Moon Called ist der erste Band der Mercy-Thompson-Reihe von Patricia Briggs, einer Urban-Fantasy-Romanreihe, die derzeit aus sechs Bänden besteht.
Mercedes Thompson lebt als Kfz-Mechanikerin irgendwo in Washington. Als ein junger Mann namens Mac, der vor kurzem in einen Werwolf verwandelt wurde, bei ihr auftaucht, gerät Mercy in einen Strudel der Ereignisse und nicht zuletzt in eine Verschwörung innerhalb des örtlichen Werwolfrudels...
Dass die Heldin einer Urban-Fantasy-Reihe sich in einen Koyoten verwandeln kann, ist neu und ungewöhnlich. Dass sie bodenständig ist und mit beiden Füßen im Leben steht, macht sie sehr sympathisch, auch wenn Mercy mir persönlich zu viel erklärt und einfach zu viel redet. Ihre diversen Gedankengänge (ich tat dies, aber warum ich nicht das tat, weiß ich nicht) stören manchmal und hindern den Lesefluss.
Die Geschichte selbst wirkt verworren: oft ist nicht klar, warum etwas passiert, und wenn doch, hatte ich das Gefühl, gleich mehrere Logiklöcher oder Widersprüche entdeckt zu haben (es heißt, weibliche Werwölfe lebten nicht als Einzelgänger, aber später wird eine solche Wölfin erwähnt).
An der Auflösung des "Falls" arbeitet Mercy erst in der zweiten Hälfte des Buches, wodurch die Spannung viel zu kurz kommt. Erst einmal hetzt sie von A nach B und stellt dem Leser dabei ihre Welt vor hier leben neben Werwölfen nämlich noch Feen und Vampiren. Zwar gut gemacht, aber auf nicht einmal 300 Seiten werden so viele Leute, darunter alte Bekanntschaften der Heldin, vorgestellt, dass es den Leser regelrecht erschlägt.
Dass die Handlung im Mittelteil des Buches nur minimal vorankommt, erschwert das Lesen zusätzlich es fällt mir leicht, das Buch wegzulegen und eine Pause zu machen. Wenigstens steht der Handlung keine Romanze im Weg, auch wenn eine kleine Portion Beziehungsdrama dem Ganzen etwas Würze verleihen soll.
Die Auflösung, wer hinter allem steckt und warum, erlaubt zwar einen Blick in die Werwolfpsyche, grenz aber ans Einfallslose. Oder bin ich zu sehr von Autoren wie Jim Butcher oder Ilona Andrews verwöhnt?
Überhaupt läuft in Moon Called alles zu glatt: von Mercys plötzlichem Einfall, was nicht stimmt, bis hin zum Verhalten der bösen Jungs am Ende.
Von der Sprache her gut verständlich, sowohl von Satzbau als auch Vokabular (süß fand ich die deutschen Wörter, die immer wieder auftauchen; sie sind sogar richtig geschrieben & dekliniert!)
Trotzdem, Mercy Thompson hat es geschafft, mich in ihren Bann zu ziehen - ganz so schlimm ist das Buch nicht, es dauert nur, bis die Durtstrecke im MIttelteil überwunden ist und die Geschichte wieder in Fahrt kommt. Ich hoffe jedoch, dass der nächste Band ("Blood Bound") runder und durchdachter ist.