In "Die Welt von Gestern" entfaltet Stefan Zweig ein fesselndes Porträt der europäischen Kultur und Gesellschaft des frühen 20. Jahrhunderts. Durch autobiografische Reflexionen und eindrückliche Anekdoten schildert er den Verlust der vertrauten Welt vor dem Ersten Weltkrieg und die desillusionierenden Umwälzungen der Nachkriegszeit. Zweigs literarischer Stil vereint lyrische Eleganz mit präziser Analyse, wodurch das Buch gleichzeitig als zeitgenössisches Dokument und als literarisches Meisterwerk erstrahlt. Besonders bemerkenswert ist seine Fähigkeit, die Sehnsucht nach einer verlorenen Welt mit der unaufhaltsamen Realität des Wandels zu verbinden. Stefan Zweig, ein österreichischer Schriftsteller und einflussreicher Intellektueller, erlebte selbst die Verwerfungen seiner Zeit, einschliesslich der Flucht vor dem NS-Regime. Seine zahlreichen Schriften, darunter Romane, Erzählungen und Essays, zeugen von seiner tiefen Auseinandersetzung mit Themen wie Identität, Exil und die Fragilität der Zivilisation. Zweigs umfangreiche Reisen und der Kontakt mit bedeutenden Persönlichkeiten seiner Zeit prägten seine Sicht auf die Welt und flossen in seine Erinnerungen ein. "Die Welt von Gestern" ist ein unverzichtbares Werk für alle, die sich mit der europäischen Geschichte, der Entwicklung der modernen Gesellschaft und der inneren Zerrissenheit der Menschen im Angesicht historischen Wandels auseinandersetzen möchten. Zweigs brillante Prosa eröffnet tiefgehende Einblicke und regt zum Nachdenken über die eigene Zeit an. Leserinnen und Leser werden sich in den meisterhaft geschilderten Konflikten und Emotionen wiederfinden und aufgerufen sein, die Lehren aus der Geschichte zu ziehen.
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Autobiographie, die Casanova…
Juti aus HD am 02.04.2024
Bewertungsnummer: 2851184
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Autobiographie, die Casanova mit biblischer Exegese verbindet In drei Abschnitte kann man Zweigs Leben einteilen: Die Zeit vor dem 1.Weltkrieg, also vor 1914 eine „Welt in Sicherheit“, in der Zweig in Wien im Habsburger-Reich unter dem alten Kaiser Franz Josef aufwächst. Da seine Eltern Industrielle waren und sein Bruder das Unternehmen übernimmt, braucht er sich um finanzielle Dinge nicht zu kümmern, sondern kann sich schon als Schüler der Literatur widmen, ja er verfasst bereits erste Gedichte, da er den Schulstoff für dilettantisch, also wirklichkeitsfremd hält. Das Liebesleben ist vor dem Krieg auch ein anderes. Nach der Schule kommt das Studium, das er als lockeres Philosophiestudium schildert, in dem er erste Reisen unternimmt und dank Veröffentlichung in der „Neuen Freien Presse“ schon berühmt wird, so dass die Professoren bei der Abschlussprüfung ihm schon gnädig gestimmt sind. In diesem Buch werden ausführlich die anderen Personen geschildert, denen Zweig in seinem Leben begegnet ist, also hier Hugo von Hofmannsthal, der als Dichter sein Vorbild war und Theodor Herz, der als Zeitungsredakteur sich für Zweig stark machte, der auch Zionist war und sich Zweig mit in der Bewegung gewünscht hätte, was er aber ablehnte. Persönliches von Zweig, seine Ehefrauen kommen fast gar nicht vor, nur der Tod der Mutter wird gegen Ende knapp thematisiert. Das Besondere an diesem Buch ist der zweite Teil, der den Text von Stefan Zweig ausführlich kommentiert. Da hat sich jemand wirklich die Mühe zu überprüfen, ob das, was er so schreibt, auch tatsächlich stimmt. Manches lässt sich nicht mehr klären, aber gerade dort, etwa beim Abriss des Sterbehaus von Beethoven, wo Zweig klar schreibt, dass er dabei gewesen ist, stellt sich heraus, dass er in Paris war und kein Augenzeuge sein kann. Bei der Bibel ist das Aufgabe der Exegese. Der zweite Abschnitt in Zweigs Leben beginnt mit 1914 und endet mit Beginn der Nazi-Zeit. Allerdings muss erwähnt werden, dass vor 1914 Zweig ständig in Europa unterwegs war und das erinnert mich an Casanova. Mit Rathenau kommt auch die Politik nicht zu kurz, im Gegenteil ich fand es beeindruckend wie plastisch er die Auswirkungen der Inflation erst in Österreich und dann in Deutschland schildert. Weil Geld keine Rolle mehr spielt, Vergnügen sich die Menschen mehr. Neu für mich war auch, dass die Österreicher den ermordeten Thronfolger in Sarajevo gar nicht geliebt haben und irgendwie schon dachten, dass auch diese Krise ohne Krieg abgewendet werde. Ich greife vor, das macht der Autor aber auch. Zweig arbeitet anfangs vorwiegend als Übersetzer und freundet sich mit dem Belgier Emile Verhaeren und Romain Rolland an. Die Autobiographie soll den Eindruck erwecken, dass die drei eine pazifistische Bewegung gegründet hätten, aber außer Rolland liessen sich, wie der Kommentar sagt, die anderen beiden von der Kriegsbegeisterung 1914 anstecken. Erst nach einem drastisch geschilderten Frontbesuch in Galizien wird Zweig zum Kriegsgegner. Im zweiten Abschnitt seines Lebens wird Zweig der am häufigsten übersetzte Autor, was nach Zweig daran liegt, dass er seine Bücher immer aufs Wesentliche kürzt. Wie bei jedem guten Buch, kann ich noch kurz zur Nazi-Zeit sagen, dass Zweig schreibt, dass die Bücherverbrennungen 1934 ein Versuch von Studenten mit Unterstützung der Nazis waren, wie weit sie gehen konnten. Erst 1936 wurden seine Bücher in Deutschland verboten. Zweig kritisiert Europa (England, Frankreich, Italien), dass sie den Anschluss Österreichs an Nazi-Deutschland nicht verhindert haben und das Münchener Abkommen, das Hitler dann aber auch bricht und das Buch endet mit dem Beginn des Zweiten Weltkriegs. Zweigs Sprache verdient die Bestnote, ebenso aber auch der Kommentar, wenn auch zweimal das erklärte Wort im Kommentar früher als im Text erschien. Fußnoten hätten das Lesen etwas erleichtert. 5 Sterne
Ein bewegendes Selbstportrait
Bewertung aus Wien am 31.05.2021
Bewertungsnummer: 1058850
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Mich hat das Buch - diese quasi Autobiographie - von Anfang an gefesselt und auch etwas erschreckt, wie viele Parallelen zur heutigen Entwicklung / Tendenz gezogen werden können.
Prädikat empfehlenswert!