Barrington, geboren und aufgewachsen in Antigua, liebt seine Retro-Anzüge und hat immer das passende Shakespeare-Zitat parat. Mit seiner Frau Carmel führt er ein beschauliches Leben in Hackney, London: zwei Kinder, ein Haus, Ruhestand. Doch unter der perfekten Oberfläche führt Barry ein Doppelleben. Sein Freund Morris ist ebenfalls nach England ausgewandert – denn die beiden führen seit jeher eine heimliche Beziehung. Während sich ihre Ehe auf den Abgrund zubewegt, entscheidet Barry, dass er endlich offen mit Morris zusammenleben will. Aber ist das möglich, nach all den Jahren des verborgenen Daseins? Ungekürzte Lesung mit Walter Kreye 2 mp3-CDs | ca. 11 h 56 min
Kundinnen und Kunden meinen
4.4/5.0
Bewertung
Book Circle Community
5/5
20.12.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Die Kunst der Ehrlichkeit
Dies ist die Geschichte von Barry, der aus Antigua ausgewandert ist und in England ein neues Leben anfing - oder eigentlich sein altes Leben weiterführt. Seit 50 Jahren ist er verheiratet, hat zwei Töchter und lebt in seinem Haus in London. Doch seit 60 Jahren lebt Barry ein Doppelleben - denn er ist homosexuell, was er sich aber auch - und wohl vor allem auch wegen seiner Herkunft - nicht eingesteht und demnach mit oder in einer Lüge lebt. Während Barry sich seine Freizeit und seine Abenden mit Morris um die Ohren schlägt, grübelt seine unglückliche Gattin, Carmelita, darüber nach, mit welcher Frau Barry sie betrügt.
Das Buch ist unglaublich gut geschrieben und bringt einem die karibische Geschichte mit allen Facetten näher. Die Figuren sind allesamt sehr greifbar und menschlich gestaltet. Ich hatte bei allen das Gefühl, sie direkt vor mir stehen zu sehen. Mein absoluter Star der Geschichte ist allerdings Carmelita. Denn sie hat aufgrund eines Schicksalsschlages eine bemerkenswerte Wandlung durchgemacht.
Das Buch ist zum grössten Teil aus Sicht Barrys geschrieben - also sehr einseitig aus männlicher Sicht. Das Buch gewinnt allerdings sehr an Tiefe, weil immer wieder Kapitel einfliessen, welche die Geschichte aus der Sicht Carmelitas erzählt. Diese Kapitel waren meine liebsten Teile in dem Buch. Auch der Schreibstil hier war super gewählt. Bernardine Evaristo hat ihr Handwerl definitiv im Griff.
Ich empfehle das Buch allen, die Freude an grossartiger und tiefgründiger Literatur haben.
Bewertung
5/5
11.05.2023
eBook (ePUB 3)
Eine alte Liebe
Ein Ehe- und Liebesromans, der Einblicke in das komplizierte Geflecht aller Beteiligten gibt und mitten aus dem britisch-karibischem Leben stammt.
Eine temporeiche Geschichte voller Humor, Ironie, tiefgründiger Gespräche, Gedanken und Ansichten über die Welt, ihre Menschen und was wirklich wichtig ist im Leben.
Die Autorin versteht es mit Worten umzugehen und ihre Leser in bekannte Lebenswelten zu entführen, die wir so noch nie betrachten haben. Es ist nie zu spät, seine Träume und Wünsche zu verwirklichen! Egal wie alt man ist...
Durch die verschiedenen Perspektiven und Zeitebenen taucht man tief in diese wunderbare Geschichte ein. Weibliche und männliche Sichtweisen, Gedanken und Gefühle kommen hier gut zum Ausdruck. Der Rundumblick auf diese Ehe, die eigentlich nie wirklich eine war, ist so genial gelungen!
Eine eigenwillige Geschichte, auf die man sich einlassen muss, um sie zu genießen.
Bewertung
5/5
05.04.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Tolle Unterhaltung!
Barry, Ü70, verheiratet mit zwei Töchtern möchte sich endlich von seiner Frau trennen und zu seiner Jugendliebe und besten Freund Morris stehen. Doch schafft Barry es nach all den Jahren zu sich zu stehen und welche Konsequenzen ergeben sich für ihn und alle Betroffenen daraus?
Bernadine Evaristos Roman ist einfach nur hervorragend! Evaristo schafft es mit so viel Witz und Wortgewandtheit ein überaus wichtiges Thema anzusprechen. Ihre Charaktere sind vielschichtig und jeder auf seine eigene Art und Weise einfach nur sympathisch.
Ihr Schreibstil ist wirklich sehr speziell und anfangs habe ich ein bisschen gebraucht um in die Passagen zu finden, die von Carmels, also Barrys Frau, erzählen, aber schon bald hat mich auch da der Sog gepackt und nicht mehr losgelassen! Ich bin begeistert!
Eine definitive Leseempfehlung für jede Altersklasse!
Hornita
aus Augsburg
5/5
18.02.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Lebendig und authentisch; Für…
Lebendig und authentisch; Für mich war es das erste Buch dieser Autorin und ich bin begeistert. Die Sprache hat eine sehr große Bandbreite und Lebendigkeit und hat mich ab der ersten Seite gefangen gehalten. Karibischer Flair gepaart mit Humor, Lebensweisheit und viel Allgemeinwissen kommen sofort rüber und man fühlt sich in das Leben der Hauptfiguren hineinversetzt. Die Geschichte wird größtenteils aus der Sicht Barrys erzählt, ein Teil davon auch aus der Sicht seiner Frau Carmel und mit ihren Gedanken verändert sich der Schreibstil, was sich ganz natürlich liest. Barrys Leben und Lebensgeheimnis werden nach und nach erzählt und durch die Perspektivwechsel wird klar, welche Chancen er und Carmel im Leben vergeben haben. Man kann beider Gefühle nachvollziehen und freut sich mit ihnen über positive Entwicklungen und Barrys spätes Coming-out. Barry ist einfach ein sympathischer, cooler, älterer Herr, der auf Mode aus den 1950ern steht. Ich würde sehr gerne eine Fortsetzung von dieser Geschichte lesen. Ein Kompliment an die Übersetzerin, denn die Arbeit kann durch den teilweise sehr speziellen Wortschatz nicht einfach gewesen sein und der Roman wurde toll übersetzt und der karibische Einschlag gut transportiert!
Hornita
aus Augsburg
5/5
18.02.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Lebendig und authentisch
Für mich war es das erste Buch dieser Autorin und ich bin begeistert. Die Sprache hat eine sehr große Bandbreite und Lebendigkeit und hat mich ab der ersten Seite gefangen gehalten. Karibischer Flair gepaart mit Humor, Lebensweisheit und viel Allgemeinwissen kommen sofort rüber und man fühlt sich in das Leben der Hauptfiguren hineinversetzt. Die Geschichte wird größtenteils aus der Sicht Barrys erzählt, ein Teil davon auch aus der Sicht seiner Frau Carmel und mit ihren Gedanken verändert sich der Schreibstil, was sich ganz natürlich liest. Barrys Leben und Lebensgeheimnis werden nach und nach erzählt und durch die Perspektivwechsel wird klar, welche Chancen er und Carmel im Leben vergeben haben. Man kann beider Gefühle nachvollziehen und freut sich mit ihnen über positive Entwicklungen und Barrys spätes Coming-out. Barry ist einfach ein sympathischer, cooler, älterer Herr, der auf Mode aus den 1950ern steht. Ich würde sehr gerne eine Fortsetzung von dieser Geschichte lesen. Ein Kompliment an die Übersetzerin, denn die Arbeit kann durch den teilweise sehr speziellen Wortschatz nicht einfach gewesen sein und der Roman wurde toll übersetzt und der karibische Einschlag gut transportiert!
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5/5
07.09.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Grandios gute Lektüre!
Vielfältigen, sprachlich brillanten und zugleich informativen Lesegenuss bietet Bernardine Evaristo einmal mehr mit ihrem Roman «Mr Loverman».
Barrington «Barry» Jedidiah Walker, geboren auf Antigua, ist im Mai 2010 74 Jahre alt, seit 50 Jahren verheiratet mit seiner Gattin Carmeline, fast ebenso lang ansässig in London – und schon sein ganzes Leben lang homosexuell. Aus diversen Gründen halten er und Carmel beide an ihrer unglücklichen Ehe fest, doch möglicherweise ist das im Begriff, sich zu ändern.
Ich-Erzähler Barry ist ein Schlitzohr, ein Aufschneider, ein Charmeur und eine Ikone. Obwohl er sich einiges in seinem Leben hat zuschulden kommen lassen, fliegen ihm die Sympathien zu. Carmel erscheint aus seiner Sicht wie ein sauertöpfischer Hausdrachen – umso besser, dass Evaristo Kapitel in Barrys Erzählung einschiebt, in denen Carmel mit sich selber spricht. Dabei verflechtet sie auch die zeitlichen Ebenen. Während Barry «Heute» im Jahr 2010 (vom 01. Mai bis 27. Mai und dann mit einem Sprung in den September und einem letzten Sprung zum 01. Mai 2011) und dabei fortlaufend, wenn auch mit vielen Erinnerungsrückblicken, erzählt, werfen Carmels Kapitel Schlaglichter auf ihre Gefühlslage alle zehn Jahre ab ihrer Hochzeit 1960. Evaristo verdeutlicht die unterschiedlichen Erzählperspektiven nicht nur auf der Ebene der Personalform, sondern auch sprachlich. Wie auch schon bei «Mädchen Frau etc.» spielt sie mit der Interpunktion und lässt in Carmels Fall den Punkt auch überwiegend gleich weg. Carmels Erzählung mutet poetisch an, was auch rein optisch an den Textumbrüchen liegt, aber auch am Erzählfluss. Beiden ist gemein, dass ihr karibisches Erbe sprachlich ausgedrückt wird, wobei Barry seine Sprache ganz bewusst einsetzt. Natürlich kann er auch «Queen’s Englisch» und drückt mit seiner Wortwahl, der verkürzten Sprechweise und seinen von der Übersetzerin Tanja Handels bewusst auf Englisch belassenen Ausdrücken seine Identität aus.
Grundsätzlich muss an dieser Stelle die Arbeit von Tanja Handels hervorgehoben werden, die, wie ich finde, den Roman mit viel sprachlichem Feingefühl ins Deutsche übertragen und dabei die Nuancen, das Flair und den Charakter des Originals beibehalten hat.
Beeindruckend fand ich nicht nur die sprachliche Ebene, sondern vor allem auch die Themenvielfalt und wie viel Geschichte und aktuelle politische Betrachtungen ebenfalls in dem Roman behandelt werden. Da wäre Barrys Homosexualität, seit Jahrzehnten versteckt, die Gründe dafür und die Auswirkungen davon (auf seine Ehe, aber auch auf ihn selbst, der ebenfalls homophobe Sprüche klopft), der erlebte Rassismus, historisch wie auch gegenwärtig, vergegenwärtigt nicht nur an ihm, sondern auch an seinen Töchtern und seinem Enkel, die Kolonialgeschichte Antiguas, die Geschichte Hackneys, und natürlich die Geschichte seiner Ehe, seiner grossen Liebe und der persönlichen Befreiung – nicht nur seiner, sondern auch der von Carmel.
Was mich am meisten an Bernardine Evaristos Romanen begeistert, sind die Leichtigkeit und der Humor, mit denen sie erzählt und die ihre tiefsinnigen, anspruchsvollen Texte so locker daherkommen lassen.