Produktbild: Der Tag, an dem die Sonne starb

Der Tag, an dem die Sonne starb Roman

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Fr. 37.90

inkl. gesetzl. MwSt., Versandkostenfrei


Beschreibung

Produktdetails

Einband

Gebundene Ausgabe

Erscheinungsdatum

02.05.2024

Herausgeber

Marc Hermann

Verlag

Matthes & Seitz

Seitenzahl

366

Maße (L/B/H)

21.3/14.7/3.7 cm

Gewicht

591 g

Farbe

Schwarz / Senf

Auflage

1. Auflage

Übersetzt von

Marc Hermann

Sprache

Deutsch

ISBN

978-3-7518-0965-8

Beschreibung

Produktdetails

Einband

Gebundene Ausgabe

Erscheinungsdatum

02.05.2024

Herausgeber

Marc Hermann

Verlag

Matthes & Seitz

Seitenzahl

366

Maße (L/B/H)

21.3/14.7/3.7 cm

Gewicht

591 g

Farbe

Schwarz / Senf

Auflage

1. Auflage

Übersetzt von

Marc Hermann

Sprache

Deutsch

ISBN

978-3-7518-0965-8

Herstelleradresse

Matthes & Seitz Verlag
Großbeerenstraße 57A
10965 Berlin
DE

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  • Sue

    aus Uelzen

    4/5

    13.09.2024

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    Ein surrealer Alptraum

    "Alle liefen sie uns hinterher. Und ich begriff, dass Traumwandler wie heimatlose Wanderer sind. Wie eine Herde Schafe ohne Leithammel." Mit "Der Tag, an dem die Sonne starb" liefert uns der chinesische Autor Yan Lianke eine Parabel über den moralischen Verfall der chinesischen Gesellschaft, die sobald sie der Kontrolle des Staatsapparats entfliehen, alles Menschliche verlieren. Übersetzt aus dem Chinesischen von Marc Hermann. Eine heiße Sommernacht im chinesischen Dorf Gaotin nimmt einen grauenvollen Verlauf. Der 14jährige Niannian beobachtet wie die Dorfbewohner nach und nach in ein kollektives Schlafwandeln verfallen. Während die einen einfach nur stoisch und mechanisch die Nacht durcharbeiten und ihr Korn schlafwandelnd dreschen, ziehen andere Bewohner marodierend durch die Straßen. Getrieben von unterdrückten Wünschen und Rachedurst bestehlen und verprügeln, morden und vergewaltigen sie ihre Nachbarn und Mitmenschen. Niannian, der selbst nicht schlafwandelt und sieht, wie seine Welt aus den Fugen gerät, versucht unter größter Verzeiflung das Schlimmste zu verhindern... "Mein Onkel war groß und kräftig, und wie er da so auf dem Boden hockte, sah er aus wie eine eingestürzte Mauer auf dem Markt. Meine Tante dagegen war klein und schmächtig, und wie sie da so neben ihm kauerte, sah sie aus wie ein frisch gesprossenes Grasbüschel oder Blümchen an der Mauer." Der nicht ganz so geschmeidige Schreibstil Yan Liankes ist sehr bildgewaltig und teilweise auch sehr poetisch. Leider wirkte er auf mich zum Teil auch etwas "sperrig", das könnte aber auch an der Übersetzung liegen. Yan Lianke erzählt uns diese sehr gesellschaftskritische Geschichte aus der Sicht des 14jährigen Niannian, den alle im Dorf für dumm halten, der uns Lesern aber eine außergewöhnliche Beobachtungsgabe offenbart. Auch sich selbst hat Yan Lianke ins Buch geschrieben. Als Nachbar und Freund Niannians demontiert er sich selbst mit Humor, aber auch mit einer unterschwelligen Bitterkeit, die mich oft stutzen ließ. Wen man sich dann näher mit dem Autor beschäftigt, wird klar woher dieser Bitterkeit rührt. Yan Lianke ist ein sehr widersprüchlicher Autor, der einerseits in China gelobt und mit Preisen überschüttet wird, dessen Bücher aber andererseits größtenteils auf dem Index stehen und in China weder veröffentlicht noch verkauft werden dürfen. Schuld daran ist seine Kritik am System und der Staatsführung. Doch prangert er nicht nur den Staat und sein System an, zugleich verurteilt er sein Volk als schlafwandelnde Schafe, die mit gesenktem Kopf in die vorgegebene Richtung laufen ohne kritisch zu hinterfragen, ob der Weg der richtige ist. Insgesamt bin ich bezüglich der Lektüre von Yan Liankes Roman "Der Tag, an dem die Sonne starb" etwas zwiegespalten. Einerseits liebe ich solche Bücher, die aufwecken sollen, die Missstände anprangern und mit Regierungen abrechnen. Leider hatte ich beim Lesen die meiste Zeit das Gefühl als wäre ich krank ... mein Kopf fühlte sich an wie in Watte gepackt ... als würde ich selbst schlafwandeln. Ich fühlte mich ganz trunken wie in einem Fieberwahn. Irgendwie surreal. Und ganz bestimmt habe ich auch nicht alle Anspielungen Yan Liankes verstanden.

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    C. Bleiker

    Orell Füssli Zürich Kramhof

    Buchhändler*in

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    4/5

    03.07.2024

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    Das Licht geht aus - und vielleicht auch wieder an

    Ich weiss gar nicht so recht, wo ich bei diesem Buch beginnen soll zu erzählen und ob ich’s lang oder kurz halten soll. Vorweg einmal: Sollte der Autor, Yan Lianke, mal wieder in Zürich zu Besuch sein und eine neue deutsche Übersetzung eines seiner Bücher vorstellen: man lasse es sich nicht entgehen. Ich denke gerne daran zurück, wie schön es klang, als er den Beginn von «Der Tag an dem die Sonne starb» auf Chinesisch vorlas, mit einem weichen Dialekt, sodass man gleich mit Li Niannian auf dem Berg sitzt und als einer der Geister und Götter zuhört, wie er erzählt, was in jener Nacht geschah. Li Niannian, der junge Erzähler des Buches, stellt sich gleich zu Beginn vor. Er wird auch «sha Niannian» (傻念念), der dumme Niannian genannt und erzählt die Dinge so, wie er sie in Erinnerung hat. Mini-Exkurs: das Nian 念 in Niannians Namen bedeutet so viel wie «denken an, erinnern, vermissen, lesen». Wie verlässlich Niannian als Erzähler ist, ist Nebensache. Die Geschichte ist so oder so absurd. Traumwandler, die wie wach ihren alltäglichen – oder weniger alltäglichen – Dingen nachgehen und wache Leute, die es ausnutzen. Schlafwandler, die eifrig ihre Felder ernten, Schlafwandler, die ihre Nachbarn totschlagen. Niannian erzählt eine unglaubliche und blutige Geschichte jener Nacht. Aber egal wie absurd die Geschichte auch ist, das echte Leben ist ja manchmal ebenso absurd. Yan Lianke scheint mir Geschichtliches mit Beobachtetem und Fiktivem zu vermischen, alles zu einer Geschichte in der Gegenwart, die ein Spiegelbild der chinesischen Gesellschaft – oder deren Psyche? – ergibt. Ich kann nicht behaupten, dass ich das Buch verstanden hätte. Aber gepackt hat es mich allemal. Die Sprache ist gewaltig, schön und rau zugleich. Der Einstieg ins Buch gefällt mir ungemein und auf jeden Fall habe ich noch nie gelesen, wie beispielsweise das Gesicht eines Charakters mit einem Lappen oder einer Backsteinmauer verglichen wird. Die Figuren sprechen, wie ihnen der Schnabel gewachsen ist, ganz unverblümt und geschimpft wird auch. Die Sprache und die Handlung laden dazu ein, das Buch mehr als einmal zu lesen, egal ob ganz oder nur auszugsweise. Es gibt eine ganze Menge darin zu entdecken.

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