Ein berührender Roman über die unerfüllte Liebe einer Tochter zu ihrer Mutter
Norah blickt zurück auf das Leben ihrer Mutter, der einst gefeierten Schauspielerin Katherine O'Dell: Von irischen Dorfbühnen hat sie es bis nach Hollywood geschafft. Doch mit zunehmendem Alter verblasste ihr Ruhm, sie betäubte sich mit Alkohol und Tabletten, bis es eines Tages zu einem bizarren Skandal kam: Ohne Vorwarnung schoss sie auf einen Filmproduzenten. Jeder Augenblick in Katherines Leben war grosse Geste, und Norah war ihr Publikum. Wer aber war diese Frau wirklich, die alles für die Kunst gab und wenig für ihre Tochter? Ein eindringlicher Mutter-Tochter-Roman, frappierend ehrlich, scharfzüngig und augenzwinkernd erzählt. 'Eine hellsichtig-wütende Liebeserklärung an die Mutter.' Der Tagesspiegel
Ein berührender Roman über die unerfüllte Liebe einer Tochter zu ihrer Mutter
Anne Enrights Romane sind Bestseller: über 200.000 verkaufte Bücher in den deutschsprachigen Ländern
'Ein brillantes Roman-Porträt.' WAZ
'Lässt einen beim Lesen manchmal regelrecht aufjubeln.' Spiegel Online
'Enright ist eine Spezialistin für schwierige Familienangelegenheiten.' SWR Bestenliste
Kundinnen und Kunden meinen
4.2/5.0
Bewertung
5/5
22.12.2020
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein faszinierendes Buch über Irland...
Ein faszinierendes Buch über Irland und das bewegte Leben der Schauspielerin Katherine O'Dell zwischen dem Streben nach Ruhm und der Suche nach einem sinnerfüllten Leben.
Lange hat mich keine Geschichte mehr so gefässelt.
Bewertung
5/5
26.03.2020
Buch (Gebundene Ausgabe)
Eine Tochter auf der Suche nach...
Eine Tochter auf der Suche nach ihrer Mutter, einer großen Irischen Schauspielerin. Sicher ,die Person als Mensch war anwesend. Nur wann war sie Mutter und wann die Schauspielerin? Das versucht Norah für sich jetzt heraus zu finden. Ein bewegender Roman zum Thema Familie !
Zauberberggast
aus München
4/5
01.09.2020
Buch (Gebundene Ausgabe)
Fiktive Memoiren einer "Tochter von"
Norah erzählt die Geschichte ihrer Mutter, der berühmten irischen Schauspielerin Katherine O'Dell, die eigentlich Engländerin war. Es handelt sich um eine fiktive Schauspielerin, allerdings steht sie stellvertretend für viele europäische Filmdiven, die in den 50er und 60er Jahren zu internationalem Ruhm gelangten und es sogar bis nach Hollywood schafften. Man kann sich also sehr gut vorstellen, dass es den echten Töchtern berühmter Schauspielerinnen tatsächlich ähnlich ergangen ist.
Wir tauchen in diesem Roman ein in das Künstler- und Schauspielermilieu der irischen und britischen Bohème der 1920er bis 1980er Jahre, denn bereits die Großeltern der Erzählerin waren Theaterschauspieler. Norah erzählt die Lebensgeschichte ihrer Mutter - und zunehmend auch ihre eigene - nicht chronologisch. Sie springt zwischen den Ereignissen vor und zurück und erzeugt damit den Eindruck authentischen Erinnerns. Erinnerungen sind Momentaufnahmen des Geistes und erfolgen selten in der richtigen Reihenfolge. Es ist also keine typische (fiktive) Biographie, sondern ein Memoir.
Norah hadert nicht mit ihrer Vergangenheit. Ihr stoischer, fast abgeklärter Tonfall zeigt, dass sie mit sich und ihrem Leben im Reinen ist und auch mit ihrer Mutter. Sie kann sie jetzt von außen betrachten und über sie schreiben, denn Schreiben ist Norahs Beruf. In der Erzählung dann tut sich nicht nur ein tiefer Graben zwischen ihrem eigenen, zurückgenommenen Selbst und dem extrovertierten Charakter ihrer Mutter auf, sondern auch zwischen Schein und Sein des vermeintlich glamourösen Lebens als Schauspielerin.
Obwohl die erzählten Dinge an sich sehr tragisch und dramatisch, manchmal auch absurd und komisch sind, bleibt zwischen Leser und Geschichte eine gewisse Distanz. Diese gefühlte Mauer hat bei mir dafür gesorgt, dass ich emotional nicht involviert war, das Erzählte eher als Zuschauer wahrgenommen habe. So wie es von Bertolt Brecht, der auch in diesem Zusammenhang im Roman genannt wird, im "Epischen Theater" vorgesehen ist. Die Distanz “zum Publikum” wird auch durch die verwendete Du-Anrede deutlich. Norah erzählt die Geschichte nicht etwa einem abstrakten Leser, sondern ihrem langjährigen Ehemann und Partner. Teil an dieser “Intimität” hat der natürliche, echte Leser somit allenfalls als Voyeur dieser Beziehung, bei der die Identität des männlichen Parts erst zum Schluss gelüftet wird. Ein erzählerischer Kniff.
"Die Schauspielerin" ist daher für meine Begriffe eher ein intellektueller Roman, der den Kopf und weniger das Herz des Lesers anspricht. Aber solche Romane haben auch ihre Daseinsberechtigung. Nicht immer möchte man weinen und mitfiebern, manchmal möchte man nur zur Kenntnis nehmen und froh sein, dass man nicht in der Haut der beschriebenen Figuren steckt.
Zur Sprache: Anne Enright ist eine virtuose Autorin, die nicht umsonst 2007 den renommierten Booker-Prize gewonnen hat. Ihre Ausdrücke sind glasklar, sie erzählt die ineinander verwobenen Lebensgeschichten von Mutter und Tochter lebhaft und ohne viel Aufhebens um ihre Sprachkunst zu machen. Was ich aber besonders hervorheben möchte, ist die hervorragende Übersetzung von Eva Bonné ins Deutsche. Das Buch wirkt überhaupt nicht übersetzt und das ist die große Leistung einer außergewöhnlich guten sprachlichen Übertragung.
https://lieslos.blog/
3/5
05.05.2020
Buch (Gebundene Ausgabe)
Interessante Geschichte mit Potenzial, aber nicht gut umgesetzt.
Auf den ersten Blick geht es bei dem 304-seitigen Roman um den Aufstieg, den Alltag und den Niedergang der Schauspielerin Katherine O‘Dell, sowie um ihre Beziehung zu ihrer Tochter Norah.
Die inzwischen ca. 55-jährige Norah begibt sich, ausgelöst durch ein Interview, in dem sie zu ihrer Mutter befragt wird („Wie war sie wirklich?“) auf die Spuren ihrer vor einigen Jahren verstorbenen Mutter, versucht, ein Verbrechen nachzuvollziehen und Hinweise und Erklärungen zu finden, die ihren ihr unbekannten Vater entmystifizieren.
Und das alles, wie ich meine, um letztlich ihre eigene Geschichte zu rekonstruieren, Wahrheiten aufzuspüren und Antworten auf existentielle und möglicherweise noch unbewusste Fragen zu finden, sowie um tiefliegende und ambivalente Gefühle zu ergründen:
„War ich erwünscht und wurde ich geliebt?“
Schon zu Beginn werden wir mit einer Komplexität und Zweiseitigkeit konfrontiert, die uns aufzeigt, dass die Beziehungen und Leben dieser beiden Frauen alles andere als eindeutig und einfach waren.
Die Mutter Katherine wird einerseits als ganz normale Frau eingeführt, die Frühstück macht und Marmeladentoast isst.
Andererseits wird schon ganz zu Beginn deutlich, dass sie eine ganz besondere, außergewöhnliche und von allen bewunderte Frau ist, die bereits mit 45 Jahren verbraucht ist. Lebensstil, Tabak, Alkohol und Glamour haben ihre Spuren hinterlassen.
Schon auf den ersten Seiten befinden wir uns auf der Volljährigkeitsparty von Norah. Ein rauschendes Fest im Spätsommer 1973 mit hochkarätigen Gästen und Zeitungsreporter. Ein Fest, das ihr zu Ehren veranstaltet wird, auf dem sie allerdings nur eine Nebenrolle spielt. Die Hauptrolle spielt ihre theatralische Mutter.
Schnell wird klar, dass es nicht einfach ist, im Schatten einer solchen, von der Öffentlichkeit verehrten und häufig abwesenden Mutter zu stehen.
„Es war schwierig, einen eigenen Ton zu finden.“ (S. 11)
Sie war nur eine schlechte Kopie ihrer zeitlosen Mutter. (S. 18).
Gleichzeitig war Norah wohl das Beste, das ihrer Mutter passieren konnte.
„...und ich wusste, ich war ihr geheimes Glück.“ (S. 19).
War das so?
Und war ebendies auch Norahs Glück?
Schon sehr früh wird angedeutet, dass die Schauspielerin psychiatrisch erkrankte und schon am Ende des ersten Kapitels erfährt man, dass sie 1980 den irischen Filmproduzenten Boyd O‘Neill in den Fuß geschossen hat, weshalb sie verhaftet, verurteilt und in eine forensische Psychiatrie eingeliefert worden war.
Dass sie erst nach drei Jahren mit psychiatrischer Festmedikation, gealtert und unheilbar krank entlassen wurde und drei Jahre später starb, bleibt kein Geheimnis.
Das alles und noch viel mehr erfahren wir über diese beiden vom Leben gezeichneten Frauen, ihre Beziehung zueinander und ihre Affären.
Wir bekommen auch einen Einblick in das jetzige Leben Norahs und erfahren, dass sie ihren leiblichen Vater nie kennengelernt hat.
Immer wieder stolpert man über wunderschöne Formulierungen, was mich anfangs darüber hinwegtröstet, dass Inhalt und Schreibstil mich nicht packen.
Der Satz „Ihre blühende, der Dummheit so nahen Intelligenz.“ (S. 27) lässt mich schmunzeln und die Formulierung: „Beide waren auf dramatische Weise gutaussehend und in der Lage, durch einfaches Stillhalten zu übertreiben.“ (S. 38) musste ich mehrmals lesen.
Aber dieser Trost hatte nicht die Kraft und das Gewicht, meine Leselust und mein Lesevergnügen anzukurbeln.
Ich empfand den Roman als eine wenig chronologische Aneinanderreihung von Erinnerungen, Szenen, Fakten und Gedanken.
Er las sich für mich nicht wie eine flüssige Geschichte, in die ich mich hineinfallen lassen konnte, sondern wie ein Bombardement mit Informationen, dem ich aufmerksam und konzentriert lauschen musste und das mich z. T. langweilte.
Das Erzähltempo war mir zu schnell, der Schreibstil zu nüchtern.
Mir fehlten die Emotionen und der Blick in das Innenleben der Personen.
Irgendwie war das Ganze für mich ein bisschen verwirrend, zu dicht und zu überladen.
Die Geschichte übte bis zuletzt keinen wirklichen Sog auf mich aus. Sie hat mich nicht erreicht, gepackt oder gefesselt. Sie war anstrengend, aber die Anstrengung hat sich für mich nicht gelohnt.
Im Verlauf der Lektüre bekam ich immer mehr den Eindruck von einem Puzzle.
Die Ich-Erzählerin schiebt einzelne Puzzleteile zusammen und am Ende entsteht ein ganzes Bild.
Manchen Lesern mag das sehr gut gefallen. Mir ist das zu unruhig, zu wenig zusammenhängend und zu wenig stringent.
„Die Schauspielerin“ ist eine interessante Geschichte mit reizvollen Themen, aber für meinen Geschmack nicht gut umgesetzt.