Meine letzte RezensionGlutinselvon Javier Castillo
Der erste Krimi/Thriller des Spaniers Javier Castillo, der auch in Spanien, genauer gesagt auf Teneriffa, spielt. Gelesen habe ich bisher noch nichts von ihm, war nun aber neugierig.
Der 25-jährige Mario hat soeben seinen letzten Chemozyklus hinter sich und seine Zwillingsschwester Laura holt ihn zu sich nach Teneriffa, damit er sich dort erholen und vor allem wieder Freude am Leben finden kann. Zu diesem Zweck hat sie eine Art Schatzsuche geplant, die Mario an die schönsten Orte der Kanaren führen wird. Doch dazu kommt es nicht, denn Laura stirbt.
Castillo wechselt rege die Perspektive, zumeist zwischen Mario und der leitenden Ermittlerin. Mario lernen wir in der ersten Person kennen, es gibt aber auch Kapitel, die über ihn in der dritten Person geschrieben sind. Darüber hinaus baut Castillo diverse Rückblenden ein, überwiegend in Marios und Lauras Kindheit.
Marios Krebserkrankung und Lauras Tod sind nicht die einzigen Schicksalsschläge, welche die Figuren von «Glutinsel» zu bewältigen haben. Das verleiht den Figuren zwar eine gewisse Tiefe, jedoch lenkt es vom eigentlichen Fall ab und aufgrund der Häufung stumpfen wir rasch ab. Die Ermittlungen in Lauras Tod geraten in den Hintergrund, wir erhalten nicht wirklich Gelegenheit zum Rätseln und es baut sich kaum Spannung auf. Im Fokus stehen stattdessen Heilung, Dankbarkeit, die Schönheit des Lebens anzuerkennen und zu feiern. Für mich passte es einfach nicht besonders gut zusammen.
Hinzu kommt, dass die Figuren emotional reagieren und dabei von einem Extrem ins andere umschlagen; insbesondere die Ermittlerin wirkt dadurch leider wenig kompetent.
Eines muss man «Glutinsel» jedoch zugute halten: Das Buch lädt dazu ein, Teneriffa zu besuchen und sich von der Landschaft verzaubern zu lassen. Für einen guten Krimi oder sogar Thriller reicht das jedoch in meinen Augen nicht.
Aus dem Spanischen von Sybille Martin.