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Kathrin Bögelsack Filiale: Orell Füssli Bern

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Meine letzte Rezension Die Bernsteinfischerin von Lisa Quentin
Lisa Quentin verwebt in «Die Bernsteinfischerin» gekonnt Aspekte der Zeitgeschichte Lübecks mit geologischer Forschung und den Biografien zweier Frauen. Mit jedem Kapitel wechseln wir die Perspektive zwischen ihren Hauptfiguren Ebba und Julika. Ebba, Pensionswirtin wider Willen und leidenschaftliche Künstlerin, begleiten wir ab Ende des Zweiten Weltkriegs bis heute. Die zeitlichen Sprünge zwischen ihren Kapiteln sind teils gross, um ihr Leben abdecken zu können, teils geht es nach einem Einschub Julikas aber auch nahtlos dort weiter, wo wir Ebba zuletzt begegnet sind. Eine clevere Erzählweise, die für Spannung und Abwechslung sorgt. Julika, eine junge Bernsteinforscherin, lernen wir in der Gegenwart kennen. Ihr Erzählstrang umfasst nur wenige Wochen, ihre Handlung ist somit dichter. Beide Frauen sind an ihre Familien gebunden, beide wünschen sich, auszubrechen, frei(er) zu sein, ihrer Berufung folgen zu können. Gerade Ebbas Perspektive ist dabei tröstlich und versöhnlich, da sie ihre Erlebnisse rückblickend wohlwollender einordnet. Eine faszinierende Lektüre, zugleich leicht und tiefgründig, mit einer Ostsee in täglich neuem Gewand. Ein Roman über Trauer, Verlust, Familie und neue Chancen. Für Fans von Julia Dibbern («Unter Wasser ist es still») und Beatrix Gerstberger («Die Hummerfrauen»).
ab Fr. 33.90
Produktbild Die Bernsteinfischerin
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4/5

Die Bernsteinfischerin

Lisa Quentin verwebt in «Die Bernsteinfischerin» gekonnt Aspekte der Zeitgeschichte Lübecks mit geologischer Forschung und den Biografien zweier Frauen. Mit jedem Kapitel wechseln wir die Perspektive zwischen ihren Hauptfiguren Ebba und Julika. Ebba, Pensionswirtin wider Willen und leidenschaftliche Künstlerin, begleiten wir ab Ende des Zweiten Weltkriegs bis heute. Die zeitlichen Sprünge zwischen ihren Kapiteln sind teils gross, um ihr Leben abdecken zu können, teils geht es nach einem Einschub Julikas aber auch nahtlos dort weiter, wo wir Ebba zuletzt begegnet sind. Eine clevere Erzählweise, die für Spannung und Abwechslung sorgt. Julika, eine junge Bernsteinforscherin, lernen wir in der Gegenwart kennen. Ihr Erzählstrang umfasst nur wenige Wochen, ihre Handlung ist somit dichter. Beide Frauen sind an ihre Familien gebunden, beide wünschen sich, auszubrechen, frei(er) zu sein, ihrer Berufung folgen zu können. Gerade Ebbas Perspektive ist dabei tröstlich und versöhnlich, da sie ihre Erlebnisse rückblickend wohlwollender einordnet. Eine faszinierende Lektüre, zugleich leicht und tiefgründig, mit einer Ostsee in täglich neuem Gewand. Ein Roman über Trauer, Verlust, Familie und neue Chancen. Für Fans von Julia Dibbern («Unter Wasser ist es still») und Beatrix Gerstberger («Die Hummerfrauen»).

Meine Lieblingswerke

  • Produktbild Revolution der Verbundenheit
    • Kathrin Bögelsack
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    5/5

    Revolution der Verbundenheit

    …das ich bisher gelesen habe. Franziska Schutzbach zeigt auf, warum intensive Frauenfreundschaften so wichtig für uns sind und was sie alles bewirken können. Uns verbunden zu fühlen schenkt uns z. B. Hoffnung und Zuversicht in das Leben, die Zukunft, die Menschheit. Das wiederum schützt uns vor den Verführungen des Populismus. In intensiven Freundschaften wird aber auch diskutiert, werden Missstände benannt, Lösungen gesucht, einige davon werden verworfen, es werden aber auch welche gefunden, die das Leben Schritt für Schritt verbessern. Schutzbach plädiert zudem dafür, dass wir uns mehr Geschichten erzählen über unsere Schwestern, Mütter, Tanten, Grossmütter etc. – damit wir uns als Frauen verortet und nicht isoliert fühlen. Denn sich selbst in diese Genealogie einzureihen vermittelt neben der Zugehörigkeit Trost und Stärke. Das sind nur zwei Aspekte für die sich die Lektüre von «Revolution der Verbundenheit» über die Masse lohnt und warum ich das Buch mit Vorliebe empfehle. Schutzbach stellt ihren Kapiteln, die in beliebiger Reihenfolge gelesen werden können, immer einen Brief voran, den sie an eine andere Frau geschrieben hat. In den Briefen legt sie ihre Gedanken zum Thema des jeweiligen Kapitels auf eine einfache Weise dar. Einfach, weil Schutzbach Wissenschaftlerin ist und man das den auf den Brief je folgenden Erörterungen mal mehr, mal weniger stark anmerkt. Manche Abschnitte sind dadurch etwas schwieriger zu lesen, aber es lohnt sich. Sie schaut kritisch auf die bisherige Frauenbewegung, auf Utopien – gelebte oder fiktive (inkl. weiterer Lektüreoptionen) – auf unsere Kulturgeschichte und wie diese sich auch interpretieren lässt (wie kann bspw. die Geschichte von Odysseus’ Frau Penelope noch gelesen werden, ausser als passives und treues Warten auf den Mann, der ihrem Leben einen Sinn verleiht?). Sie gibt uns Anregungen und sie macht uns Mut. Mut, uns die Hände schmutzig zu machen und für uns, unsere Werte und das Leben, das wir führen möchten einzutreten. Denn einen «sauberen» Feminismus wird es nie geben. Dafür sind wir alle zu verschieden, zu geprägt von Gesellschaft und Kultur, zu menschlich. Wir werden Fehler machen, aber das ist in Ordnung, wenn wir darüber zu reden bereit bleiben, sagt sie. Nach der Lektüre stehen wir nicht mit einem fix-fertigen Bauplan für eine gleichberechtigte Welt da – vielmehr setzt Schutzbachs Buch behutsam einen Prozess in Gang, dessen Ende offen ist, mich aber hoffnungsvoll stimmt.

  • Produktbild Die Singuläre Frau
    • Kathrin Bögelsack
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    5/5

    Die Singuläre Frau

    Das Fazit diesmal vorab: Unbedingt lesen! Katja Kullmanns Essays zum Thema «Leben als Frau ohne Begleitung» haben die perfekte Mischung aus persönlichen Erfahrungen und Fakten, aus Eloquenz, Verständlichkeit, Humor, Ernst und Leichtigkeit. Ich habe so viel gelernt und mitgenommen und das dringende Bedürfnis, das Buch erneut durchzulesen und diesmal mit Buntstiften und Post-Its zu verzieren und meine Lieblingsstellen herauszuschreiben. Kullmann war Mitte vierzig als sie plötzlich feststellte, dass sie nun seit längerem alleinstehend war. Sie tat sich schwer mit der Tatsache an sich, mit den Begriffen, die es für Frauen wie sie gab und so begann sie zu recherchieren, nachzulesen, ihre Erkenntnisse zu verschriftlichen und gelangte somit zu dem Begriff der singulären Frau. Grossartig an ihrem Werk finde ich unter anderem, dass sie die lange Tradition von Frauen sichtbar macht, die sich bereits vor ihr mit dem Thema auseinandergesetzt haben. Ebenso ihre Ehrlichkeit, Unverkrampftheit und die vielen Facetten des Lebens als singuläre Frau, die sie hier ausleuchtet (Sexualität, soziale und wirtschaftliche Aspekte, die Bedeutung der singulären Frau für mehr Gleichberechtigung und so vieles mehr). Sie will damit niemanden bekehren zum Leben «allein», vielmehr baut sie Vorurteile und Ängste ab, macht Mut, falls der benötigt wird, und stellt der Doktrin vom Glück zu zweit einen freudvollen Gegenentwurf gegenüber. «Zufallszwischenmenschlichkeit ist sehr wichtig.» Auch dafür danke, Frau Kullmann! PS: Wer «Stars» von ihr gelesen hat, findet hier zudem Hinweise zur Vorlage von Carla Mittmann ;-)

  • Produktbild Rosa Buch
    • Kathrin Bögelsack
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    5/5

    Rosa Buch

    Ich liebe meine Kolleg*innen, gerade auch für ihre genialen Buchtipps: «Rosa Buch – Queere Texte von Herzen» von Anna Rosenwasser ist ein solcher Tipp, den ich mit einem begeisterten «Lest» weiterempfehle. Das Buch vereint viele der in diversen Zeitungen und Zeitschriften von 2018 bis 2022 erschienenen Kolumnen der LGBTQ-Expertin und Feministin. Diese sind maximal sechs Seiten lang, in der Regel kürzer, und Rosenwasser behandelt darin, frisch von der Leber weg, zahlreiche Themen. Zuvorderst natürlich den grossen queeren Themenbereich: queer sein, Ehe für alle, die vielen Formen der Diskriminierung, die queere Community, wie wichtig die Bubble ist und so vieles mehr. Sie spricht ganz allgemein über Frau-Sein, Liebeskummer, Jüdisch-Sein, betreibt Aufklärung in jeglicher Hinsicht und erklärt, was das und insbesondere ihr Problem mit rechtem Gedankengut ist. Sie spricht über Themen, die ihr am Herzen liegen, Erfahrungen, die sie gemacht hat und die sie nun reflektiert, sie beantwortet Leser*innenfragen und versucht, Vätern zu helfen, die ihre Töchter vor Sexismus schützen wollen. Sprachlich lässt sie gelegentlich Mundart, Englisch und Laute wie «njä» einfliessen. Sie schreibt humorvoll, prägnant, pointiert und gelegentlich auch wütend. Sie spricht ihr Publikum direkt an, bezieht uns in ihre logischen Gedankengänge mit ein und sorgt so für zahlreiche Aha-Momente. Manche Kolumnen wiederholen bereits zuvor behandelte Standpunkte, allerdings immer aus einem leicht veränderten Blickwinkel. So zeigt sie auf, dass diese Themen offenbar immer wieder im Raum stehen und es nötig ist, sie erneut zu behandeln. Grandios sind im Übrigen auch die Haptik, das Layout und dabei insbesondere die «Katzenschwanzzeilen», mit denen sie ihre eigenen Texte kommentiert. Mittendrin befindet sich ein Index, am Ende ein Glossar, manche Seiten sind ganz oder teilweise rosa eingefärbt und zwischendurch stehen immer wieder ganzseitige Fotografien von Katzenkratzbäumen. Das «Rosa Buch» ist ein neues Lieblingsbuch von mir. Eines, das ich wegen seiner Relevanz und Menschenliebe allen empfehlen möchte und das ich sicherlich immer wieder in die Hand nehmen werde, um einzelne Texte daraus zu lesen.

  • Produktbild Wie du mich ansiehst
    • Kathrin Bögelsack
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    5/5

    Wie du mich ansiehst

    Wie kann jemand so reflektiert und umfassend über ein komplexes Thema schreiben und das mit einem wunderbar leichten, humorvollen Ton? Eva Lohmann hat es jedenfalls drauf und begeistert mich nach «Etwas Leichtes» erneut. In «Wie du mich ansiehst» lernen wir Johanna kennen. Sie ist 40 Jahre alt und hat ihrer 15-jährigen Tochter zeitlebens gesagt, dass jede*r schön ist, ganz unabhängig von Alter, Körperform etc. Doch letztens ist Johanna die Zornesfalte auf ihrer Stirn aufgefallen. Was wäre, wenn sie die wegmachen liesse? Lohmann schaut aus ganz verschiedenen Blickwinkeln auf das Thema Schönheit: wie wir uns sehen, wie andere uns sehen, wie wir den Blick der anderen auf uns mitdenken. Wie komplex gerade der Blick ist, den Frauen auf sich spüren: er kann beflügeln, belästigen, er kann für eigene Zwecke eingesetzt werden, er kann zur Last fallen, wenn er irgendwann ausbleibt und gleichzeitig kann darin eine neue Freiheit liegen. Es geht darüber hinaus auch um unseren eigenen Blick auf die uns nahestehenden Menschen. Insbesondere nach einer langjährigen Partnerschaft. Wie bewusst nehmen wir unsere*n Partner*in noch wahr? Sind wir noch neugierig und interessiert? «Wie du mich ansiehst» lädt uns ein, offen zu sein: für unsere Mitmenschen, neue Erfahrungen und Veränderungen. Halt und Stärke findet Johanna im Schrebergarten ihres kürzlich verstorbenen Vaters, in ihrem Blumenladen, ihren Freundinnen und ihrer Partnerschaft. Gerade die Arbeit mit Blumen und Boden ist sinnlich und erdend, ihr Schrebergarten ein erholsamer Rückzugsort, nicht nur für Johanna. «Wie du mich ansiehst» ist eine bereichernde, wohltuende Lektüre voller Leichtigkeit, Witz, Charme und liebenswerter Figuren. Für Fans von Eva Menasse, Vera Zischke und Katja Kullmann.

  • Produktbild Ava liebt noch
    • Kathrin Bögelsack
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    5/5

    Ava liebt noch

    …den ich bisher gelesen habe. Wir lernen Ava kennen, als sie 43 Jahre alt ist. Sie ist Ehefrau und Mutter von drei Kindern im Alter von fünf, zehn und zwölf Jahren. Mit Schrecken stellt sie eines Tages fest, dass sie nur noch funktioniert, statt zu leben, und wie schnell sie mit ihrem Mann in alte Rollen gefallen ist, in denen sich beide verheddert haben. Ihr Leben bricht auf, als sie den 19 Jahre jüngeren Kieran kennenlernt. Vera Zischkes aktueller Roman, «Pina fällt aus», hatte mich bereits so begeistert, dass ich unbedingt mehr von der Autorin lesen wollte. Ihr Debütroman, «Ava liebt noch», zeichnet sich ebenfalls durch Figuren aus, die uns auch auf der Strasse begegnen könnten. Avas Erschöpfung, ihr Hadern mit der Mutterrolle, ihr Verlangen und ihre Sehnsucht danach, wieder Frau zu sein, zu begehren und begehrt zu werden, die Tragik ihrer Ehe, der festen Rollenmuster, in die zu fallen immer noch der Weg des geringsten Widerstands ist, aber auch Avas Angst vor der Meinung der anderen, wenn sie sich zu nehmen wagt, was sie will, all das sind alltägliche Themen, in denen wir uns wiederfinden können. Zischke schreibt abwechselnd aus Avas und Kierans Sicht in der ersten Person. Wir erleben somit auch seine Seite, seine Gefühle in dieser Beziehung und welche Auswirkungen Avas Entscheidungen auf ihn und sein Leben haben. Ich liebe die Komplexität des Romans, wie ernsthaft und realistisch sich Zischke mit Avas und Kierans Leben und ihrer Beziehung auseinandersetzt, den langen Zeitraum, den das Buch umfasst und wie sich die Leben der Figuren in dieser Zeit ändern. Wie wollen wir leben? Wie unsere Beziehungen gestalten? Wie uns selbst wiederfinden/treu bleiben/im Blick behalten? Was ist uns wichtig? Diese Fragen stellen sich uns zwangsläufig während des Lesens. Die Antworten darauf überlässt Zischke uns selbst. Eine wunderschöne, beglückende, tröstliche Lektüre, die entweder aufrüttelt oder dankbar macht und in jedem Fall lesenswert ist.

  • Produktbild Alleinruhelage
    • Kathrin Bögelsack
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    5/5

    Alleinruhelage

    Eva Menasse schreibt im Vorwort des Leseexemplars, sie habe sich vom assoziativen Erzählstil Margaret Atwoods in «Moralische Unordnung» inspirieren lassen für «Alleinruhelage». Und das ist der Autorin gelungen! Ihre fiktive Ich-Erzählerin nimmt uns mit in ein Wochenendhaus irgendwo in Mecklenburg. Noch zu DDR-Zeiten als Gaststätte gebaut, kaufen die Erzählerin und ihr Mann es einige Jahre nach der Wende, renovieren, gestalten, geniessen, setzen sich mit Behörden, Vorschriften und dem nahegelegenen Datschenverein auseinander, ziehen ihre Kinder gross und entlieben sich. Über zwanzig Jahre ist das Häuschen in Vogelsang Teil des Lebens der Ich-Erzählerin und begleitet sie durch Höhen und Tiefen. Ihre Erinnerungen fliessen locker und harmonisch in- und umeinander, sie nimmt sich selber nicht allzu ernst, wechselt zwischen Humor und Sachlichkeit, verschachtelten und kurzen Sätzen, literarischen Formulierungen und Dialekteinschlägen. Da wir nur in Erinnerungen mit ihr schwelgen, bleiben die anderen Figuren, bleiben Schmerz und Schwieriges auf Distanz, die Erzählerin hat alles bereits hinter sich gelassen. Auch das verleiht dem Roman seine Ruhe und Tröstlichkeit. «Alleinruhelage» ist ein stilles und zugleich grosses literarisches Lesevergnügen über zwei Jahrzehnte im Leben einer Frau, Brüche, Veränderungen und Konstanten.

  • Produktbild Going Zero
    • Kathrin Bögelsack
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    5/5

    Going Zero

    Was für ein genial geschriebener, hochspannender (Agenten-)Roman über unsere zerbröselnde Privatsphäre! Cy Baxter, Social-Media-/Tech-Mogul, ist eine Partnerschaft mit FBI, CIA und NSA eingegangen. Wenn sein Projekt, Fusion, den Betatest besteht, steht ihm eine neun Milliarden schwere dauerhafte Partnerschaft in Aussicht. Entsprechend motiviert ist er. Das sind aber auch die zehn Testpersonen, die am 1.5. um 12 Uhr abtauchen sollen. Gelingt es ihnen, sich dem Zugriff von Fusion für 30 Tage zu entziehen, winken ihnen drei Millionen US-Dollar. Neben fünf Profis wurden auch fünf Laien ausgewählt, von denen sich ausgerechnet die Bibliothekarin Kaitlyn Day als unfassbar erweist. Dass McCarten neben diverser Romane auch zahlreiche Drehbücher geschrieben hat, ist «Going Zero» anzumerken. McCarten erzählt seinen Roman abwechselnd aus den Perspektiven fast aller Beteiligter, darunter der zehn Zeros und der wichtigsten Figuren bei Fusion, allen voran Cy Baxter. Die Kapitel sind gerade im ersten Drittel kurz, sodass sich die Geschichte absolut rasant liest. Am längsten sind in dieser Anfangsphase die Motivationsreden von Cy, in denen er von der Bedeutung ihrer Arbeit bei Fusion für die nationale Sicherheit spricht. Denn die einzigen, so Baxter, die sich vor Fusion fürchten müssen, sind die bösen Jungs. Wer kann da schon dagegen sein, ein bisschen von seiner Privatsphäre aufzugeben? Seine Reden gehen im ersten Moment runter wie Öl und erst beim genaueren Lesen bekommt die scheinbar bestechende Logik Risse. «Going Zero» führt uns vor Augen, welche Möglichkeiten den grossen IT-Unternehmen jetzt schon zur Verfügung stehen, um unser Verhalten vorherzusagen und zu manipulieren. Der Roman rüttelt wach und fordert uns auf, unser Verhalten und die gängige Politik zu hinterfragen. Gleichzeitig ist die Jagd auf die Zeros ungemein unterhaltsam und wir fragen uns selbst dauernd, wie wir uns in einer solchen Verfolgung verhalten würden. Kaitlyn Day ist eine vielseitige, immer wieder überraschende Protagonistin, mit der das Publikum sich hervorragend identifizieren kann. Sie unterteilt den Roman in Phase 1 und 2. Da bald ein Zero nach dem anderen gefasst wird, überrascht McCarten immer wieder mit unvorhergesehenen Plottwists, die begeistern und einen Spionagethriller aus der ursprünglichen Geschichte werden lassen. Immer noch wechseln wir die Perspektive, jedoch wird das Figurenarsenal kleiner. Trotzdem verliert der Roman nichts an Spannung. Die ergibt sich allein aus dem Countdown, der jedem Kapitel vorangestellt wird und an dem wir sehen, wie viel Zeit Fusion noch bleibt, um alle Zeros zu fassen. Cy Baxter ging mir zum Schluss fast ein bisschen zu sehr auf in seiner Rolle als Bösewicht, aber das verzeihe ich diesem spektakulären, äusserst kritischen und überaus fesselndem Roman gerne. «Going Zero» hat mich über die Lektüre hinaus gepackt und begeistert und ich kann das Buch nur wärmstens empfehlen.

  • Produktbild Breath - Atem
    • Kathrin Bögelsack
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    5/5

    Breath - Atem

    James Nestor lässt uns auf humorvolle und unterhaltsame Weise teilhaben an seinen umfangreichen Recherchen zur Atmung und zeigt, wie sich unsere heutige Atmung entwickelte, warum und inwiefern sie uns das Leben erschwert und welche Atemtechniken uns dabei unterstützen können, zu einer gesünderen Atmung zurückzukehren. Dafür hat er Texte diverser Kulturen gelesen oder sich deren Inhalt erklären lassen, in den verschiedenen Religionen Übereinstimmungen bei den Gebeten gefunden, die Erkenntnisse von Anthropolog*innen, Mediziner*innen verschiedener Fachrichtungen und interessierten Privatpersonen (wie Wim Hof) zusammengetragen und sich selber wenn möglich als Proband zur Verfügung gestellt. Sein Sachbuch liest sich nicht nur unterhaltsam, es ist auch klar aufgebaut und gut strukturiert. Seine Quellen sind im Anhang aufgelistet und das Buch schliesst mit einer kompakten Zusammenfassung und einem detaillierten Überblick über die verschiedenen Atemtechniken und ihre Anwendungsformen ab. Ein, meiner Meinung nach, enorm wichtiges Buch, dessen Inhalt grosses und vielfältiges Potential hat.

  • Produktbild Drei Tage im Juni
    • Kathrin Bögelsack
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    5/5

    Drei Tage im Juni

    Anne Tylers 61-jährige Ich-Erzählerin, Gail, schildert eine Momentaufnahme aus ihrem Leben. Das ist absolut undramatisch und in seiner Schlichtheit einfach wunderschön. Denn in Gails alltäglichen Gedanken finden wir uns wieder, daran können wir anknüpfen. Sie ist ein eher zurückhaltender Mensch bzw. kaschiert Emotionen gern hinter einem leicht ruppig wirkenden Verhalten. Aber sie hat das Herz am rechten Fleck und wie sie von diesen drei Tagen erzählt, ist mit das Authentischste und Lebendigste, was ich je gelesen habe. Ich kann es leider nicht allzu gut beschreiben, aber Anne Tyler gelingt es virtuos, ihren Figuren Leben einzuhauchen und uns nebenbei zu zeigen, worauf es möglicherweise im Leben ankommt. Insbesondere im zwischenmenschlichen Bereich findet ihre Heldin tröstende Erkenntnisse. Und ruft trotz ihrer 61 Jahre zwischenzeitlich aus: «Ich bin zu jung für diese Situation […,] zu jung, zu unbeholfen, zu ahnungslos. Warum waren keine Erwachsenen in meiner Nähe?» Grosse Leseempfehlung! Von Michaela Grabinger ebenso virtuos ins Deutsche übersetzt.

  • Produktbild Ja, nein, vielleicht
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    5/5

    Ja, nein, vielleicht

    Doris Knecht kehrt in “Ja, nein, vielleicht” zurück zu ihrer autofiktionalen Ich-Erzählerin aus “Eine vollständige Liste aller Dinge, die ich vergessen  habe ”. Nunmehr Mitte Fünfzig sieht sie sich konfrontiert mit der eigenen Endlichkeit und mit der Frage, ob sie ihr Single-Dasein nicht doch aufgeben sollte. Gerade letzteres kommt für sie eher überraschend, dachte sie doch, mit dem Kapitel abgeschlossen zu haben. Aber als in ihrem Bekanntenkreis die Hochzeitsglocken läuten und sich neue Pärchen bilden, gerät sie ins Grübeln. Doris Knecht schreibt herrlich erfrischend, direkt, humorvoll vom Leben, vom mittleren Alter und den vielen Gedanken und Gedankenspiralen, in die sich auch jetzt noch/neuerdings so stürzen lässt. Grandios dabei der Kontrast zwischen den Gedanken der Erzählerin und ihren Taten. Mehrfach fühlte ich mich an Paul Watzlawiks Geschichte mit dem Hammer erinnert. Sie bezieht sich aber auch direkt auf Judith Herrmann oder Alex Capus und den scheinbaren Trend, die alternden Figuren von einem Marder/Siebenschläfer tyrannisieren zu lassen (bedauernd stellt sie fest, dass sie ihren eigenen Marder somit nicht thematisieren kann). Auch auf Ingeborg Bachmann verweist sie, wenn sie das Für und Wider einer erneuten Beziehung abwägt. Kleine Vorwarnung: ihre Erzählerin hat recht negative Erfahrungen gemacht und sieht Männer entsprechend kritisch. Das war mir etwas einseitig. Dabei kann ich die Gründe, keine neue Partnerschaft einzugehen, durchaus nachvollziehen (sich allgemein nicht mehr anpassen wollen, sich selber nicht mehr hinterfragen müssen, das Bedürfnis nach emotionaler Stabilität). Gerade diese Gedanken finde ich bei ihr enorm wichtig, ebenso wie ihre Kritik an den Vorurteilen, denen sich alleinstehende Frauen ausgesetzt sehen. Die einzelnen Kapitel sind mittellang, lesen sich leicht, es wirkt, als würden wir mit Doris Knechts Erzählerin freundschaftlich unten am Fluss sitzen, ein Gläschen Wein trinken und miteinander reden. Immer mal wieder kehrt sie mit einem neuen Kapitel zu einem bereits früher begonnenen Thema zurück, somit kommt es gelegentlich zu Überschneidungen. Die Erzählung beginnt im Frühjahr und endet mit dem beginnenden Herbst. Witzig fand ich ihr Spiel mit der Metaebene, wenn sie als Autorin erkennbar wird und gleichzeitig ja doch weiter Erzählerin bleibt. Lange Rede kurzer Sinn: Unterhaltsame, authentische Gedanken einer Frau mittleren Alters zum Altern, zur romantischen Liebe und zu Beziehungen an sich. Lesenswert!

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