Beschreibung
Produktdetails
Format
ePUB
Kopierschutz
Nein
Family Sharing
Ja
Text-to-Speech
Ja
Erscheinungsdatum
30.06.2023
Verlag
SteidlSeitenzahl
240 (Printausgabe)
Dateigröße
461 KB
Auflage
1. Auflage
Übersetzt von
Birgit Ulmer
Sprache
Deutsch
EAN
9783969992555
Anna Alrutz ist ein beliebiges blondes Mädchen, wie sie selbst findet. Als älteste Tochter einer wohlhabenden Familie verbringt sie glückliche Sommer im kleinen Kurort Salzgitter. Hier zankt sie sich mit ihrem Bruder Willi, streift mit ihrer besten Freundin Helene durch die Wälder, trifft ihre erste grosse Liebe. Dass Anna sich schon früh für den Nationalsozialismus begeistert, können die liberalen Eltern nicht verhindern. Auch nicht, dass sie ihr Medizinstudium abbricht und eine »NS-Schwester« wird. An der Universitätsklinik Göttingen praktiziert sie, was Hitler per Gesetz angeordnet hat: die Zwangssterilisation »erbkranker« Frauen und Männer. Anna meint, das Richtige zu tun. Doch als sie sich in den französischen Medizinstudenten Thierry verliebt, und Helene in die Klinik eingeliefert wird, gerät ihre Überzeugung ins Wanken. Sie schliesst sich einer Gruppe an, die Patientinnen zur Flucht verhilft, und muss bald eine folgenschwere Entscheidung treffen.
Meine langen Nächte ist die Geschichte einer ideologischen Verirrung, aber auch eine Geschichte des Mitgefühls und der späten Einsicht: die anrührende literarische Lebensbeichte einer jungen Frau.
Meine langen Nächte ist die Geschichte einer ideologischen Verirrung, aber auch eine Geschichte des Mitgefühls und der späten Einsicht: die anrührende literarische Lebensbeichte einer jungen Frau.
Kundinnen und Kunden meinen
Ohne Raum und Zeit
Fee04 am 15.08.2023
Bewertungsnummer: 2001536
Bewertet: eBook (ePUB)
“Meine langen Nächte” von Ilva Fabiani.
Anna Alrutz, Dienstnummer 271207 lebt in einer Art Halbschatten ohne Raum und Zeit.
Der Wind hebt das Schattenwesen Anna hoch und der Leser wird in die verschiedenen Kapitel ihres kurzen Lebens getragen.
Anna wächst mit ihrer kranken Schwester und ihrem fettleibigen Bruder in einer wohlhabenden Familie auf.
Der Vater ist Arzt und die Familie verbringt ihre Sommer nicht in Luxusorten, sondern in Salzgitter.
Dort lebt der Pastor Heinrich Rudinski, ein guter Freund der Familie und Annas erste Liebe.
Ihre Liebe für Rudinski empfindet Anna, wie eine Hand, die sich im Magen zu einer Faust ballt, Warmes und Schmerzhaftes wird zugleich empfunden. Und erst in einer anderen Welt wird ihr einiges klar …
Helene, Anjas beste Freundin, kommt auch jedes Jahr in den Ferien nach Salzgitter zu ihrer Großmutter und die Mädchen führen ein unbeschwertes Leben.
Um so schwieriger ist Annas Begeisterung für den Nationalsozialimus zu verstehen, aber ihre Eltern können es nicht verhindern.
Anna wird immer mehr in den Sog von Hitlers Worten gezogen.
“Wir brauchen neue Horizonte, neue Hoffnungen”, mit diesen und weiteren Worten werden die Kameraden in eine neue Partei gelockt.
Männer und Frauen folgen den Worten, ersehen sich eine Bewegung, die dem deutschen Volke den Glauben wiedergibt.
Die wirtschaftliche Krise hat Deutschland in den Abgrund getrieben und der junge, entschlossene und mutige Hitler zeigt den jungen Leuten auf, dass die Deutschen wieder emporsteigen werden.
Seine Worte waren wie Peitschenhiebe und die Menge jubelte vor Begeisterung.
Auch in Anna wurde die Hoffnung genährt und erst mit ihrer Existenz als Schattenwesen wurde ihr bewusst, was für einem Irrglauben oder Wahnsinn sie nachgerannt ist.
Ihr Weg ist steinig und doch klar in seinen Linien, Anna liebt Ordnung. Sie hat dem Führer ihre Treue geschworen und erst mit ihrer Liebe zu Therence Picard, kurz Thierry genannt, ein Halbjude aus Frankreich und Medizinstudent beginnt ihr Idealismus zu bröckeln.
Bis dahin hat sie jedoch mit ihrem nicht-arischen Professor Hartmann unglaublich viele Zwangssterilisationen durchgeführt.
Der Führer hat angeordnet, dass Frauen mit vermeintlichen Erb-und Geisteskrankheiten Zwangssterilisiert werden müssen und der Professor hat mit Annas Hilfe die Anordnungen des Führers systematisch umgesetzt.
Anna beginnt eine Beziehung mit dem Halbjuden Thierry und beschreibt diese wie folgt:
“Ich hieß Anna Alrutz, Dienstnummer 271207. Ich war eine braune Schwester und hatte eine unvernünftige Beziehung mit einem Blatt. Im Herbst.”
Sachlich, klar und prägnant erzählt die Autorin aus Annas Leben, ihre Sichtweise aus der Schattenwelt und erklärt ihr handeln zu Lebzeiten.
Anna weckt verschiedene Emotionen und die Autorin lässt den Leser tief in die Handlungen während fer Nazizeit eintauchen.
In das Leid, das Elend, die unglaublichen Machenschaften gegenüber vermeintlich andersartigen Menschen, die geplante Ausmerzung aller Menschen, die keine Arier sind, aber auch das Glück, die Hoffnung, das Mitgefühl und die Liebe werden hervorgehoben.
Die Autorin hat sehr intensiv recherchiert und real sind in Göttingen 787 Frauen sterilisiert worden. Ein intensiver, sehr eindrucksvoller und lesenswerter Roman, der nachhallt.
Eine klare Leseempfehlung.
Schwere Thematik gut umgesetzt
Martina *Blubie* aus Schönau am 30.03.2024
Bewertungsnummer: 2166068
Bewertet: eBook (ePUB)
Die Hauptprotagonistin ist eine erfundene Figur, die Handlung allerdings ist es nicht und so könnte es sich also durchaus zugetragen haben.
Anna ist ein Geist, der Geist einer jungen Frau, die noch vor dem zweiten Weltkrieg verstorben ist. Der Geist Annas erzählt uns ihre kurze aber intensive Lebensgeschichte, von der wohlbehüteten Kindheit in einer Arztfamilie, von ihrem Medizinstudium unterstützt durch ihren Vater, und von ihren unglücklichen Verliebtheiten.
Die unglücklichste Liebe treibt sie in die Arme der Nationalsozialisten und sie entflammt für die Ideologie bis sie schließlich als sogenannte "Braune Schwester" endet, die Sterilisationen an "kranken" Frauen durchführt, um unwertes Leben zu verhindern.
Fabiani nutzt ein cleveres Stilmittel, indem sie Annas Geist die Geschichte erzählen lässt, ein allwissender Geist, der nicht nur die Geschichte von Anna kennt, sondern auch alles was nach ihrem Tod passiert. Dadurch wird die Erzählung mit späteren Erkenntnissen bereichert, aber auch Reue und Entsetzen darüber wie Anna überhaupt in die ideologischen Fänge dieser Zeit gelangen konnte.
Die Geschichte zeigt, wie schnell junge Menschen fanatischen politischen Richtungen verfallen können (auch wenn unglückliche Liebe vielleicht nicht ganz reicht als Entschuldigung - und eine glückliche Liebe einen nicht gleich zum Helden konvertieren lässt), angesichts des erneuten Erstarkens widerlicher radikaler Ideen in der Jetztzeit an Aktualität kaum zu überbieten.
Ganz konnte mich die Figur der Anna allerdings nicht überzeugen, sie blieb mir bis zum Schluß unnahbar und unsympathisch.
Der Schreibstil der Autorin konnte mich allerdings begeistern und aus dem Italienischen übersetzt hat uns das Birgit Ulmer.