ZWEI SCHRIFTSTELLERINNEN, Jahrhunderte voneinander getrennt: In ihrem ungewöhnlichen Prosadebüt verbindet Doireann Ní Ghríofa Essay und Autofiktion, um das Innenleben und die tiefe Verbundenheit zwischen zwei schreibenden Frauen aus zwei verschiedenen Epochen zu erkunden. Es ist eine Feier des Lebens, der Liebe und des rechten Umgangs mit Leiden.
Im 18. Jahrhundert trinkt eine irische Adelige, als sie erfährt, dass ihr Mann ermordet wurde, eine Handvoll seines Blutes und verfasst ein aussergewöhnliches Gedicht, das zum nationalen Mythos werden wird. In der Gegenwart entgeht eine junge Mutter nur knapp einer Tragödie und stösst auf ein Gedicht, das sie bereits als Schulkind gelesen hat. Besessen von den Parallelen zu ihrem eigenen Leben macht sie sich auf die Suche nach dem verschwiegenen Rest des Geschehens.
Eine grosse Geschichte über eine Frau, die ihre Stimme befreit, indem sie in die Vergangenheit vordringt und die einer anderen findet.
Doireann Ní Ghríofa: „Ein Geist in der Kehle“
Aus dem Englischen von Cornelius Reiber (Text) und Jens Friebe (Lyrik)
Was für ein Buch! Intensiv, lebensnah, intim, direkt und ausserordentlich poetisch. „Ein Geist in der Kehle“ hat auf mich eine Faszination ausgeübt, die ich kaum in Worte fassen kann. Jeder Satz ein Genuss.
Doireann Ní Ghríofa, vierfache Vollzeitmutter, erinnert sich in einer herausfordernden Phase ihres Lebens an die irische Dichterin Eibhlín Dubh, die im 18. Jahrhundert ein Caoineadh, ein berühmtes, irisches Klagelied erschaffen hat. Während sie sich um die wachsende Familie kümmert, „Tausende Pflichen“ erfüllt, stillt, Milch zum Spenden abpumpt, taucht sie immer tiefer in das Gedicht und in das Leben von Eibhlín Dubh ein, beginnt den irischen Text neu ins Englische zu übersetzten und nach den Spuren Eibhlín Dubhs zu suchen. Die obsessiven Beschäftigung mit dem Caoineadh und seiner Urheberin, über deren Leben sehr wenig bekannt ist, gibt Doireann Ní Ghríofa Kraft und Halt.
„Die Monate vergingen, wie Monate so vergehen, in einem Kreislauf aus Einkaufslisten, Magen-Darm-Infekten, Ostereiern, Staubsaugen und Stromrechnungen. Mein Bauch wurde dicker und dicker, bis sich mein dritter Sohn eines morphiumhellen Tages im Juli langsam seinen Weg aus meinem Bauch zu meiner Brust bahnte und ich wieder in die brutale Erschöpfung des nächtlichen Stillens geriet. In diesen Wochen der gelben Windeln, in denen sich alles um die erratische Welt der Bedürfnisse anderer drehte, waren die Zeilen des Caoineadh der einzige dauerhafte Halt.“
In ihrem Prosadebüt vermischt Doireann Ní Ghríofa geschickt und gut austariert ihr eigenes Leben als Mutter und ihre Beschäftigung mit der Dichterin Eibhlín Dubh. So verwebt sie zwei Frauenleben aus ganz unterschiedlichen Zeiten zu einem aussergewöhnlichen Kunstwerk. Obwohl zwischen dem Leben der beiden Frauen viel Zeit verstrichen ist, sind sie doch miteinander verbunden durch ihr Frau- und Muttersein.
Immer wieder taucht in „Ein Geist in der Kehle“ der Satz: „Dies ist ein weiblicher Text“ auf. Als eine Art Leitmotiv weist er auf das von Frauen geschaffene, geleistete, getextete, gelebte und nicht wahrgenommene, nicht sichtbar gemachte hin. Der weiblicher Text Doireann Ní Ghríofas macht Weiblichkeit, Mutterschaft und weibliches Leben, Wirken und Schaffen sichtbar und ehrt es. Immer wieder wird dabei das auch über die Jahrhunderte Verbindende betont:
„Sobald sich sein Kiefer entspannt und sich seine Augen nach hinten verdrehen, schleiche ich mich davon, erneut fasziniert vom Gedanken, wie oft einzelne Augenblicke meines Tages von unzähligen anderen Frauen in unzähligen anderen Wohnungen durchlebt werden, verbunden mit mir im Text unserer Tage. Ich frage mich, ob sie ihre Schufterei genauso lieben wie ich […]“
Noch nie habe ich einen so poetischen Text über Mutterschaft gelesen. Über alle diese Erfahrungen, Gefühle, Ängste, Schmerzen und Freuden dieser so besonderen, fordernden, einzigartigen Zeit mit kleinen Kindern. Doireann Ní Ghríofa schreibt klar, eindrücklich, schonungslos und roh. Aber nie abwertend. Und das macht das Buch für mich so einzigartig .Während in der feministischen Literatur oft alles, was mit Kindern, Care- und Hausarbeit zu tun hat, als Hindernis oder als etwas Minderwertiges dargestellt wird, das Frau daran hindert, das wirkliche, richtige Leben zu leben, lebt Doireann Ní Ghríofa ihre Mutterschaft ganz selbstverständlich, ohne sie zu bewerten, schildert die brutalen Seiten, ohne zu jammern. Ihre Beschreibungen sind voller Poesie. Statt auf Ungerechtigkeiten oder Mangel richtet Doireann Ní Ghríofa ihren Blick auf die Fülle und das das Besondere am Frau sein, ohne allerdings die schwierigen Seiten zu unterschlagen. So ist dieser Text voller Hingabe an das Leben, die Dichtkunst, Frauen früherer Jahrhunderte, an das Frausein und Muttersein und an die allgegenwärtige Vergangenheit, die unser Leben beeinflusst. „Dies ist ein weiblicher Text.“ Ein schöner Text. Ein Text mit vielen bewegenden Szenen und klugen Gedanken. Ein Text über die Kraft der Literatur. Ein Text über das Leben, die Liebe und das Loslassen.
MarcoL
aus Füssen
5/5
12.07.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein zutiefst weiblicher Text, poetisch und anrührend!
Die Autorin hat mit diesem Werk in meinen Augen etwas Einmaliges geschaffen. Ein literarisches Meisterwerk, in einer Symbiose aus Prosa und Poesie. Die Sprache, die Sätze, sind ein Genuss, auch wenn der Inhalt manchmal fast schon zu pathetisch erscheinen mag.
„Die seltsame Stille zwischen dem Abgang eines Briefes und seiner Zustellung, die sonderbare Zeit, nachdem die Worte erdacht und aufs Papier gebracht, aber noch nicht gelesen wurden.“ - Herrlich!
Es ist eine gelungene Mischung aus lyrischen, historischen und biographischen Texten, in welche sich die Autorin verliert in einer Suche nach der ursprünglichen Weiblichkeit. Es ist ihr eigenes Leben zwischen Windeln und haushälterischer Aufopferung, welches sie beschreibt. Ein Leben auf der Suche nach einer anderen Zeit, nur um zu Bemerken, wie sehr die Männlichkeit (oder nennen wir es das Patriarchat), alles (weibliche) Dagewesene in den Schatten stellt.
Ausgangspunkt ist ein von Eibhlín Dubh Ní Chonaill im 18. Jahrhundert verfasstes Klagelied in 36 Strophen, das „Caoineadh Airt Uí Laoghaire“, in dem sie den Tod ihres Gefährten Art Ó Laoghaire beklagt. Aufgewühlt von diesem irischen Text begibt sich Doireann Ní Ghríofa zurück in die Vergangenheit. Sie beginnt an zu forschen, wer diese Autorin war. Sie sucht nach Gemeinsamkeiten, da sie seit ihrer Schulzeit von dem Text fasziniert, ja fast schon gefangen ist. Die beiden Leben der Frauen scheinen sich zu vermischen. Es geht hin fast bis zur Selbstaufopferung in diesem autofiktionalem Text (fast schon zu viel des Guten). Sie findet allerdings wenig, die Spur der Dichterin nach dem Verfassen des Klageliedes verblasst. Sie wird nur weitergeführt mit einer Chronologie der männlichen Nachfahren.
„Dies ist ein weiblicher Text“, lesen wir sehr oft. Nicht nur zu Beginn des Buches. Immer wieder erinnert uns die Autorin an diese paar Worte. Sie gibt nachhaltig Ausdruck darüber, was ihr wichtig ist. Zu recht, denn Texte von Frauen wurden verdrängt, der Männlichkeit einverleibt (z.B. George Eliot, um überhaupt Gehör zu finden). Und auch heute noch tun sich Autorinnen in der Verlagswelt wesentlich schwerer als ihre männlichen Kollegen.
Wie gesagt, der lyrische Schreibstil ist eine Wucht, man kann sich zwischen den Zeilen verlieren, und liest und liest und liest und denkt sich, das war jetzt zu schnell gelesen. Der Text ist einnehmend, übt eine Art Magie aus, beutelt einen, macht wütend und glücklich zu gleich. Ein wunderbares Werk! Lest es! Absolute Leseempfehlung!
MarcoL
aus Füssen
5/5
12.07.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein zutiefst weiblicher Text,…
Ein zutiefst weiblicher Text, poetisch und anrührend! Die Autorin hat mit diesem Werk in meinen Augen etwas Einmaliges geschaffen. Ein literarisches Meisterwerk, in einer Symbiose aus Prosa und Poesie. Die Sprache, die Sätze, sind ein Genuss, auch wenn der Inhalt manchmal fast schon zu pathetisch erscheinen mag. „Die seltsame Stille zwischen dem Abgang eines Briefes und seiner Zustellung, die sonderbare Zeit, nachdem die Worte erdacht und aufs Papier gebracht, aber noch nicht gelesen wurden.“ - Herrlich! Es ist eine gelungene Mischung aus lyrischen, historischen und biographischen Texten, in welche sich die Autorin verliert in einer Suche nach der ursprünglichen Weiblichkeit. Es ist ihr eigenes Leben zwischen Windeln und haushälterischer Aufopferung, welches sie beschreibt. Ein Leben auf der Suche nach einer anderen Zeit, nur um zu Bemerken, wie sehr die Männlichkeit (oder nennen wir es das Patriarchat), alles (weibliche) Dagewesene in den Schatten stellt. Ausgangspunkt ist ein von Eibhlín Dubh Ní Chonaill im 18. Jahrhundert verfasstes Klagelied in 36 Strophen, das „Caoineadh Airt Uí Laoghaire“, in dem sie den Tod ihres Gefährten Art Ó Laoghaire beklagt. Aufgewühlt von diesem irischen Text begibt sich Doireann Ní Ghríofa zurück in die Vergangenheit. Sie beginnt an zu forschen, wer diese Autorin war. Sie sucht nach Gemeinsamkeiten, da sie seit ihrer Schulzeit von dem Text fasziniert, ja fast schon gefangen ist. Die beiden Leben der Frauen scheinen sich zu vermischen. Es geht hin fast bis zur Selbstaufopferung in diesem autofiktionalem Text (fast schon zu viel des Guten). Sie findet allerdings wenig, die Spur der Dichterin nach dem Verfassen des Klageliedes verblasst. Sie wird nur weitergeführt mit einer Chronologie der männlichen Nachfahren. „Dies ist ein weiblicher Text“, lesen wir sehr oft. Nicht nur zu Beginn des Buches. Immer wieder erinnert uns die Autorin an diese paar Worte. Sie gibt nachhaltig Ausdruck darüber, was ihr wichtig ist. Zu recht, denn Texte von Frauen wurden verdrängt, der Männlichkeit einverleibt (z.B. George Eliot, um überhaupt Gehör zu finden). Und auch heute noch tun sich Autorinnen in der Verlagswelt wesentlich schwerer als ihre männlichen Kollegen. Wie gesagt, der lyrische Schreibstil ist eine Wucht, man kann sich zwischen den Zeilen verlieren, und liest und liest und liest und denkt sich, das war jetzt zu schnell gelesen. Der Text ist einnehmend, übt eine Art Magie aus, beutelt einen, macht wütend und glücklich zu gleich. Ein wunderbares Werk! Lest es! Absolute Leseempfehlung!
Kaffeeelse
5/5
23.06.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Dies ist ein weiblicher Text!
Doireann Ní Ghríofa, eine irische Autorin, erzeugt mit ihrem Buch „Ein Geist in der Kehle“ ein absolut außergewöhnliches Leseerlebnis. Da strahlt eine Dunkelheit und Schwere, die aber gleichzeitig in Licht gehüllt erscheint. Da strahlt etwas Altes, das mit dem Jetzt, mit der Neuzeit verbunden erscheint. Da schreibt eine alte Seele, die aber gleichzeitig tief im Jetzt verankert erscheint. In diesem Text, in diesem Buch wohnt ein Zauber, der sich nicht sofort der Leserschaft eröffnet, der erst nach und nach seine immense Kraft freigibt. Man könnte sagen, dass dieses Buch erst etwas plätschert, aber dieses Plätschern meine ich hier nicht negativ, denn mit diesem Plätschern meine ich, dass dieses Buch seine Geheimnisse, seine Botschaft erst nur plätschernd und stückchenweise von sich gibt. Ich habe mich am Anfang gefragt, wo mich diese buchige Reise hintragen wird, habe noch nicht gleich erkennen können, was diese Geschichte soll. Das ist etwas, was mir sonst eigentlich nicht gefällt. Hier aber geschieht dieses verhüllt Geschriebene in einem ganz eigenen Zauber, mit einer ganz eigenen Kraft, die man sofort verspürt, die Macht über mich als Lesende erlangt, die mich fordert und fesselt, die mich an sich bindet, die einen Suchtfaktor erzeugt. Aber nicht dieses hachtige suchtige Verhalten, das mich Bücher verschlingen lässt, sondern eher eine Sucht, die mich verschlingt.
Die irische Dichterin und Essayistin Doireann Ní Ghríofa blickt in ihrem Buch "Ein Geist in der Kehle" auf eine irische Adlige aus dem 18. Jahrhundert, auf Eibhlín Dubh Ní Chonaill und gleichzeitig auch auf sich selbst. Dies geschieht recht einzigartig, ist voller Melancholie, aber auch mächtig und beherrschend, ist nachhallend und nachdenklich machend, ist alt und modern, ist düster, aber auch voller Hoffnung. Doireann Ní Ghríofa berichtet über ihr eigenes Leben, berichtet über die Mutterschaft, über die Liebe, über das Leben, über uns Frauen, über unsere Stellung, über unseren Wert in der Gesellschaft. Sie blickt dabei auf das Heute und auf das Gestern. Sie blickt auf die Unterschiede und die Übereinstimmungen. Und damit macht sie wach. Sie rüttelt an der Leserschaft. Denn dies ist ein weiblicher Text! Ein weiblicher Text, den es braucht in unserer heutigen Zeit. Leider!
Ein weiblicher Text, dem ich eine immense Bedeutung beimesse. Denn in seinem Klang ist es einzigartig, ich kenne bisher nichts Vergleichbares. Wem etwas Vergleichbares einfällt, der sollte mir dies bitte dringend mitteilen, denn dieses Buch hier. Ich habe es geliebt! Sehr! Innig und aus tiefstem Herzen!
Ein bemerkenswertes Buch! Ein Buch, dem ich viele Leser wünsche. Definitiv ein 5-Sterne-Buch. Ein Buch, welches Blicke auf Frauen ermöglicht, ein Buch, das mich wütend gemacht hat, aber auch versöhnlich stimmt. Ein machtvolles Buch, mit einem Geist der Veränderung. Dies ist ein weiblicher Text!
Und ich kann hier nur rufen, unbedingt lesen! Lesen! Lesen! Lesen! Und lieben! Lieben! Lieben! Lieben!
Sabrina
5/5
16.06.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Bewegende weibliche Prosa Im…
Bewegende weibliche Prosa Im 18. Jahrhundert schreibt Eibhlin Dubh ein Klagelied über den Tod Ihres Mannes, der ermordet wurde, und trinkt sein Blut. Das Klagelied ist das längste in Irland, welches im 18. Jahrhundert, geschrieben wurde. Die Hauptprotagonistin kommt bereits in der Schule mit dem Klagelied in Berührung. Als Erwachsene in einer schweren Zeit erinnert sie sich an Eibhlin Dubh und fühlt sich ihr mehr denn je verbunden. Sie macht es sich neben ihrem durchstrukturierten Alltag als Mutter (mit Listen, die abgearbeitet werden müssen) zur Aufgabe, das Leben der Eibhlin Dubh und das Klagelied in ihrer eigenen Übersetzung neu aufleben zu lassen. Sie springt dabei zwischen Fiktion und alter Überlieferungen hin und her. Das Buch Geist in der Kehle ist ein durchweg weiblicher Text. Tiefgründig, ausdrucksstark und poetisch, ein Buch, bei dem man zwischendurch innehalten muss, damit die Wörter mit ihren Bedeutungen ankommen. Dies ist kein Buch für zwischendurch, man muss sich komplett darauf einlassen, perfekt für entschleunigtes Lesen. Mir hat das Buch sehr gut gefallen. Ich kann uneingeschränkt weiterempfehlen.
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4/5
09.01.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Poetische Sprache mit grosser Sogkraft
Wunderbar poetische Mischung aus dem Alltag einer Frau und ihrer Recherche zum Leben einer anderen Frau, die vor 200 Jahren lebte.
«Dies ist ein weiblicher Text» - so beginnt und endet Doireann Ní Ghríofa ihren autofiktional-essayistischen Roman. Allein dieser sich am Ende schliessende Kreis hat mir enorm gefallen. Von der ersten Seite an kreiert sie rein über die Sprache einen starken Sog, der mich sogleich gefesselt hat. Schon als Jugendliche macht sie Bekanntschaft mit dem Caoineadh, dem Klagelied Eibhlín Dubh Ní Chonaills, das diese 1773 anstimmt zum gewaltsamen Tod ihres geliebten Mannes, Art O’Leary. Als Mutter von drei Kindern entdeckt Doireann Ní Ghríofa es wieder. Das Gedicht, aber vor allem das Leben der Urheberin lassen sie nicht mehr los. Es macht sie fassungslos, dass kaum etwas zum Leben Eibhlín Dubhs bekannt ist und so beginnt sie zu recherchieren.
Die erste Hälfte erschien mir besonders stark, insbesondere sprachlich. Die Geschichte der Ich-Erzählerin kreist zwar um scheinbar Alltägliches, aber die Form und auch die allgemeinen Gedanken zu weiblichem Leben, Begehren und der schriftlichen Auslöschung von Frauen in Vergangenheit (und Gegenwart) und inwiefern sie doch sichtbar sind, oft zwischen den Zeilen, stecken voller Energie, Kraft und Zuversicht. Die zweite Hälfte konzentriert sich dann auf die Recherche zum Leben Eibhlín Dubhs und dabei ging, wie ich fand, das Poetische und mit ihm auch der Sog verloren. Den ausdauernden Anstrengungen der Erzählerin in die Vergangenheit zu folgen ist gleichwohl faszinierend. Einzelne Szenen lässt sie vor unserem geistigen Auge mit wenigen Worten auferstehen.
«Dies ist ein weiblicher Text» - und ihn zu lesen ist ungemein bereichernd.