Iris Woodmore, Anfang 20, angehende Journalistin mit detektivischem Spürsinn, kommt von einer längeren Europareise zurück ins heimische britische Walden. Die Autorin wirft uns auch direkt ins Geschehen; Iris ist kaum wieder im Lande und auf einer Kundgebung der Fabrikbesitzerin Constance Timpson, da überschlagen sich auch schon die Ereignisse. Constance, die gerade in ihren Fabriken die Gleichstellung und vor allem gleiche Bezahlung von Männern und Frauen eingeführt hat, wird von einem Sniper bedroht, und die Veranstaltung wird abgebrochen. Kurz darauf wird eine junge Arbeiterin der Fabrik ermordet aufgefunden und eine weitere vermisst. Iris nimmt ihren alten Job als Reporterin wieder auf und beginnt zu ermitteln……
Die Romanreihe wird vom Verlag als „cozy crime“ eingeordnet, aber so cozy fand ich es tatsächlich gar nicht. Ja, wir kommen hier ohne viel Blut und Splatter aus, aber wir haben hier durchaus einen ernsten geschichtlichen und feministischen Hintergrund: In den 10er und 20er Jahren des letzten Jahrhunderts waren die Suffragetten, die ersten organisierten Frauenrechtlerinnen, unterwegs, und die Gleichberechtigung von Männern und Frauen durchzieht als Thema den ganzen Roman. Iris‘ Mutter gehörte zu den Suffragetten, und ist für deren Anliegen im Gefängnis gewesen, und auch eine weitere Protagonistin im Roman – Blanche – hat eine entsprechende Vergangenheit. Die equal-pay-Debatte wird im kompletten Roman immer wieder aufgenommen: Die männlichen Arbeiter in Walden sind davon – wen wundert es – nicht wirklich angetan; und so fragt sich nicht nur Iris, ob der Anschlag auf die feministische Constance nicht einen politischen Hintergrund hat.
Auch um das Mordopfer, das unter der Carnival Bridge gefunden wird, bzw. um die Umstände des Verbrechens, gibt es eine gesellschaftspolitische Debatte – ich wage es jetzt mal zu spoilern, es geht ums Thema Abtreibung, und das war 1922 ein fast noch emotionaleres Thema als heute….
Also, es gibt hier heiße Themen, und ich muss sagen, ich fand es richtig gut gemacht. Richtig spannende Hintergründe in einem Krimi mit einer echt coolen Heldin. Iris hat mir nämlich ausnehmend gut gefallen: eine moderne junge Frau, smart, humorvoll, auf eigenen Beinen stehend, mutig, und doch niemals oberflächlich, denn sie hat schon früh auch Verlusterfahrungen gemacht. Und obendrein hat sie gerade eine Liebesbeziehung hinter sich gebracht – was mich zu einem anderen Thema bringt. Das hier ist nämlich Band 3 einer Serie um Iris, und es scheint nahtlos dort weiter zu gehen, wo Band 2 aufgehört hat. Ja, und das hat es mir ein bissle schwierig gemacht, einzusteigen. Ich habe einen Augenblick gebraucht, um für mich zu sortieren, was mit Iris los war, wieso sie überhaupt so lange aus Walden weg war, wo sie doch augenscheinlich hier verwurzelt ist, und wie sie in Beziehung mit den anderen Protagonisten steht. Davon gibt es nämlich einige, und ich als Neueinsteigerin in die Reihe habe ein paar (kurze) Kapitel gebraucht, um klar zu kommen.
Abgesehen davon: Der Fall ist in sich abgeschlossen, und absolut lesenswert. Sehr sehr gut recherchierte historische Fakten, wunderbar flüssig und bildhaft geschrieben, und wie gesagt mit einer Detektivin zum Mitfiebern. Das Spannungslevel war auf jeden Fall jederzeit sehr hoch, und mich hat’s abgeholt. Alles Daumen hoch!
Ich denke, ich werde mir jetzt demnächst die ersten beiden Teile noch besorgen müssen , ich bin jetzt neugierig und Fan von Iris Woodmore .