Der neue Roman der Pulitzer-Preisträgerin Louise Erdrich.
In Argus, North Dakota, dreht sich alles um eine heikle Vermählung. Kismet Poe steht vor einer Entscheidung, die ihr ganzes Leben bestimmen wird: Gary, Footballstar der Schule und Erbe einer grossen Zuckerrübenfarm, hat um ihre Hand angehalten. Die ganze Stadt ist auf den alles verzehrenden Süssstoff ausgerichtet - mit verheerenden Folgen für die Umwelt. Auch Crystal, Kismets Mutter, verdient ihren Lebensunterhalt mit dem Transport von Zuckerrüben, doch sie hat ganz andere Sorgen als den ökologischen Kollaps: Warum wollen Gary und seine Mutter unbedingt diese Hochzeit? Und warum spricht niemand über den schrecklichen Unfall am Fluss? Louise Erdrich erzählt mit zartem Humor und starken Bildern vom amerikanischen Land, von den Menschen, die es bewirtschaften, und von der Liebe in all ihrer Absurdität und Schönheit.
'Ein neuer Roman von Louise Erdrich ist immer ein literarisches Ereignis.' - The Guardian.
Kundinnen und Kunden meinen
4.3/5.0
Bewertung
aus Bergisch Gladbach
5/5
31.01.2026
eBook (ePUB 3)
Warmherziger Blick auf das ländliche Amerika
Louise Erdrich gehört zu meinen Lieblingsautor*innen, seit ich vor Jahren ihren Roman "Der Club der singenden Metzger" gelesen habe. Nach zuletzt zwei eher schwächeren Büchern hat mir dieses Werk wieder so richtig gut gefallen. Wir befinden uns im Bundesstaat North Dakota um 2008. Dieser Staat gehört zu den dünn besiedelten und vorwiegend von der Landwirtschaft geprägten Ecken der USA. Im Zentrum der Handlung steht die junge Kismet, die mit ihrer Mutter Crystal in bescheidenen Verhältnissen lebt. Crystal arbeitet als Farmarbeiterin für die reiche Familie Geist, dessen Sohn Garry ein rätselhaftes Interesse an Kismet hat.
Louise Erdrich führt uns in die Welt des sogenannten amerikanischen Heartland, jener Region im mittleren Westen, die weitab von den großen US Metropolen liegt. Die Menschen dort sind sehr traditionell und auch etwas rückständig in ihrem Denken, aber die Autorin schildert diese Gesellschaft liebevoll und mit viel Emphatie. Die Geschichte konzentriert sich auf die persönlichen Beziehungen der Menschen, aber es kommen auch die handfesten Probleme wie die Finanzkrise und die ökologischen Folgen der Monokulturellen Landwirtschaft zur Sprache. Ein sehr empfehlenswerter Roman von einer besten amerikanischen Schriftstellerinen.
drawe
aus Landau
4/5
28.12.2025
eBook (ePUB 3)
Blick in einen ländlichen Mikrokosmos
Louise Erdrich versetzt uns in ihre Heimat, das Red River Valley in North Dakota: eine ländliche Gegend, fernab von jeder Großstadt und den damit verbundenen Vergnügungen. Über einige Jahre hinweg begleitet sie das Leben einiger Figuren, allen voran das der jungen Kismet und ihrer Mutter Crystal. Ihr Leben wird, wie das der anderen Figuren auch, bestimmt durch die Landwirtschaft und die Probleme, die damit zusammenhängen. Erdrich beschreibt in der Figur Crystals die finanziellen Probleme einer meist indigenen Landarbeiterschicht, die bei allem Fleiß nicht auf einen grünen Zweig kommt. Kleine landwirtschaftliche Betriebe können sich nicht halten, u. a. durch die Schuldenbelastung aufgrund des Börsencrashs von 2008. Daneben stehen die industrialisierten landwirtschaftlichen Großbetriebe, die mit dem Aufkauf der verschuldeten Kleinbetriebe zwar ihr Überleben sichern, aber die mit dem schrankenlosen Einsatz von Pestiziden massive ökologische Probleme in Kauf nehmen müssen. Der Red River, an dem die Autorin aufgewachsen ist, ist zwar nach wie vor die Lebensader des Tals, aber durch Abwässer und Gifte verseucht.
Diese allgemeinen Probleme vermengt Erdrich mit dem Leben ihrer Figuren. Jede Figur wirkt dreidimensional und lebensecht, und es sind perfekt gezeichnete Portraits, die sie dem Leser vorstellt. Alle Figuren sind gemischte Charaktere, keine ist nur gut oder böse, und nicht alle ihre Entscheidungen kann der Leser nachvollziehen. Spannung entsteht durch Kismets Dreieck-Beziehung und vor allem durch das allmähliche Aufdecken eines folgenschweren Unfalls, der wie eine schwarze Wolke über der Kleinstadt hängt.
Dennoch wird der Roman nicht durch eine spannungsgeladene Handlung bestimmt. Er ist eher der durchaus liebevolle und auch humorvolle Blick auf das alltägliche Leben in einem ländlichen Mikrokosmos: so war die Welt eben.
4,5/5*
dracoma
aus LANDAU
4/5
28.12.2025
eBook (ePUB 3)
Louise Erdrich versetzt uns…
Louise Erdrich versetzt uns in ihre Heimat, das Red River Valley in North Dakota: eine ländliche Gegend, fernab von jeder Großstadt und den damit verbundenen Vergnügungen. Über einige Jahre hinweg begleitet sie das Leben einiger Figuren, allen voran das der jungen Kismet und ihrer Mutter Crystal. Ihr Leben wird, wie das der anderen Figuren auch, bestimmt durch die Landwirtschaft und die Probleme, die damit zusammenhängen. Erdrich beschreibt in der Figur Crystals die finanziellen Probleme einer meist indigenen Landarbeiterschicht, die bei allem Fleiß nicht auf einen grünen Zweig kommt. Kleine landwirtschaftliche Betriebe können sich nicht halten, u. a. durch die Schuldenbelastung aufgrund des Börsencrashs von 2008. Daneben stehen die industrialisierten landwirtschaftlichen Großbetriebe, die mit dem Aufkauf der verschuldeten Kleinbetriebe zwar ihr Überleben sichern, aber die mit dem schrankenlosen Einsatz von Pestiziden massive ökologische Probleme in Kauf nehmen müssen. Der Red River, an dem die Autorin aufgewachsen ist, ist zwar nach wie vor die Lebensader des Tals, aber durch Abwässer und Gifte verseucht. Diese allgemeinen Probleme vermengt Erdrich mit dem Leben ihrer Figuren. Jede Figur wirkt dreidimensional und lebensecht, und es sind perfekt gezeichnete Portraits, die sie dem Leser vorstellt. Alle Figuren sind gemischte Charaktere, keine ist nur gut oder böse, und nicht alle ihre Entscheidungen kann der Leser nachvollziehen. Spannung entsteht durch Kismets Dreieck-Beziehung und vor allem durch das allmähliche Aufdecken eines folgenschweren Unfalls, der wie eine schwarze Wolke über der Kleinstadt hängt. Dennoch wird der Roman nicht durch eine spannungsgeladene Handlung bestimmt. Er ist eher der durchaus liebevolle und auch humorvolle Blick auf das alltägliche Leben in einem ländlichen Mikrokosmos: so war die Welt eben.
Seitenrascheln
4/5
22.10.2025
eBook (ePUB 3)
Entscheidungen
„Denen, die Vögel lieben und für ihren Platz auf der Erde kämpfen.“
So die Widmung, die Louise Erdrich ihrem Roman vorangestellt hatte.
Die Entscheidung von Kismet Poe ist weitreichender als der Klappentext vermuten lässt. Der Inhalt um einiges vielfältiger als eine vermutete reine Liebesgeschichte. Ich mag nicht allzu viel an dieser Stelle verraten, außer ein paar Stichworten. Es findet ein weitreichender Betrug statt. Es geht ums finanzielle Überleben. Es geht um eine zu intensive Landwirtschaft, bei dem der Gewinn im Vordergrund steht. Es geht um das Miteinander, im Großen als auch im Kleinen. Um einen Unfall über den viel zu lange geschwiegen wurde. Kurz gesagt, es geht um all die Konsequenzen die jede unserer Handlungen mit sich trägt. Um die Verantwortung die jeder von uns hat. Die Kraft des Verzeihens und einen frischen Blick auf eine neue Gestaltung der Zukunft.
Das alles hat Louise Erdrich wieder wunderbar verwebt. Sie ist eine meiner liebsten Autorinnen und auch hier habe ich mich wieder über ihren freundlichen Blick auf die Protagonisten gefreut. Eine Prise Humor, eine Buchhandlung und ein Hauch magischer Realismus durften auch nicht fehlen. Dieser Roman ist unterhaltsam, liebevoll und zeichnet sich mit einem kritischen Blick auf unseren Umgang mit der Natur und der Landwirtschaft aus. Es war ein großes Lesevergnügen für mich, der mich wieder zum Nachdenken gebracht hatte und dem ich sehr gerne 4 Sterne gebe.
Ele
aus xxx
4/5
16.10.2025
eBook (ePUB 3)
Eine kleine Stadt in North Dakota
So war die Welt, Roman von Louise Erdrich, EBook, Aufbau-Verlag
Ein schwermütiger Roman
Kismet lebt mit ihren Eltern in Argus, eine kleine Stadt im amerikanischen mittleren Westen. Crystal, ihre Mutter, arbeitet Tag und Nacht um Kismet die Highschool zu ermöglichen, derweil für ihren Vater Martin nichts elegant und gut genug sein kann. Plötzlich interessiert sich Gary für das Mädchen, er ist der Footballstar der Schule und Sohn reicher Eltern, die mit dem Anbau von Zuckerrüben das große Geschäft machen. Das Mädchen fühlt sich von Garys Werben geehrt, aber sie mag auch den belesenen Hugo. Dann macht Gary ihr einen Antrag, den Kismet annimmt, obwohl sie sich ganz und gar nicht sicher ist. Crystal ist entsetzt über diese frühe Heirat. Am Tag der Hochzeit verschwindet Martin mit dem Geld aus dem Spendenfond, der für die Renovierung der Kirche vorgesehen ist. Die Geschehnisse überstürzen sich.
Das Buch gliedert sich in 5 Teile, die einzelnen kurzen Kapitel tragen eine zusammenfassende Überschrift. Die Autorin schreibt ausgesprochen bildhaft, das Setting läuft während der Lektüre wie Kino im Kopf ab. Die Sprache an sich, ist ausdrucksstark und der Plot atmosphärisch dicht. Die dystopische beklemmende Stimmung ist gänzlich auf mich übergegangen, esoterische Züge sind dabei, doch zwischendurch gibt es auch humoristische Szenen. Der Stil ist auktorial verfasst, abwechselnd aus der Sicht verschiedener Charaktere. Ein umfassendes Bild und eine tiefe Innenansicht der Figuren sind dadurch möglich.
Zusätzlich finde ich, geht es um die Nachteile und Gefahren des konventionellen Anbaus, mit Herbiziden, Pestiziden und Düngemitteln und es wird nachvollziehbar aufgezeigt, welchen Schaden Mensch und Tier dadurch langfristig angerichtet wird. Dieser Satz hat mich nachdenklich gemacht: „Aber unter passenden Bedingungen lässt sich alles vom Antlitz der Erde tilgen.“ Diese Ansichten passen gut zu diesem Buch, hätte ich auf diese Weise in einem Roman aber nicht erwartet. Das erinnert mich an das Klimaquartett von Maja Lunde.
Abgesehen vom Umweltaspekt, hat die Geschichte genügend Geschehnisse, esoterische Szenen sind ebenfalls eingearbeitet, sodass es mir alles in allem, ein wenig viel erscheint. Der Leser muss hier viel zwischen den Zeilen lesen und sich einiges erahnen können.
Die Figuren sind hervorragend und überzeugend charakterisiert, Crystal ist eine wahnsinnig starke Frau, sie hat einen bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen, auch Hugo hat sich enorm entwickelt, ist immer stärker geworden, auch Martin hat mich überraschen können, eigentlich haben sich alle Figuren verändert, meist zu ihrem Besten, das macht sie authentisch. Einzig Kismet hat mich enttäuscht von ihr hätte ich mir mehr Entwicklung gewünscht. Ihre Unentschlossenheit ist selbst im Epilog noch deutlich.
Eine gute Unterhaltung war es allemal, es ist jedoch kein Buch welches man schnell in eine paar Stunden liest, vieles hat mich innehalten und über das gelesene nachdenken lassen. Mich hat es sehr gefordert, die dystopischen Szenen haben mir tatsächlich Angst gemacht. Auch in meiner Heimat werden Zuckerrüben angebaut, eine Zuckerfabrik ist in der Nähe. Noch ein Satz den man sich merken sollte: „Ebenso lauert in jedem Löffel (Zucker) der pragmatische Nihilismus des industriellen Zuckeranbaus auf Kosten unseres Lebensraums auf Erden. Das ist die Süßigkeit die unsere Sinne besticht.“
Wer sich für den biologischen Anbau als Alternative, bzw. Umweltschutz interessiert, oder auch Fans der Autorin und ihren speziellen Schreibstil, sollte hier zugreifen. Ich vergebe 4 Sterne