So sehr Leila es auch dreht und wendet: Sie wurde ermordet.Wie konnte es zu dieser Tat kommen? Fieberhaft denkt sie zurück an die Schlüsselmomente ihres aufreibenden Lebens, an den Geschmack von gewürztem Ziegeneintopf aus ihrer Kindheit, an den Gestank der Strasse der Bordelle, wo sie arbeitete, und den Geruch von Kardamomkaffee, den sie mit einem jungen Mann teilte, der zu ihrer grossen Liebe wurde. Elif Shafak erzählt in ihrem neuen Roman von einer Frau, die am Rand der Gesellschaft Halt sucht, wo die Freundschaften tief ist, aber das Glück flüchtig.
Kundinnen und Kunden meinen
4.1/5.0
Bewertung
2/5
07.03.2020
eBook (ePUB)
Seltsam skurrile Geschichte
Die sonst von mir ausserordentlich geschätzte Autorin vermag mich mit diesem Roman nicht zu begeistern. Der Plot wirkt sehr konstruiert, abgründig bis ins Skurrile und weist trotz vielen weitsichtigen und klugen Gedanken eine fremdartige Sprache und Atmosphäre auf. Schade finde ich, dass die Protagonisten mit ihren aufgesetzten Dialogen ihre eigenen Werte und Vorstellungen der Gesellschaft, in der sie leben, wenig glaubwürdig verkörpern. Insofern ist absurderweise der Titel des Buches ganz stimmig.
Die früheren Romane ‚Ehre‘ und ‚Der Geruch des Paradieses‘ sind dichter, überzeugender und offenbaren wesentlich mehr Tiefgang.
seitenmusik
5/5
07.08.2025
Buch (Taschenbuch)
Eine Geschichte über Freundschaft, die bleibt.
Was bleibt, wenn der Tod nur der Anfang ist?
So beginnt dieser außergewöhnliche Roman – mit dem Ende. Denn Tequila Leila ist tot. Ermordet. Und während ihr Körper in einer Mülltonne liegt, rauschen die letzten Minuten ihrer Hirnaktivität durch ein ganzes Leben: Erinnerungen an Kindheit, Trauma, Gewürzduft und große Liebe.
„So sehr Leila es auch dreht und wendet: Sie wurde ermordet.“ – Schon dieser Satz lässt ahnen, wie eindrucksvoll Elif Shafak sich dem Thema Feminizid nähert. Aber sie bleibt nicht bei der Gewalt stehen. Sie gibt Leila – und mit ihr all jenen, die in unserer Gesellschaft übersehen, vergessen, zum Schweigen gebracht werden – ihre Stimme zurück.
In „Unerhörte Stimmen“ entfaltet sich eine zutiefst berührende, melancholisch-schöne und zugleich schmerzhafte Geschichte, die zwischen Istanbul, Kindheitserinnerungen, religiösen Riten und patriarchalen Systemen pendelt. Es geht um Freundschaft, Prostitution, Macht, Gewalt, Liebe, Geschlechterrollen – aber vor allem geht es darum, wie Menschen am Rande der Gesellschaft überleben. Und was es heißt, gesehen zu werden. „Sie konnte noch nicht wissen, dass das Ende der Kindheit nicht mit den körperlichen Veränderungen während der Pubertät einherging, sondern mit der plötzlich einsetzenden Fähigkeit, das eigene Leben mit den Augen eines Außenstehenden zu betrachten.“ (S. 69)
Auch stilistisch ist der Roman ein Erlebnis: voller Sinnlichkeit, voller Kontraste. Der Geschmack von Ziegeneintopf, der Geruch von Kardamomkaffee, das Flirren zwischen Tod und Leben – Shafaks Sprache ist atmosphärisch dicht und poetisch, ohne je überladen zu wirken. Zugleich scheut sie sich nicht, Gewalt und Machtmissbrauch zu zeigen – aber nie voyeuristisch, nie sensationsheischend. Und immer mit Empathie. Für Leila. Für ihre Freund:innen. Für jene, die an den Rändern leben. „Ich bin oft mit dem Körper eines Mannes in Berührung gekommen. Oder ist der Onkel kein Mann?“ (S. 154)
5 Gründe, warum dieses Buch gelesen werden muss:
Weil Elif Shafak es schafft, Marginalisierten eine Stimme zu geben – und das voller Würde.
Weil die Freundschaft zwischen Leila und ihren Weggefährt:innen zeigt, dass Familie nicht immer Blutsverwandtschaft braucht.
Weil die Geschichte Istanbul nicht als exotisches Klischee malt, sondern als pulsierenden Ort voller Widersprüche.
Weil Literatur uns dazu bringen kann, anders hinzusehen – tiefer, mitfühlender.
Weil es keine Stimme gibt, die „zu klein“ ist, um gehört zu werden.
Fazit
Unerhörte Stimmen ist mehr als ein Roman – es ist ein Mahnmal für jene, die zu früh gegangen sind, deren Leben ausgelöscht wurde, deren Geschichten verdrängt wurden. Und es ist ein zutiefst menschliches, eindrucksvolles Buch über das, was bleibt: Erinnerung. Liebe. Würde.
Ein Buch, das wehtut – und genau deshalb gelesen werden sollte. Danke, Elif Shafak, für diese Stimme.
S.DK
aus Wiesbaden
5/5
11.04.2021
Buch (Taschenbuch)
hinreißende, wahre Geschichte
Ehrlich gesagt fand ich die ersten 3 kurze Kapiteln sehr irritierend und schwer zu verstehen. Jedoch hat sich das dann gelegt und die Geschichte nahm einen sehr emotionalen und spannenden Lauf. Ich habe das Buch innerhalb weniger Tage gelesen! Und konnte am Ende meine Tränen nicht unterdrücken! Kann ich nur empfehlen!!
Bewertung
5/5
26.07.2019
Buch (Gebundene Ausgabe)
Öffnet Augen und Ohren für Elif Shafak!
Was bedeutet es, anders zu sein in Istanbul?
Die Autorin leiht Menschen, denen sonst niemand zuhört ihre Stimme.
Sie erschafft eín beeindruckendes Bild einer pulsierenden Welt abseits der Normen der Öffentlichkeit!
Mimi
4/5
11.08.2022
Buch (Gebundene Ausgabe)
Frauen am Rande der Gesellschaft
Von welcher Seite man die Lage betrachtet, Leila wurde ermordet.
Leila ist Prostituierte oder anders gesagt: “war”.
Das Leben von Leila beginnt mit einer Lüge, viele Erwartungen und schlussendlich ein Neuanfang in Istanbul.
Zehn Minuten und 38 Sekunden nach Eintreffen des Todes, ist das Gehirn noch aktiv, in dieser Zeit lässt sie ihr Leben Revue passieren.
Anhand dieser Minuten sind die Kapitel aufgebaut - berührend und intensiv gibt Elif Shafak “Aussenseitern” eine Stimme.
Ihre “Wasserfamilie” - ihre fünf Freunde erhalten ebenso eine Stimme, denn ihre “Blutsfamilie” hat sie auch verstossen.
Eindringlich und die Missstände der Gesellschaft in der Türkei werden von der Autorin offen angeprangert.
Klare Leseempfehlung!
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5/5
23.09.2020
Buch (Taschenbuch)
Warmherzig und klug
Leila ist tot. Ermordet worden. In den ersten Minuten nach ihrem Tod überdenkt sie noch einmal ihr Leben. Aufgewachsen in einer kleinen türkischen Stadt flüchtet sie vor einer erzwungenen Hochzeit nach Istanbul. Sehr schnell muss sie sich prostituieren um zu überleben. Fünf Freunde findet sie: alles Menschen am Rande der Gesellschaft - sie geben sich Halt und Unterstützung in schwierigen Zeiten. Warmherzig, klug, unbedingt lesenswert!