Israel steht am Abgrund. Das Israel, das wir kannten. Saul Friedländer, der grosse Historiker des Holocaust, hat ein Tagebuch geschrieben, in dem er die aktuellen Ereignisse schildert und kommentiert, in Rückblenden aus der Geschichte des Landes, das er mit aufgebaut hat, erzählt, Konflikte analysiert und über Lösungen nachdenkt. Sein Tagebuch geht unter die Haut und jeden etwas an, dem an Israel was liegt.
«Man kann gar nicht so viel essen, wie man kotzen möchte.» Mit diesem herben Kommentar Max Liebermanns zur «Machtergreifung» der Nationalsozialisten beginnt das israelische Tagebuch von Saul Friedländer. Eine neue, mit rechtsradikalen Kräften koalierende Regierung unter Führung von Benjamin Netanjahu versucht mit einer Justizreform, die Demokratie auszuhebeln und ein autoritäres Regime zu etablieren. Hunderttausende gehen auf die Strasse, um dagegen zu demonstrieren. Saul Friedländer, weltberühmt, mit höchsten Preisen ausgezeichnet und im 90. Jahr seines Lebens angekommen, kann nicht mehr mitdemonstrieren, aber er schreibt ein «israelisches Tagebuch», um dieser dramatischen Entwicklung entgegenzutreten. Es ist eine schmerzhafte, bewegende Lektüre und ein Appell an uns alle, den Absturz Israels in eine autoritäre Pseudo-Demokratie zu verhindern.
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Israel und die Justizreform - ein lehrreiches Tagebuch
Buch_im_Koffer aus Münster am 10.01.2024
Bewertungsnummer: 2106214
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Saul Friedländer verfasst sein „israelisches Tagebuch“ von Januar bis Juli 2023, vor dem Hintergrund der Justizreform, die die Koalition unter Benjamin Netanjahu in Israel implementieren will. Hunderttausende Israelis sind dieser Tage auf den Straßen, er selbst kann nicht mehr mitdemonstrieren. Und so dokumentiert er die laufenden Ereignisse schriftlich. Er berichtet tagesaktuell über Demonstrationen, Terroranschläge, politische Statements und Entscheidungen. Er ordnet für die Leser die gesellschaftlichen, ethnischen, militärischen und politischen Strukturen kritisch und differenziert in einen größeren (auch geschichtlichen) Kontext ein, äußert seine Überlegungen zur Zwei-Staaten-Lösung, zur Siedlungspolitik der aktuellen und früheren Regierungen, zur Abgrenzung von Antisemitismus und Israelkritik. Und er bringt seine große Sorge zum Ausdruck, wie die Regierung Netanjahu durch die Koalition mit rechten religiös-nationalistischen Parteien versucht, die Demokratie in Israel systematisch auszuhöhlen.
Blick in den Abgrund – treffender hätte der Titel für dieses Buch nicht gewählt sein könnten. Saul Friedländer, jüdischer „Historiker des Holocaust“, der bereits 1948 nach Israel kam, um, wie er selbst schreibt, das Land mitaufzubauen, blickt auf ein zerrissenes Land. Seine Worte, seine Aussagen sind ehrlich, offen und deutlich kritisch. Er selbst macht keinen Hehl daraus, wo er steht: Seite an Seite mit der Demokratie, mit den Zivilisten, mit den Menschen. Und doch findet auch er nur schwer Worte für das Unfassbare dieser Tage, große Sorge trifft auf kleine Hoffnungsschimmer.
Viele der von Friedländer erwähnten Fakten waren mir bis heute nicht bekannt und liefern nun gute Erklärungen und Einordnungen zum Verständnis Israels. Und doch: Kann man dieses Buch losgelöst von dem Krieg, der seit drei Monaten in der Region tobt, lesen? Ja! Unbedingt. Denn es wird eine Zeit danach geben und dann ist Friedländers Einordnung der rechtsradikalen, religiösen Kräfte im Land vielleicht wichtiger denn je, um zu verstehen.
Israel und die Justizreform -…
Buch_im_Koffer am 10.01.2024
Bewertungsnummer: 2836075
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Israel und die Justizreform - ein lehrreiches Tagebuch - Saul Friedländer verfasst sein „israelisches Tagebuch“ von Januar bis Juli 2023, vor dem Hintergrund der Justizreform, die die Koalition unter Benjamin Netanjahu in Israel implementieren will. Hunderttausende Israelis sind dieser Tage auf den Straßen, er selbst kann nicht mehr mitdemonstrieren. Und so dokumentiert er die laufenden Ereignisse schriftlich. Er berichtet tagesaktuell über Demonstrationen, Terroranschläge, politische Statements und Entscheidungen. Er ordnet für die Leser die gesellschaftlichen, ethnischen, militärischen und politischen Strukturen kritisch und differenziert in einen größeren (auch geschichtlichen) Kontext ein, äußert seine Überlegungen zur Zwei-Staaten-Lösung, zur Siedlungspolitik der aktuellen und früheren Regierungen, zur Abgrenzung von Antisemitismus und Israelkritik. Und er bringt seine große Sorge zum Ausdruck, wie die Regierung Netanjahu durch die Koalition mit rechten religiös-nationalistischen Parteien versucht, die Demokratie in Israel systematisch auszuhöhlen. Blick in den Abgrund – treffender hätte der Titel für dieses Buch nicht gewählt sein könnten. Saul Friedländer, jüdischer „Historiker des Holocaust“, der bereits 1948 nach Israel kam, um, wie er selbst schreibt, das Land mitaufzubauen, blickt auf ein zerrissenes Land. Seine Worte, seine Aussagen sind ehrlich, offen und deutlich kritisch. Er selbst macht keinen Hehl daraus, wo er steht: Seite an Seite mit der Demokratie, mit den Zivilisten, mit den Menschen. Und doch findet auch er nur schwer Worte für das Unfassbare dieser Tage, große Sorge trifft auf kleine Hoffnungsschimmer. Viele der von Friedländer erwähnten Fakten waren mir bis heute nicht bekannt und liefern nun gute Erklärungen und Einordnungen zum Verständnis Israels. Und doch: Kann man dieses Buch losgelöst von dem Krieg, der seit drei Monaten in der Region tobt, lesen? Ja! Unbedingt. Denn es wird eine Zeit danach geben und dann ist Friedländers Einordnung der rechtsradikalen, religiösen Kräfte im Land vielleicht wichtiger denn je, um zu verstehen.