Kants kleine Schrift mit dem langen Titel erschien 1783, zwei Jahre nach der Kritik der reinen Vernunft und als Reaktion auf deren zunächst ungünstige Aufnahme. Die wissenschaftliche Presse nämlich hatte die Kritik der reinen Vernunft entweder kaum verstanden, oder in verzerrenden Rezensionen als spekulative Philosophie angegriffen. Um dem Verständnis seines transzendentalen Projekts auf die Sprünge zu helfen, schrieb Kant eine Art Einführung und Abriß seiner Kritik der reinen Vernunft, eben diese Prolegomena (Prolegomenon, im Singular, bedeutet Vorbemerkung, Einleitung).
Der Kant-Novize kann noch heute dafür dankbar sein. Zwar soll schon so mancher gestöhnt haben, die Prolegomena seien nicht minder schwer, wenn nicht noch dunkler als die Kritik der reinen Vernunft, meine Erfahrung ist das aber nicht. Sicher muß mancher Satz und mancher Paragraph zweimal gelesenen, manch arg gezwungener Schritt (Kategorienlehre!) einfach hingenommen und abgehakt werden, irgendwann hat man den Fuß aber in der Tür.
Und von da an ist auch die Bewältigung der Kritik der reinen Vernunft eher eine Frage von Geduld und Zeit als von intellektueller Anstrengung. Ich möchte sogar behaupten, dass der nicht akademisch Interessierte dank der Prolegomena über Kants Erkenntnistheorie ausreichend im Bilde ist, so kompakt ist diese Schrift. Selbst der Bogen zur Ethik Kants (Grundlegung zur Metaphysik der Sitten, Kritik der praktischen Vernunft) ist hier bereits geschlagen.
Dabei umfasst der Volltext der Prolegomena in der Reclam-Ausgabe nur 170 Seiten. Die restlichen hundert entfallen auf einen Anhang mit teils drolligen Dokumenten zur Entstehungsgeschichte, ein hilfreiches Register und das obligatorische Nachwort.