Die Klima- und Umweltkrise ist das Resultat von sozialen Verhältnissen, die historisch gewachsen sind - und die überwunden werden können. Milo Probsts Streifzüge durch die emanzipatorischen Kämpfe des 19. und frühen 20. Jahrhunderts schärfen den Sinn für das Mögliche und ziehen Verbindungslinien, aus denen Neues erwachsen kann:
Probst folgt den Spuren eines anarchistischen Aktivisten und Schriftstellers, der Anfang des 20. Jahrhunderts in Buenos Aires für einen breiten Solidaritätsbegriff eintrat, der auch die Natur miteinbezog, denen eines britischen Sozialisten, der in den 1890er Jahren Arbeiter*innen zum Kampf gegen die Luftverschmutzung animieren wollte, denen eines kubanischen Unabhängigkeitskämpfers, der Anarchistin und Feministin Louise Michel und anderen. Ihre Geschichten verdeutlichen, dass so etwas wie eine universelle Menschheit nur durch gemeinsame Kämpfe, einen Prozess des Solidarisierens sowie einen Bruch mit einem System möglich ist, das Menschen systematisch entmenschlicht.
Der Umweltschutz der 99% ist zugleich Wiederanknüpfung an eine antikapitalistische Tradition und Neuerfindung. Er ist antirassistisch, feministisch und dekolonial, klassenkämpferisch und internationalistisch. Er sucht ein neues Wir, das alle einschliesst, die in diesem System ausgebeutet, unterdrückt, diskriminiert und ausgeschlossen werden. Nur wenn Klima- und Umweltschutz als genuin soziale Fragen betrachtet werden, lässt sich dieses Wir entdecken.
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Eine Flugschrift, die Mut macht
Bewertung am 06.09.2021
Bewertungsnummer: 1562671
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
In "Für einen Umweltschutz der 99%" begibt sich Milo Probst, der zzt.über die Klimabewegung forscht, auf Spurensuche. Wir begleiten ihn auf anarchistische Kämpfe und Arbeitskämpfe der letzten hundertfünfzig Jahre, , bei denen Umweltschutz bereits Thema war. Wir lernen einiges über verschiedene historische Motivationen des Umweltschutzes, vergessene, vor allem marginalisierte Perspektiven bspw. von Frauen oder Indigenen und sehen zu, wie das Buch langsam ein Puzzle aus unterschiedlichen Kämpfen, Aktivist*innen, Theoretiker*innen zusammensetzt und sich dafür stark macht, dieses historische Wissen mit der Gegenwart zu verbinden und nutzbar zu machen.
Ziel ist, die verschiedenen Elemente, Kämpfe und theoretischen Begründungen, eines Umweltschutzes aus anarchistischer Perspektive zusammenzubringen, aber so, dass er auch Menschen außerhalb der schon aktiven Klimabewegung erreicht und international, intersektional, feministisch, antikapitalistisch ausgerichtet ist. Dabei geht es nicht um die unkritische Übernahme von Theorien, sondern das Wiederaufdecken vergessener Kämpfe und das Ausloten, was davon für heute ein Wiederentdecken lohnt und was weiterzudenken ist, welche Potentiale darin liegen und welche Makel - etwa bezüglich Geschlechtergerechtigkeit - zu überwinden sind.
Trotz des ernsten Themas gelingt es Milo Probst mit dieser Flugschrift, Mut zu machen, zur Beschäftigung mit teils vergessenen Anarchist*innen, teils vergessenen linken Umweltprojekten anzuregen und dabei immer wieder darauf hinzuweisen, dass linke Selbstreflexion das A und O ist, dass alternative Lebensentwürfe nicht per se ökologischer sind, sondern Umweltschutz immer aktiv mitgedacht werden muss, und dass Umweltschutz ohne fundamentale Systemkritik und die Perspektive Marginalisierter nichts mehr ist.
Ich habe mich über viele Namensnennungen gefreut, viel gelernt, meine to-read-Liste erweitert und kann das Buch nur empfehlen. Es macht dem Begriff der Flugschrift alle Ehre.
Eine Flugschrift, die Mut…
MrsCatastropy aus Köln am 06.09.2021
Bewertungsnummer: 2800144
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Eine Flugschrift, die Mut macht In "Für einen Umweltschutz der 99%" begibt sich Milo Probst, der zzt.über die Klimabewegung forscht, auf Spurensuche. Wir begleiten ihn auf anarchistische Kämpfe und Arbeitskämpfe der letzten hundertfünfzig Jahre, , bei denen Umweltschutz bereits Thema war. Wir lernen einiges über verschiedene historische Motivationen des Umweltschutzes, vergessene, vor allem marginalisierte Perspektiven bspw. von Frauen oder Indigenen und sehen zu, wie das Buch langsam ein Puzzle aus unterschiedlichen Kämpfen, Aktivist*innen, Theoretiker*innen zusammensetzt und sich dafür stark macht, dieses historische Wissen mit der Gegenwart zu verbinden und nutzbar zu machen. Ziel ist, die verschiedenen Elemente, Kämpfe und theoretischen Begründungen, eines Umweltschutzes aus anarchistischer Perspektive zusammenzubringen, aber so, dass er auch Menschen außerhalb der schon aktiven Klimabewegung erreicht und international, intersektional, feministisch, antikapitalistisch ausgerichtet ist. Dabei geht es nicht um die unkritische Übernahme von Theorien, sondern das Wiederaufdecken vergessener Kämpfe und das Ausloten, was davon für heute ein Wiederentdecken lohnt und was weiterzudenken ist, welche Potentiale darin liegen und welche Makel - etwa bezüglich Geschlechtergerechtigkeit - zu überwinden sind. Trotz des ernsten Themas gelingt es Milo Probst mit dieser Flugschrift, Mut zu machen, zur Beschäftigung mit teils vergessenen Anarchist*innen, teils vergessenen linken Umweltprojekten anzuregen und dabei immer wieder darauf hinzuweisen, dass linke Selbstreflexion das A und O ist, dass alternative Lebensentwürfe nicht per se ökologischer sind, sondern Umweltschutz immer aktiv mitgedacht werden muss, und dass Umweltschutz ohne fundamentale Systemkritik und die Perspektive Marginalisierter nichts mehr ist. Ich habe mich über viele Namensnennungen gefreut, viel gelernt, meine to-read-Liste erweitert und kann das Buch nur empfehlen. Es macht dem Begriff der Flugschrift alle Ehre.