
Text-to-Speech
Ja
Erscheinungsdatum
17.06.2013
Verlag
Jung und Jung VerlagSeitenzahl
152 (Printausgabe)
Sprache
Deutsch
EAN
9783990271094
Die Machtabscheu des Protagonisten. Der Versuch, ein für allemal die Posen der Macht aufzugeben. Der Zwang, in jeder Bestimmtheit auch eine Willfährigkeit auszumachen, und der Wunsch, diese im selben Atemzug zu vernichten. Was würde es heissen, darin erfolgreich zu sein? Und was geschähe dabei mit dem blinden Fleck des Daseins, dem Körper? Von einem Tag auf den anderen kündigt er bei der Partnerschaftsvermittlungsagentur. Es bleibt nicht viel, was die zähe Gleichförmigkeit der Tage durchbricht. Da entschliesst er sich zu einem Inselurlaub, mit seiner Freundin. In seltenen Stunden, es waren die schönsten, wurde alles leicht zwischen den beiden: die Gesten, die Berührungen, die Worte. Der helle Raum spiegelte sich hinaus in die Nacht, öffnete sich. In diesen Momenten war Einklang. Seine Liebe allein darauf zu gründen, sie frei halten zu wollen von Wiederholung und Ritual, Macht und Unterwerfung, ist kühn, hochmütig und von einer Radikalität, die sich im Handumdrehen gegen den Ich-Erzähler selbst wendet. Dem Drang nach Auslöschung, Selbstauslöschung gibt er zunehmend nach, Gewaltphantasien brechen sich Bahn, immer unkontrollierter, den Hass fühlt er an seiner Seite »wie einen grossen muskulösen Freund«. Besessen von sich, seinen Versuchen, die Wirklichkeit in Erinnerung zu übersetzen, weil er sie nur vermittelt erträgt, verweigert er sich jeder Form der Erlösung, der des Augenblicks so wie der anderen, die es nicht gibt. Mit kaltem Blick, schonungslos, selbstentblössend wird hier die »perfide Allianz von Sexualität und Tod« noch einmal und noch einmal gültig seziert.»Deine Gewaltphantasien sind nur Ablenkungsmanöver, deine Sehnsucht nach Veränderung, und sei es durch Krieg, ist nichts anderes als deine Sehnsucht, dein eigenes Herz klopfen zu hören. Du willst dann nicht nur der Auslöser sein, sondern auch der Spielball und der Sieger. Nein, erwiderte ich, das stimmt alles, aber der Sieger wollte ich nie sein.«
Kundinnen und Kunden meinen
Sinn und Wahn...
Bewertung (Mitglied der Thalia Book Circle Community) am 01.01.2015
Bewertungsnummer: 3030177
Bewertet: eBook (ePUB 3)
Am Anfang wirkt alles noch relativ normal: Überdruss am Arbeitsplatz, Überdruss in der Beziehung, der Protagonist ist erschöpft, urlaubsreif, kurz gesagt, einfach alles leid. Kurz darauf wird aber deutlich, dass es nicht einfach nur eine vorübergehende Sinnkrise ist:
“Ich habe tatsächlich die letzten Monate das Gefühl gehabt, …einfach nicht mehr da zu sein.”
Dieses Buch bietet beängstigende Einblicke in die Gedankenwelt eines Mannes, den das vorhersagbare Alltagsleben zunehmend anekelt.
Konsequenterweise kündigt er seinen Job, in dem er sich nicht glaubhaft vorkam, und seinen Handyvertrag noch gleich dazu. Er versucht sich dem ganzen noch weiter zu entziehen, indem er mit seiner Freundin für einige Wochen auf eine Insel fährt, vollkommen abseits vom Touristenrummel.
Aber bald beginnt auch die Routine im Umgang miteinander ihn anzuöden und zu ekeln, und er flieht auch aus dieser Situation. Immer mehr kapselt er sich von seinem früheren Leben und den alten Freundschaften ab, meidet überhaupt möglichst menschliche Kontakte. Er versucht ganz einfach, sich dem Unsichtbarwerden und Verschwinden immer mehr anzunähern.
“…ich war froh, mit niemandem sprechen zu müssen, obwohl ich mir darüber im klaren war, dass das, was ich am Alleinsein so schätzte, vor allem in der Fremde, diese Körperlosigkeit, dieses Fast-Verlorensein und von der Umgebung getrennt zu existieren, doch auch die Gefahr mit sich führte, in Verzagtheit auszuufern, in ein In-alle-Richtungen-Fließen vor lauter Haltlosigkeit.”
Ein Mensch auf dem Weg in den Wahn entfernt sich immer weiter von nahe stehenden Menschen, Partner, Eltern, Kindern, Freunden, Arbeitskollegen, er vertraut schließlich niemandem mehr und am wenigsten sich selbst.
Für mich war es ein befremdlicher und in seiner Radikalität teilweise bedrohlich anmutender Einblick in eine solche Gedankenwelt. Allerdings kommt mir der ein oder andere Gedankengang zu bestimmten angesprochenen Banalitäten des Alltags auch nicht völlig unbekannt vor…
Für mich in erster Linie ein verstörendes Buch mit der Präsentation einer zwar eindrucksvollen Gedankenwelt, die für mich aber eher abstoßend wirkte. Kein Buch für gemütliche Stunden…
© Parden