Tobias Ristow lebt allein in einer komfortablen Terrassenhauswohnung, die er nach dem Abitur von seinem Vater, wie er dachte, generös zur Verfügung gestellt bekommen hat. Dabei war sein Vater ihm gegenüber immer abweisend, bevorzugte die beiden älteren Halbbrüder. Als Ristow damals Unterschriften unter einige Formulare und Verträge setzte, ahnte er nicht, dass dies weitreichende Folgen haben würde. Anders als seine Halbbrüder muss er nicht gleich in der väterlichen Firma antreten, er geniesst als "Träumer" der Familie Freiräume, die er weidlich nutzt, bevor er dann doch schliesslich Arbeit beim Vater aufnimmt. Beziehungen zu Frauen scheitern an seiner Unentschlossenheit in Lebens- und Liebesdingen, bis er die attraktive, aber kapriziöse Lea Berner kennenlernt und sich eine neue Chance eröffnet. Doch die Sehnsucht nach seinem geliebten Onkel Fritz und die Suche nach den eigenen Wurzeln lässt ihn tiefer in die rätselhaften Verflechtungen der eigenen Familiengeschichte vordringen: Der Bruder seines Vaters verschwand spurlos im selben Moment, in dem seine Mutter bei einem mysteriösen Autounfall ums Leben kam; Ristow war damals sieben Jahre alt. Der Mutterverlust war schrecklich, man sperrte ihn weg in ein Internat, die Suche nach Onkel Fritz hat er dennoch nie aufgegeben. Jetzt, kurz vor seinem 50. Geburtstag, reist er an den Ort, an dem er den Onkel wähnt, um ihm die Frage zu stellen, die ihn seit Jahren umtreibt: War sein Vater sein leiblicher Vater, oder doch vielleicht Fritz?
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Tobias ist nie wirklich in seiner...
Bewertung am 28.01.2020
Bewertungsnummer: 250744
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Tobias ist nie wirklich in seiner Familie angenommen worden. Claire Beyer erzählt die Geschichte eines Außenseiters in einer so poetisch dichten Sprache, wirklich bemerkenswert.
Mich hat ihr Stil begeistert, daher eine uneingeschränkte Leseempfehlung!
Die Vergangenheit zu trösten bedeutet nicht ihr auch zu vergeben
Birkatpet aus Wesseling am 26.11.2019
Bewertungsnummer: 1270106
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
"Lerne deine Vergangenheit zu trösten."
Tobias Ristow ist in den 50 und lebt in einer schönen Wohnung mit grosser Terrasse direkt am Ufer des Neckar.
Beruflich ist er in der Firma seines Vaters tätig und hat dort eine gut dotierte, wenn auch nebengeordnete Stelle.
Die komfortable Wohnung war ein Geschenk seines Vaters zum Abitur und vor lauter Glück über diese Unabhängig seine eigenen vier Wände zu haben, dachte Tobias nicht weiter darüber nach im Gegenzug der Bitte des Vaters nachzukommen und unter einige Unterlagen seine Unterschrift, zum Wohle der Firma, zu setzen und das hat Jahre später weitreichende Folgen.
Tobias ist ein Einzelgänger, jedoch gibt es immer wieder für einige Zeit Frauen in seinem Leben, keine blieb lange, aber von Pech oder schlechtem Karma geht er nicht aus, vielmehr glaubt er die Ursache darin, dass man ihn ständig psychologisieren will.
Im Argen ist tatsächlich einiges. Die Mutter verstarb früh unter dubiosen Umständen, außerdem verschwand mehr oder weniger zeitgleich auch sein geliebter Onkel Fritz ohne jegliche Spur.
Eines Tages lernt er beim Handykauf Lea kennen, jünger als er, alleinerziehend, hübsch, reserviert und Tobias fühlt sich von ihr magisch angezogen.
Dieses Zusammentreffen wird zu einem Wendepunkt und Tobias macht sich auf die Suche nach seinen Wurzeln und gräbt tief, sehr tief in seiner Vergangenheit.
Als Leser findet man sich mitten in einer Familiensaga über drei Generationen wieder und das auf nicht mal 200 Seiten ist beeindruckend.
Die Charaktere fand ich alle sehr fein gezeichnet, den Spannungsaufbau stufenweise und an Emotionen mangelt es dem Roman auch nicht.
Geschickt und mit viel Feingefühl werden hier Geschichte und Emotionen, Einzelschicksale miteinander versponnen.
Eine rundum interessante und gute Lesezeit.