Die Kunstwelt ist in Aufregung: ein neuer Rembrandt wurde entdeckt – das Porträt eines unbekannten jungen Mannes. Doch der Konservator Peter Lindke widerspricht dieser Zuschreibung. Als er in einer Fernsehsendung erklärt, warum dieses Gemälde niemals von Rembrandt stammen könne, wird er gefeuert. Als wäre das nicht schon genug, muss er feststellen, dass seine Ehe sich in einer Krise befindet und dass seine Zugehfrau grössere Probleme hat. Er nimmt sie unter seine Fittiche und bringt ihr Leben wieder auf eine geordnete Bahn. Als sie dann allerdings mit Ilyas auftaucht, einem Jungen mit dem Gesicht eines gequälten Poeten und 20 000 Euro Schulden, steht Peter vor einem Dilemma: Sollte er auch Ilyas helfen und würde das seinem Leben einen Sinn geben? Oder sollte er doch lieber alles daran setzen, seine Ehe zu retten?
Kundinnen und Kunden meinen
4.0/5.0
ancla_books4life
aus Schwerte
5/5
10.01.2024
Buch (Taschenbuch)
Die Erfüllung im Unvollkommenen
**** Worum geht es? ****
Peter hat alles und doch irgendwie auch nichts, wie geht das? Die Geschichte zeigt eindringlich, wie ein perfektes Leben leer sein kann und ein nicht perfektes Leben erfüllend sein kann. Peter hat einen tollen Job, eine Frau und zwei Kinder. Aber als Peter seine Frau an der Tankstelle vergisst und durch ehrliche Worte seinen Job verliert, bröckelt es einfach überall. Für Peter scheint dies allerdings ein Schlüsselmoment zu sein, in dem ihm klar wird dass nicht alles geregelt sein muss. Statt sich aufzugeben schöpft er neue Energie und begibt sich auf neue unvollkommene Pfade.
**** Mein Eindruck ****
Eine Geschichte dessen negative Stimmung mich zunächst verwirrt hat. Mit dem Verlauf der Geschichte erlebte ich diese Anfangsszenen allerdings als äußerst relevant um den Nuancen in den Veränderungen der Persönlichkeit von Peter und der Handlung volle Aufmerksamkeit widmen zu können. Ein gelungener Aufbau um mich emotional voll und ganz abzuholen. Gemeckert, gefreut und gelacht habe ich mit den Charakteren. Eine Geschichte mitten aus dem Leben gegriffen, mit Peter mitten im Leben stehend. Eine Hommage an den Wunsch nach Veränderungen ohne diesen wirklich wahrzunehmen. Die Nähe von Glück und unglücklich sein und die Hoffnung genau dies (ob bewusst oder unbewusst) selbst steuern zu können. Das Schicksal das hier einfach manchmal einem den richtigen Schubs geben darf. Mut, Hoffnung und Verständnis strahlt dieses Buch für viele unterschiedliche Lebenslagen aus und spiegelt damit dich, mich und uns alle in seiner eigenen Art und Weise wieder.
**** Empfehlung? ****
Wundervoll verfasst und zwischen Realismus und Humor darf sich hier jeder irgendwo wiederfinden. Eine gelungene Geschichte, die ich gerne weiterempfehle.
Bewertung
aus Oberursel
3/5
19.02.2024
Buch (Taschenbuch)
bisschen depri alles
Also, mich hat hier der Klappentext gecatched. Das Cover fand ich auch ganz niedlich mit dem Panda (Spoiler: im Laufe des Romans erfahren wir, dass der Panda ein Sinnbild für die etwas eingeschlafene Erotik im Hause Lindke ist ), und ich habe hier einen witzigen Roman mit Tiefgang erwartet, ja, fast schon ein wenig Klamauk. Fragt mich nicht, wieso ich auf Klamauk kam, aber Gesamtpaket von Cover und Klappentext haben das in mit ausgelöst. Und jetzt als erstes: Klamauk ist das hier Null. Und witzig auch nur halbwegs, weil der Autor einen Sinn für Humor hat, der hin und wieder durchblitzt.
Das ist nicht schlecht per se, ich wollte aber nur mal sagen, es war anders als erwartet.
Okay, aber nun ein wenig mehr zum Inhalt. Wir sind hier bei der Rotterdamer Familie Lindke, und bei Peter, Kees und den zwei Söhnen. Peter und Kees haben sich nicht mehr wirklich viel zu sagen, man lebt so nebeneinander her. Peter ist Kurator im Museum, seit 20 Jahren, und das mit Herzblut. Als ein neuer Rembrandt entdeckt wird, ist er als einziger der Auffassung, dass das Bild eher einem Schüler zuzuschreiben ist – und nachdem Peter das im Fernsehen losgelassen hat, ist er seinen Job los. Er ist geschockt, und sagt der Familie nichts davon. Und da man eh wie gesagt so nebeneinander her lebt, im besserverdienenden Milieu, kann man das auch problemlos verheimlichen. Man merkt schon, ich werde lakonisch, das ist echt depressiv machend, so eine Beziehung, finde ich. Peter und Kees sind auch nicht wirklich glücklich damit, aber man schweigt sich halt so an.
Dann trifft Peter eines Vormittags zuhause auf Dschemine, die Putzfrau, von deren Existenz er bis dato keine Ahnung hatte (frag mich, wie das geht – das Ehepaar Lindke hat wohl noch nie wirklich viel kommuniziert). Auf jeden Fall, Dschemine hat wirkliche Probleme mit Schulden und nur halblegalem Dasein, und Peter, der ja eh nix besseres gerade zu tun hat, entdeckt eine ganz neue Seite an sich und hilft ihr, ihr Leben zu sortieren und erledigt Behördengänge für sie. Und anschließend auch für Ilyas, einem jungen Mann, der noch tiefer im Schlamassel ist, und eine ziemliche Herausforderung darstellt….
Jaaaa. Was sag ich dazu. Der Autor legt seinen Finger tief in die Wunden des modernen Gesellschaftssystems und dem Zusammenleben - oder vielmehr dem Nicht-Zusammenleben – der alteingesessenen „Locals“ mit den Migranten. Dschemine und Ilyas natürlich sind hier Paradebeispiele, und Peter arbeitet sich ab an ihnen, er muss sich und seine Ansichten immer hinterfragen. Gut geschrieben, gut gemacht.
Und auch im Wohnviertel der Lindkes, einem gentrifiziertem aufgehippten Quartier trifft arm (die Migranten) und reich (die Niederländer) teils bös aufeinander, und guter Wille (beider Seiten) trifft auf harte Realität.
Ich fand das ganz spannend, diese Darstellung des Zusammenprallens beider Welten, war gut gemacht, aber ich muss jetzt auch ehrlich sagen, insgesamt war mir der ganze Roman zu depri. Das waren definitiv keine glücklichen Leute, nirgends, und auch das Setting und die Probleme waren nicht wirklich erheiternd. Ich fand, da ist auch nicht unbedingt eine große Entwicklung der Protagonisten gewesen. Ja, klar, Peter hat sich sozial engagiert und er ist mal aus seinem Quark gekommen, aber ich bin mir sicher, sobald er wieder einen neuen Job hat, ist die Phase auch wieder vorbei. Bei Kee war gar keine Entwicklung zu sehen, die ist einfach in ihrem Gutmenschtum drin, ist unzufrieden mit ihrer Ehe und sich selbst, aber da kam irgendwie gar nix. Keinerlei produktives Nachdenken, keinerlei Ideen, was man so machen könnte, um das Leben zu verändern. Ach sorry, ich vergaß, Kees überlegt, einen Seitensprung zu wagen, mit einem Typ, den sie selbst nur halbgar attraktiv findet – und natürlich wird das nix.
Also nee, der Roman hat mich nicht glücklich zurückgelassen, ich habe auch keine neuen Erkenntnisse gewonnen.
Der Schreibstil ist flüssig und wie gesagt, mit ansatzweise durchblitzendem Humor, aber so wirklich gepackt hat es mich nicht.
Es ist ein Problem aufgetreten. Bitte laden Sie die Seite neu und versuchen es noch einmal.
5/5
11.02.2024
Buch (Taschenbuch)
Witzig, tiefsinnig und gänzlich unerwartet
Bitte nicht vom deutschen Titel oder dem lila Cover abschrecken lassen! Ernest van der Kwast hat mit «Ilyas» (Originaltitel) einen tiefgreifenden, humorvollen Roman geschrieben über eine zerklüftete Ehe, die sinnbildlich für unsere Gesellschaft steht.
«Der perfekte Mann» beginnt damit, dass Peter, ein verträumter Museumskurator, Kee, seine Frau, mit der er seit 14 Jahren verheiratet ist, an einer Tankstelle an der A12 vergisst. Kurz darauf verliert er auch noch seinen Job. Doch so trifft er erstmals auf Dschemine, die bei ihnen den Haushalt putzt und die dringend seine Hilfe braucht. Und nach diesem ersten Erfolg steht Dschemine mit dem 20-jährigen Ilyas vor seiner Tür, der ebenfalls Peters Unterstützung benötigt.
Van der Kwast setzt sich seit 2017 ehrenamtlich für Jugendliche ein und hilft ihnen, zurechtzukommen im Leben: Behördengänge, Jobsuche, Umgang mit Geld, Abzahlen von Schulden etc. Er schaut kritisch auf unsere Gesellschaft, auf unser Schubladendenken («Die anderen» und «Wir»), die Verdrängung von Menschen an den Rand – der Stadt, der Gesellschaft, des Lebens. Sein Text rüttelt auf, stellt viele wichtige Fragen, ist dabei aber nie belehrend.
Am meisten gefallen hat mir sein Humor. Es gab so viele tragisch komische Situationen, von denen uns vermutlich allen die ein oder andere vertraut ist. Wenn Sie Tarzan das erste Mal begegnen, werden Sie sich möglicherweise ebenso verschlucken vor Lachen wie ich.
Grossartig sind auch Peters detaillierte Gedanken zur Barockmalerei, die oft auch auf seine Realität abfärben in Form von Metaphern. Ich kenne mich mit Kunst nicht aus, habe aber nebenbei so einiges gelernt.
«Der perfekte Mann» war für mich die perfekte Lektüre: anspruchsvoll, unterhaltsam, leidenschaftlich, komisch und voller Hoffnung.