Die hohe Kunst des Verzichts Kleine Philosophie der Selbstbeschränkung
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Produktdetails
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Nein
Erscheinungsdatum
24.08.2023
Verlag
C.H.Beck DigitalSeitenzahl
192 (Printausgabe)
Dateigröße
2243 KB
Auflage
1. Auflage
Sprache
Deutsch
EAN
9783406807480
Auch wenn über den Verzicht neuerdings wieder viel geredet und vor allem viel gestritten wird: Es ist erstaunlich, dass er einen derart schlechten Ruf geniesst. In der Geschichte der Ethik und in der Tradition der Religionen spielt der Verzicht dagegen eine ganz erhebliche Rolle. Otfried Höffe nimmt jene bemerkenswerten Defizite daher zum Anlass für eine Reihe von geistesgeschichtlichen Rückblicken, um uns an die Bedeutsamkeit und die historische Vielfalt von Formen und Verständnissen der Selbstbeschränkung zu erinnern.
Vom Verzichten als Mässigung der Leidenschaften oder als religiöse Askese über die rechtliche Einschränkung der eigenen Freiheit bis hin zur grossen Verzichtsaufgabe, die wir im Angesicht von Klimawandel und Artensterben nicht ignorieren dürfen: Die kurze Geschichte des Verzichts zeigt, dass ein gelingendes Leben ohne die hohe Kunst der freiwilligen Selbstbeschränkung nicht auskommen kann. Die Ausflüge in die Philosophiegeschichte sind daher nicht bloss von historischem Interesse. Otfried Höffe geht es vielmehr um begriffliche Aufklärung - und um die Formulierung einer kleinen Philosophie des Verzichts: Lässt sich der Begriff rehabilitieren und für das gegenwärtige Denken wieder fruchtbar machen?
Vom Verzichten als Mässigung der Leidenschaften oder als religiöse Askese über die rechtliche Einschränkung der eigenen Freiheit bis hin zur grossen Verzichtsaufgabe, die wir im Angesicht von Klimawandel und Artensterben nicht ignorieren dürfen: Die kurze Geschichte des Verzichts zeigt, dass ein gelingendes Leben ohne die hohe Kunst der freiwilligen Selbstbeschränkung nicht auskommen kann. Die Ausflüge in die Philosophiegeschichte sind daher nicht bloss von historischem Interesse. Otfried Höffe geht es vielmehr um begriffliche Aufklärung - und um die Formulierung einer kleinen Philosophie des Verzichts: Lässt sich der Begriff rehabilitieren und für das gegenwärtige Denken wieder fruchtbar machen?
Kundinnen und Kunden meinen
Verzicht? Ja, aber bitte die Anderen...
B. am 28.01.2026
Bewertungsnummer: 3027743
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Otfried Höffe predigt in Die hohe Kunst des Verzichts Maß, Selbstbeschränkung und moralische Zurückhaltung als angeblich universelle Tugend. Der Mensch solle Hybris, Machtstreben und Anerkennungssucht überwinden – „notfalls durch Verzicht“ (S. 64). Was wie moralischer Universalismus klingt, entpuppt sich beim Lesen als selektive Moral: Verzichten sollen vor allem die Anderen — Minderheiten, Progressive, Menschen, die Gleichberechtigung einfordern.
Während Höffe sprachlich „Besonnenheit“ und Maß im Denken einfordert (S. 64–67), schreibt er selbst in genau der Art von akademischer Hochsprache, die er selbst kritisiert. Seitenlanges Kant-Name-Dropping, griechische Begriffe („sophrosyne“, „pleonexia“, S. 63) und theoretische Schachtelsätze erzeugen den Eindruck von Tiefe — verdecken aber oft, wie dünn und rückwärtsgewandt der Inhalt ist. Anti-Elitismus predigen, elitär schreiben: erster offener Widerspruch.
Politisch wird die Schieflage klarer. In öffentlichen Stellungnahmen zur „Ehe für alle“ (NZZ Artikel, 2019) argumentiert Höffe, das Eherecht sei „für die heterosexuelle Partnerschaft zu reservieren“, da es primär der Fortpflanzung diene. Gleichberechtigung wird hier nicht als Fortschritt verstanden, sondern als Gefahr für eine „natürlich gewachsene“ Ordnung.
Verzicht wird also nicht von Privilegierten gefordert, sondern von jenen, die gleiche Rechte wollen. Oder anders gesagt: Status quo schützen – unter dem Deckmantel von Moral.
Carolin Emcke formuliert das Gegenprinzip treffend:
„Es gibt keine Obergrenze für Gleichheit.“
Bei Höffe dagegen wirkt Gleichheit wie ein Risiko, das gebremst werden muss und zwar nach seinen Maßstäben.
Hinzu kommt ein weiterer Bruch: Höffe war pandemiepolitisch in beratenden Kontexten präsent und unterstützte staatliche Eingriffe — kritisiert aber später im Buch moralisch den gesellschaftlichen „Zwang zum Verzicht“. Was gestern noch verantwortungsvolle Einschränkung war, wird heute als problematische Zumutung inszeniert. Verzicht gilt situativ — nur selten für die eigene Rolle. Reflexion? Fehlanzeige.
Unterm Strich bleibt der Eindruck: Hinter dem Pathos des Verzichts verbirgt sich kein neuer moralischer Entwurf, sondern eine klassisch konservative Absicherung bestehender Macht- und Deutungsordnungen. Veränderung darf stattfinden — solange sie nichts Wesentliches verändert. Mit der Brechstange werden reaktionäre Positionen in den Text eingebaut – klar, platt und so formuliert, dass sie problemlos am Stammtisch funktionieren.
Ein Buch, das Verzicht predigt, aber vor allem zeigt, worauf sein Autor selbst nicht verzichten will: Deutungshoheit, Privilegien und den alten Normalzustand.
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