Haruki Murakami verkörpert den Typus des zurückgezogenen Schriftstellers wie wenige andere. Der japanische Bestsellerautor gilt als ausgesprochen scheu. Doch nun bricht Murakami das Schweigen und lässt uns an seiner reichen Erfahrung als Schriftsteller teilhaben. Anhand von Kafka, Raymond Chandler, Dostojewski und Hemingway sowie anderen Vertretern der Weltliteratur reflektiert er über Literatur und ihre Bedeutung für ihn selbst. Und der Leser begegnet zum ersten Mal dem Menschen Murakami. Wer weiss schon von seiner grossen Kennerschaft der klassischen Musik, seiner Leidenschaft für Jazz? Ein einmaliger Blick in die Werkstatt und das Herz eines der grössten und erfolgreichsten Schriftsteller unserer Zeit. Und im Grunde das, was Murakami in seiner Zurückhaltung nie schreiben würde: eine Autobiographie.
Kundinnen und Kunden meinen
4.6/5.0
Simon Garfield
5/5
21.06.2020
Buch (Taschenbuch)
Sein Intellektuellster
Was geht in ihm vor, wie schreibt er ein Buch, welche Tricks? Nicht so leichtfüßig wie seine anderen, aber hohe Qualität...
Dr_ M
aus Sachsen
5/5
19.06.2018
Buch (Taschenbuch)
"Was ist daran falsch, sich wohlzufühlen?"
Dafür, dass Haruki Murakami angeblich ungern über sich selbst spricht, wie man auf der Buchrückseite erfährt, ist dieser autobiografisch eingefärbte Text ziemlich lang. Und vor allem erstaunlich offen.
Wenn man als Autor seine Kritiker liest und dann auch noch ernst nimmt, wird das Leben nicht unbedingt einfacher. Murakami zitiert aus einem Essay von Raymond Carver: " … Oder aber mach deine Arbeit so gut, wie es deine Fähigkeiten, deine Begabungen erlauben, und dann rechtfertige dich nicht und entschuldige dich nicht. Beklage dich nicht, erkläre nichts." An diese Ratschläge hält er sich in diesem Buch, mal partiell abgesehen vom letzten Punkt.
Unerwartet ausführlich lässt Murakami seine Leser mit den hier gesammelten Aufsätzen über sich selbst und seine Methodik Blicke in seine Welt werfen. Vielleicht ist das aus seiner Sicht so dumm nicht. Denn wer will es schon, bei aller Bescheidenheit, seinen Kritikern und den sogenannten Literaturwissenschaftlern überlassen, was die Nachwelt über einen selbst denken und wissen soll? Wenn man Murakamis Bücher nicht kennt, also kaum einen Zugang zu ihm hat, dann mögen diese Texte vielleicht gelegentlich langweilig erscheinen, was sicher auch daran liegt, dass sein Autor ein ziemlich normales und sehr diszipliniertes Leben führt, das oft abseits der lauten Gesellschaft stattfindet.
An Murakamis Offenbarungen wird man schwer etwas Gekünsteltes oder gar Kompliziertes finden. Im Gegenteil: Viele seiner Ansichten und Einsichten sind weise und ausgesprochen persönlich, sodass man sich nur wundern kann, sie so offen, manchmal fast schon ein wenig zu offen, lesen zu können. "Es ist leicht, an anderen herumzumäkeln", schreibt Murakami, "aber wenn der Betroffene alles ernst nimmt, wird er bald am Ende sein. Deshalb sage ich kategorisch, dass es mir egal sei. Und wenn noch so scheußliches Zeug geredet wird, ich schreibe, was ich schreiben will." Da muss man erst einmal hinkommen.
Für wohlmeinende Leser seiner Bücher oder angehende Schriftsteller mag dieses Buch eine kleine Fundgrube fürs Verständnis sein. Unabhängig davon erzählt es ein wenig aus dem Leben eines klugen Menschen. Deshalb kann man es auch lesen, wenn man nicht alle Bücher Murakamis kennt. Eine gewisse Kenntnis seiner Werke schadet natürlich nicht und hilft an einigen Stellen schließlich doch, denn natürlich geht der Autor auch auf sein Schaffen ein.
Insgesamt ein interessantes und auch unerwartetes Buch eines klugen, disziplinierten und geerdeten Mannes, der nichts mehr beweisen muss und der schreibt, weil er sich dabei wohlfühlt..
YukBook
aus München
4/5
16.05.2018
Buch (Taschenbuch)
Nur wenige japanische…
Nur wenige japanische Schriftsteller haben es geschafft, international so bekannt zu werden wie Haruki Murakami. Wie kam dieser Mann aus Kobe zum Schreiben und wie wurde er zum gefeierten Kultautor? Antworten darauf findet man in diesem Essayband, der nun als Taschenbuch erschienen ist. Murakami ist der Meinung, dass jeder Mensch in der Lage ist, Geschichten zu schreiben. Doch nur wenige besäßen die Beharrlichkeit und das Durchhaltevermögen, über mehrere Jahrzehnte ein Werk nach dem anderen Werk zu produzieren. Genau das macht in seinen Augen einen Berufsschriftsteller aus. Einige Stationen aus seinem Leben hat Murakami bereits in seinen Romanen verarbeitet, zum Beispiel, dass er mit seiner Frau einen Jazz-Club leitete oder später an der Waseda-Universität studierte. In diesem Buch verrät er jedoch einige neue Details, zum Beispiel, dass er mit 29 Jahren in einem Baseball-Stadion wie aus heiterem Himmel eine Epiphanie erlebte und beschloss, einen Roman zu schreiben. Oder dass er seinen ersten Roman auf English schrieb und durch die Übersetzung ins Japanische zu seinem eigenen schnörkellosen Stil fand. Seine Gedanken über allgemeine Themen wie Literaturpreise oder Originalität interessierten mich nicht so sehr wie seine ganz persönliche Einstellung zum Schreiben und seine Schreibgewohnheiten. Dass er kein Notizbuch verwendet, sondern alle Beobachtungen in 'Schubladen' in seinem Kopf archiviert, wundert mich nicht. Tatsächlich wirken viele Romane besonders aus der Anfangszeit, als hätte er zusammenhanglose Erinnerungen miteinander verknüpft und zu einer surrealen Geschichte verwebt. Das Einzige, was mich bei der Lektüre störte, war die sehr schlichte Sprache, die in seinen Romanen meist durch fantasievolle Handlungen wettgemacht wird. So konnte mich dieses Buch nicht ganz so begeistern wie beispielsweise "Das Lesen und das Schreiben" von Stephen King.
Odilie
aus Bremen
5/5
09.09.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Warum schreibt Murakami?
Hier erklärt Haruki Murakami wie er schreibt und warum er seit Jahrzehnten einen Roman nach dem nächsten Erzählungsband zu unserem Vergnügen und Entzücken weltweit heraus bringt.
Und ehrlich, wir alle, egal ob Frau oder Mann, jung oder alt warten immer sehnsüchtig auf sein nächstes Bus. Wir können nicht genug von seinen Figuren und Inhalten bekommen!
Bewertung
5/5
14.01.2018
eBook (ePUB)
Endlich ein Einblick in das Leben Murakamis
"If you only read the books that everyone else is reading, you can only think what everyone else is thinking."
Seine Romane sind weltweit bekannt, in unzählige Sprachen übersetzt worden und erscheinen regelmäßig in millionenfacher Auflage. Bereits mehrmals fiel sein Name im Zusammenhang mit dem Literaturnobelpreis, nachdem er einen der bedeutendsten Preise der japanischen Literatur gewonnen hat.
Doch über ihn selbst weiß man erstaunlicherweise wenig - den Status eines scheuen Autors hat er wie kein Zweiter inne.
Umso überraschender und umso wertvoller ist sein Buch "Vom Beruf Schriftsteller", in dem er zum ersten Mal Einblick in sein privates Leben gewährt.
Er erzählt von seinen Anfängen als Schriftsteller, wie ihn ein Baseball-Spiel zum Schreiben gebracht hat, obwohl er sich doch eigentlich seine Nächte durch das Betreiben einer Jazz-Bar um die Ohren geschlagen hatte.
Er schreibt über das Schreiben an sich, über den Berufstand der Autoren, über Charakterzüge und Persönlichkeitsmerkmale und den Entwicklungsprozess eines Autoren.
Und er hinterfragt den Literaturbetrieb, die Auszeichnungen, Preisverleihungen und das Leben im Rampenlicht.
Es ist ein ironisch-lakonischer Schreibstil, in dem Murakami verschiedene Episoden aus seinem Leben erzählt. Mit einer Spur Sarkasmus nimmt er den Literaturbetrieb, aber auch sich selbst hin und wieder gewaltig auf die Schippe.
Doch er findet auch klare, direkte Worte, anklagende Worte. Etwa dann, wenn er das japanische Bildungssystem kritisiert, dass neben Effektivität, Gehorsam und Ambition wenig Raum für die individuelle Persönlichkeit und für Fantasie lässt.
Oder wenn er die japanische Gesellschaft an sich an den Pranger stellt, die Energiegewinnung durch die Atomkraft, die Leistungsgesellschaft.
"Vom Beruf Schriftsteller" ist Murakamis persönlichstes Buch. Ein Buch, das uns den Autor endlich näher bringt und uns seine Werke besser verstehen lässt.