Produktbild: Die hohe Kunst des Verzichts

Die hohe Kunst des Verzichts Kleine Philosophie der Selbstbeschränkung

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Beschreibung

Produktdetails

Format

PDF

Kopierschutz

Nein

Family Sharing

Ja

Text-to-Speech

Nein

Erscheinungsdatum

24.08.2023

Verlag

C.H.Beck Digital

Seitenzahl

192 (Printausgabe)

Dateigröße

2243 KB

Auflage

1. Auflage

Sprache

Deutsch

EAN

9783406807480

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PDF

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Erscheinungsdatum

24.08.2023

Verlag

C.H.Beck Digital

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192 (Printausgabe)

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2243 KB

Auflage

1. Auflage

Sprache

Deutsch

EAN

9783406807480

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Verzicht? Ja, aber bitte die Anderen...

B. am 28.01.2026

Bewertungsnummer: 3027743

Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)

Otfried Höffe predigt in Die hohe Kunst des Verzichts Maß, Selbstbeschränkung und moralische Zurückhaltung als angeblich universelle Tugend. Der Mensch solle Hybris, Machtstreben und Anerkennungssucht überwinden – „notfalls durch Verzicht“ (S. 64). Was wie moralischer Universalismus klingt, entpuppt sich beim Lesen als selektive Moral: Verzichten sollen vor allem die Anderen — Minderheiten, Progressive, Menschen, die Gleichberechtigung einfordern. Während Höffe sprachlich „Besonnenheit“ und Maß im Denken einfordert (S. 64–67), schreibt er selbst in genau der Art von akademischer Hochsprache, die er selbst kritisiert. Seitenlanges Kant-Name-Dropping, griechische Begriffe („sophrosyne“, „pleonexia“, S. 63) und theoretische Schachtelsätze erzeugen den Eindruck von Tiefe — verdecken aber oft, wie dünn und rückwärtsgewandt der Inhalt ist. Anti-Elitismus predigen, elitär schreiben: erster offener Widerspruch. Politisch wird die Schieflage klarer. In öffentlichen Stellungnahmen zur „Ehe für alle“ (NZZ Artikel, 2019) argumentiert Höffe, das Eherecht sei „für die heterosexuelle Partnerschaft zu reservieren“, da es primär der Fortpflanzung diene. Gleichberechtigung wird hier nicht als Fortschritt verstanden, sondern als Gefahr für eine „natürlich gewachsene“ Ordnung. Verzicht wird also nicht von Privilegierten gefordert, sondern von jenen, die gleiche Rechte wollen. Oder anders gesagt: Status quo schützen – unter dem Deckmantel von Moral. Carolin Emcke formuliert das Gegenprinzip treffend: „Es gibt keine Obergrenze für Gleichheit.“ Bei Höffe dagegen wirkt Gleichheit wie ein Risiko, das gebremst werden muss und zwar nach seinen Maßstäben. Hinzu kommt ein weiterer Bruch: Höffe war pandemiepolitisch in beratenden Kontexten präsent und unterstützte staatliche Eingriffe — kritisiert aber später im Buch moralisch den gesellschaftlichen „Zwang zum Verzicht“. Was gestern noch verantwortungsvolle Einschränkung war, wird heute als problematische Zumutung inszeniert. Verzicht gilt situativ — nur selten für die eigene Rolle. Reflexion? Fehlanzeige. Unterm Strich bleibt der Eindruck: Hinter dem Pathos des Verzichts verbirgt sich kein neuer moralischer Entwurf, sondern eine klassisch konservative Absicherung bestehender Macht- und Deutungsordnungen. Veränderung darf stattfinden — solange sie nichts Wesentliches verändert. Mit der Brechstange werden reaktionäre Positionen in den Text eingebaut – klar, platt und so formuliert, dass sie problemlos am Stammtisch funktionieren. Ein Buch, das Verzicht predigt, aber vor allem zeigt, worauf sein Autor selbst nicht verzichten will: Deutungshoheit, Privilegien und den alten Normalzustand.

Verzicht? Ja, aber bitte die Anderen...

B. am 28.01.2026
Bewertungsnummer: 3027743
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)

Otfried Höffe predigt in Die hohe Kunst des Verzichts Maß, Selbstbeschränkung und moralische Zurückhaltung als angeblich universelle Tugend. Der Mensch solle Hybris, Machtstreben und Anerkennungssucht überwinden – „notfalls durch Verzicht“ (S. 64). Was wie moralischer Universalismus klingt, entpuppt sich beim Lesen als selektive Moral: Verzichten sollen vor allem die Anderen — Minderheiten, Progressive, Menschen, die Gleichberechtigung einfordern. Während Höffe sprachlich „Besonnenheit“ und Maß im Denken einfordert (S. 64–67), schreibt er selbst in genau der Art von akademischer Hochsprache, die er selbst kritisiert. Seitenlanges Kant-Name-Dropping, griechische Begriffe („sophrosyne“, „pleonexia“, S. 63) und theoretische Schachtelsätze erzeugen den Eindruck von Tiefe — verdecken aber oft, wie dünn und rückwärtsgewandt der Inhalt ist. Anti-Elitismus predigen, elitär schreiben: erster offener Widerspruch. Politisch wird die Schieflage klarer. In öffentlichen Stellungnahmen zur „Ehe für alle“ (NZZ Artikel, 2019) argumentiert Höffe, das Eherecht sei „für die heterosexuelle Partnerschaft zu reservieren“, da es primär der Fortpflanzung diene. Gleichberechtigung wird hier nicht als Fortschritt verstanden, sondern als Gefahr für eine „natürlich gewachsene“ Ordnung. Verzicht wird also nicht von Privilegierten gefordert, sondern von jenen, die gleiche Rechte wollen. Oder anders gesagt: Status quo schützen – unter dem Deckmantel von Moral. Carolin Emcke formuliert das Gegenprinzip treffend: „Es gibt keine Obergrenze für Gleichheit.“ Bei Höffe dagegen wirkt Gleichheit wie ein Risiko, das gebremst werden muss und zwar nach seinen Maßstäben. Hinzu kommt ein weiterer Bruch: Höffe war pandemiepolitisch in beratenden Kontexten präsent und unterstützte staatliche Eingriffe — kritisiert aber später im Buch moralisch den gesellschaftlichen „Zwang zum Verzicht“. Was gestern noch verantwortungsvolle Einschränkung war, wird heute als problematische Zumutung inszeniert. Verzicht gilt situativ — nur selten für die eigene Rolle. Reflexion? Fehlanzeige. Unterm Strich bleibt der Eindruck: Hinter dem Pathos des Verzichts verbirgt sich kein neuer moralischer Entwurf, sondern eine klassisch konservative Absicherung bestehender Macht- und Deutungsordnungen. Veränderung darf stattfinden — solange sie nichts Wesentliches verändert. Mit der Brechstange werden reaktionäre Positionen in den Text eingebaut – klar, platt und so formuliert, dass sie problemlos am Stammtisch funktionieren. Ein Buch, das Verzicht predigt, aber vor allem zeigt, worauf sein Autor selbst nicht verzichten will: Deutungshoheit, Privilegien und den alten Normalzustand.

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Die hohe Kunst des Verzichts

von Otfried Höffe

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