Produktbild: Seerauchen

Seerauchen

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inkl. gesetzl. MwSt.

Beschreibung

Produktdetails

Format

ePUB 3

Kopierschutz

Nein

Family Sharing

Ja

Text-to-Speech

Ja

Erscheinungsdatum

21.08.2025

Verlag

Dörlemann eBook

Seitenzahl

352 (Printausgabe)

Dateigröße

792 KB

Sprache

Deutsch

EAN

9783038208679

Beschreibung

Produktdetails

Format

ePUB 3

eBooks im ePUB 3-Format erlauben eine dynamische Anpassung des Inhalts an die jeweilige Display-Größe des Lesegeräts. Das Format eignet sich daher besonders für das Lesen auf mobilen Geräten, wie z.B. Ihrem tolino, Tablets oder Smartphones.

Kopierschutz

Nein

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Barrierefreiheit

  • entspricht der Vorgabe EPUB Barrierefreiheit 1.0 A

Erscheinungsdatum

21.08.2025

Verlag

Dörlemann eBook

Seitenzahl

352 (Printausgabe)

Dateigröße

792 KB

Sprache

Deutsch

EAN

9783038208679

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Anderssein

Klaus am 19.10.2025

Bewertungsnummer: 2630206

Bewertet: eBook (ePUB 3)

Josef ist bereits sieben Jahre alt und hat noch kein einziges Wort gesprochen und nicht nur das unterscheidet ihn von den anderen Kindern im Dorf. Als Josef dann unerwartet seine Worte findet, sind es solche wie Idiot, Nichtsnutz, Trottel, Worte, die er schon sein ganzes Leben lang gehört hat, Worte, mit denen man ihn schon sein ganzes Leben lang betitelt hat, Worte, die beschreiben, was er für die anderen im Dorf ist, der kleine schwachsinnige Balg, mit dem seine Mutter dafür bestraft wurde, dass sie sich mit einem umherreisenden Fremden eingelassen hat und so Schande über sich und das ganze Dorf brachte. Schauplatz des Romans ist ein kleines deutsches Dorf am Bodensee in den 30iger Jahren. Hier, in Sichtweite zur Schweiz, wächst der kleine Josef auf, die Mutter, von der Dorfgemeinschaft geächtet, bringt sich und ihren Sohn mit dem Ertrag des kleinen Hofes durch, vermietet die Werkstatt ihres verstorbenen Vaters an einen schweizer Maler und verdient sich als Wäscherin. Die Zeiten sind hart, der Aufschwung, den man sich nach dem "Großen Krieg" erhofft hat blieb aus, es gibt Missernten durch Hochwasser und Kälteeinbrüche und in ihrer Not ist den tiefgläubigen, bigotten Dörflern Josef, mit seinem merkwürdigen Verhalten, mit seinen Stimmungsschwankungen, mit seinen unkontrollierten Zuckungen eine willkommene Projektionsfläche für ihre Ängste, ihren Spott und ihren Hass. Josef ist Freiwild, wird mit Billigung der Erwachsenen von den anderen Kindern gehänselt, misshandelt und dient ihnen als Sündenbock, als bei einer Hetzjagd auf ihn ein anderes Kind verunfallt, gibt man ihm auch daran die Schuld. Nur wenige Dorfbewohner unterstützen Josef und seine Mutter, allen voran Nachbarin Josepha und der Lehrer der Dorfschule. Josef ist anders und das in einer Zeit, in der "Anderssein" gefährlich ist, heute würde man wahrscheinlich Autismus bei ihm diagnostizieren. Mit dem Erstarken des Nationalsozialismus in Deutschland wird den Leuten die Angst vorm "Anderssein" eingetrichtert, Angst vor einem anderen Glauben, Angst vor einer anderen ethnischen Herkunft, Angst vor allem, das die Reinheit der deutschen Rasse bedroht und aus dieser Angst heraus wird Hass geschürt, Neid und Missgunst. Autorin Sabine Eschbach verbindet in ihrem Roman gleich zwei hochemotionale Themen und liefert begleitend zu Josefs Geschichte auch ein beängstigend klares Bild des damaligen Geschehens. Was klein beginnt und von den meisten Dörflern noch abgetan wird, wächst sich schnell aus und mündet in Ereignissen, die wir aus der Geschichte nur all zu gut kennen. Es ist hochemotional und herzzerreißend all dies durch Josefs Augen zu sehen, der für all das ja keinerlei Erklärung hat und den das auch aus seinen Routinen und gesicherten Abläufen reißt. Für mich war die Lektüre des Buches sehr hart, ich habe bereits nach wenigen Seiten furchtbar geweint und konnte das Buch stellenweise gar nicht weiterlesen. Grund hierfür ist meine persönliche Nähe zum Thema Autismus, bin ich doch stolze Oma eines ganz wunderbar besonderen kleinen Jungen und es war mir, als hätte die Autorin mit Josef genau meinen kleinen besonderen Jungen beschrieben. Allein die Vorstellung, er wäre in eine solche Zeit hineingeboren worden, hätte all dies erlebe müssen, wäre von seiner Umwelt so behandelt worden, treibt mir erneut die Tränen in die Augen. Wie die Autorin seine Gefühlswelt beschreibt, seine Wahrnehmung der Umwelt und seine Reaktionen darauf, ist so einfühlsam und sensibel. Aber genauso bin ich emotional auch total bei Martha, Josefs Mutter. Auch ihre Gefühle, ihre inneren Konflikte, ihre Ängste, ihre Wut, ihre Scham und die bedingungslose Liebe zu ihrem Kind sind so treffend beschrieben, das ich mich der Figur unglaublich nah fühle, denn ich kenne all das. Allein die Szene, in der Martha sich wünscht, ihr Sohn würde sie nur einmal anlächeln, würde sich nur einmal von ihr in den Arm nehmen lassen, das hat mich gebrochen, denn es beschreibt einfach so eins zu eins die tägliche Realität von uns Angehörigen. Mit "Seerauchen" hat die Autorin auf unvergleichliche Weise ein Buch geschaffen, dass das Grauen des Nationalsozialismus beschreibt, ohne all zu plakativ darüber zu schreiben. Die dichte Atmosphäre entsteht einzig durch Josefs Erleben, sein Empfinden, das etwas falsch ist, als der Laden der Kahnˋs verwüstet wird, er die Brille und den Kittel des Doktors in dessen zerstörter Praxis findet und der Doktor ist nie ohne seine Brille, als seine Mutter ihn zwingt sich auf Josephaˋs Dachboden zu verstecken, wo er doch noch nie auf Josephaˋs Dachboden war. Das ist falsch und Josef versteht es nicht. Und auch ich als Leser verstehe es nicht, wie konnte all das passieren, wie konnten unsere Großeltern all dies ihren Nachbarn und Freunden antun, wie konnten es so weit kommen und wie ist es möglich, dass all diese Propaganda auch heute wieder so viele Zuhörer findet. Für mich ist "Seerauchen" mein absolutes Jahreshighlight, ein Buch, das auf eindringliche und berührende Weise aus unserer dunklen Vergangenheit erzählt. Ich hoffe, das es von ganz vielen Menschen entdeckt wird. Mich wird das Buch für den Rest meines Lebens begleiten, mit all seinen guten Gedanken und mit all seinen schlimmen. Ich bin unendlich dankbar, dass ich es lesen durfte, wünschte mir aber fast, ich hätte es nicht getan.

Anderssein

Klaus am 19.10.2025
Bewertungsnummer: 2630206
Bewertet: eBook (ePUB 3)

Josef ist bereits sieben Jahre alt und hat noch kein einziges Wort gesprochen und nicht nur das unterscheidet ihn von den anderen Kindern im Dorf. Als Josef dann unerwartet seine Worte findet, sind es solche wie Idiot, Nichtsnutz, Trottel, Worte, die er schon sein ganzes Leben lang gehört hat, Worte, mit denen man ihn schon sein ganzes Leben lang betitelt hat, Worte, die beschreiben, was er für die anderen im Dorf ist, der kleine schwachsinnige Balg, mit dem seine Mutter dafür bestraft wurde, dass sie sich mit einem umherreisenden Fremden eingelassen hat und so Schande über sich und das ganze Dorf brachte. Schauplatz des Romans ist ein kleines deutsches Dorf am Bodensee in den 30iger Jahren. Hier, in Sichtweite zur Schweiz, wächst der kleine Josef auf, die Mutter, von der Dorfgemeinschaft geächtet, bringt sich und ihren Sohn mit dem Ertrag des kleinen Hofes durch, vermietet die Werkstatt ihres verstorbenen Vaters an einen schweizer Maler und verdient sich als Wäscherin. Die Zeiten sind hart, der Aufschwung, den man sich nach dem "Großen Krieg" erhofft hat blieb aus, es gibt Missernten durch Hochwasser und Kälteeinbrüche und in ihrer Not ist den tiefgläubigen, bigotten Dörflern Josef, mit seinem merkwürdigen Verhalten, mit seinen Stimmungsschwankungen, mit seinen unkontrollierten Zuckungen eine willkommene Projektionsfläche für ihre Ängste, ihren Spott und ihren Hass. Josef ist Freiwild, wird mit Billigung der Erwachsenen von den anderen Kindern gehänselt, misshandelt und dient ihnen als Sündenbock, als bei einer Hetzjagd auf ihn ein anderes Kind verunfallt, gibt man ihm auch daran die Schuld. Nur wenige Dorfbewohner unterstützen Josef und seine Mutter, allen voran Nachbarin Josepha und der Lehrer der Dorfschule. Josef ist anders und das in einer Zeit, in der "Anderssein" gefährlich ist, heute würde man wahrscheinlich Autismus bei ihm diagnostizieren. Mit dem Erstarken des Nationalsozialismus in Deutschland wird den Leuten die Angst vorm "Anderssein" eingetrichtert, Angst vor einem anderen Glauben, Angst vor einer anderen ethnischen Herkunft, Angst vor allem, das die Reinheit der deutschen Rasse bedroht und aus dieser Angst heraus wird Hass geschürt, Neid und Missgunst. Autorin Sabine Eschbach verbindet in ihrem Roman gleich zwei hochemotionale Themen und liefert begleitend zu Josefs Geschichte auch ein beängstigend klares Bild des damaligen Geschehens. Was klein beginnt und von den meisten Dörflern noch abgetan wird, wächst sich schnell aus und mündet in Ereignissen, die wir aus der Geschichte nur all zu gut kennen. Es ist hochemotional und herzzerreißend all dies durch Josefs Augen zu sehen, der für all das ja keinerlei Erklärung hat und den das auch aus seinen Routinen und gesicherten Abläufen reißt. Für mich war die Lektüre des Buches sehr hart, ich habe bereits nach wenigen Seiten furchtbar geweint und konnte das Buch stellenweise gar nicht weiterlesen. Grund hierfür ist meine persönliche Nähe zum Thema Autismus, bin ich doch stolze Oma eines ganz wunderbar besonderen kleinen Jungen und es war mir, als hätte die Autorin mit Josef genau meinen kleinen besonderen Jungen beschrieben. Allein die Vorstellung, er wäre in eine solche Zeit hineingeboren worden, hätte all dies erlebe müssen, wäre von seiner Umwelt so behandelt worden, treibt mir erneut die Tränen in die Augen. Wie die Autorin seine Gefühlswelt beschreibt, seine Wahrnehmung der Umwelt und seine Reaktionen darauf, ist so einfühlsam und sensibel. Aber genauso bin ich emotional auch total bei Martha, Josefs Mutter. Auch ihre Gefühle, ihre inneren Konflikte, ihre Ängste, ihre Wut, ihre Scham und die bedingungslose Liebe zu ihrem Kind sind so treffend beschrieben, das ich mich der Figur unglaublich nah fühle, denn ich kenne all das. Allein die Szene, in der Martha sich wünscht, ihr Sohn würde sie nur einmal anlächeln, würde sich nur einmal von ihr in den Arm nehmen lassen, das hat mich gebrochen, denn es beschreibt einfach so eins zu eins die tägliche Realität von uns Angehörigen. Mit "Seerauchen" hat die Autorin auf unvergleichliche Weise ein Buch geschaffen, dass das Grauen des Nationalsozialismus beschreibt, ohne all zu plakativ darüber zu schreiben. Die dichte Atmosphäre entsteht einzig durch Josefs Erleben, sein Empfinden, das etwas falsch ist, als der Laden der Kahnˋs verwüstet wird, er die Brille und den Kittel des Doktors in dessen zerstörter Praxis findet und der Doktor ist nie ohne seine Brille, als seine Mutter ihn zwingt sich auf Josephaˋs Dachboden zu verstecken, wo er doch noch nie auf Josephaˋs Dachboden war. Das ist falsch und Josef versteht es nicht. Und auch ich als Leser verstehe es nicht, wie konnte all das passieren, wie konnten unsere Großeltern all dies ihren Nachbarn und Freunden antun, wie konnten es so weit kommen und wie ist es möglich, dass all diese Propaganda auch heute wieder so viele Zuhörer findet. Für mich ist "Seerauchen" mein absolutes Jahreshighlight, ein Buch, das auf eindringliche und berührende Weise aus unserer dunklen Vergangenheit erzählt. Ich hoffe, das es von ganz vielen Menschen entdeckt wird. Mich wird das Buch für den Rest meines Lebens begleiten, mit all seinen guten Gedanken und mit all seinen schlimmen. Ich bin unendlich dankbar, dass ich es lesen durfte, wünschte mir aber fast, ich hätte es nicht getan.

Ein Jahreshighlight

Rina aus Mannheim am 29.08.2025

Bewertungsnummer: 2580569

Bewertet: eBook (ePUB 3)

Seerauchen erzählt die Geschichte von Josef, der mit seiner Mutter Martha in einem kleinen Dorf am Bodensee aufwächst, kurz vor und während der Zeit des Nationalsozialismus. Josef ist ein ganz besonderer Junge, denn er nimmt die Welt auf seine eigene Weise wahr: in Farben, Geräuschen und Zahlen. Vieles, was andere gar nicht bemerken, ist für ihn überdeutlich. Weil er anders ist, wird er von vielen unterschätzt, obwohl er ein großartiges Gedächtnis und eine besondere Form von Intelligenz besitzt. Martha versucht ohne jegliche Unterstützung, ihn zu verstehen und ihm das Leben so leicht wie möglich zu machen. Sie spürt intuitiv, was ihm guttut, auch wenn es für sie als alleinerziehende Mutter oft sehr schwer ist. Manche Nachbarn begegnen Josef mit Zuneigung und Verständnis, andere dagegen mit Spott und Ablehnung. Beim Lesen hat mich das oft sehr bewegt, weil man spürt, wie verletzend es für ihn sein muss. Mit sieben Jahren spricht Josef sein erstes Wort, und kurz darauf kommt er auf Drängen seiner Mutter in die Schule. Auch wenn sie weiß, wie schwer es für ihn sein wird, wünscht sie sich eine Zukunft für ihren Sohn. Sehr eindrucksvoll fand ich, dass die Geschichte überwiegend aus Josefs Sicht erzählt wird. Man erlebt direkt, wie er Wörter mit Farben verbindet und Geräusche körperlich spürt. Auch seine Abhängigkeit von Routinen und sein Stimming werden sehr gut beschrieben. Ein Beispiel dafür ist die Szene, in der seine Mutter sieht, wie er eine Katze streichelt, um wieder Halt zu finden. Daraufhin schenkt sie ihm ein Stück ihrer geerbten Pelzstola, das er fortan immer bei sich trägt. Mit den Jahren verändert sich auch das Dorf. Die Ideologie der NS-Zeit dringt immer stärker ein, Menschen verschwinden oder wenden sich gegeneinander. Man spürt, wie gefährlich die Lage für Josef wird. Erwachsene wie der Dorfarzt und sein Lehrer versuchen, ihn zu schützen, doch die Bedrohung rückt immer näher. Das offene Ende fand ich sehr gut gewählt, weil es einerseits die historische Realität mitschwingen lässt, andererseits aber auch einen kleinen Funken Hoffnung für Josef‘s Zukunft bewahrt. Ich habe mir beim Lesen Zeit gelassen, nicht weil das Buch schwer geschrieben wäre, sondern weil ich Josefs Perspektive nicht so schnell hinter mir lassen wollte. Seine Beziehung zu seiner Mutter und sein Blick auf die Welt sind mir sehr nahegegangen. Für mich ist Seerauchen ein Herzensbuch. Gerade weil es ein Debütroman ist, beeindruckt mich, wie poetisch und zugleich einfühlsam Sabine Eschbach erzählt. Ein bewegendes, zärtliches und zugleich erschütterndes Buch, das mir sicher noch lange im Gedächtnis bleiben wird.

Ein Jahreshighlight

Rina aus Mannheim am 29.08.2025
Bewertungsnummer: 2580569
Bewertet: eBook (ePUB 3)

Seerauchen erzählt die Geschichte von Josef, der mit seiner Mutter Martha in einem kleinen Dorf am Bodensee aufwächst, kurz vor und während der Zeit des Nationalsozialismus. Josef ist ein ganz besonderer Junge, denn er nimmt die Welt auf seine eigene Weise wahr: in Farben, Geräuschen und Zahlen. Vieles, was andere gar nicht bemerken, ist für ihn überdeutlich. Weil er anders ist, wird er von vielen unterschätzt, obwohl er ein großartiges Gedächtnis und eine besondere Form von Intelligenz besitzt. Martha versucht ohne jegliche Unterstützung, ihn zu verstehen und ihm das Leben so leicht wie möglich zu machen. Sie spürt intuitiv, was ihm guttut, auch wenn es für sie als alleinerziehende Mutter oft sehr schwer ist. Manche Nachbarn begegnen Josef mit Zuneigung und Verständnis, andere dagegen mit Spott und Ablehnung. Beim Lesen hat mich das oft sehr bewegt, weil man spürt, wie verletzend es für ihn sein muss. Mit sieben Jahren spricht Josef sein erstes Wort, und kurz darauf kommt er auf Drängen seiner Mutter in die Schule. Auch wenn sie weiß, wie schwer es für ihn sein wird, wünscht sie sich eine Zukunft für ihren Sohn. Sehr eindrucksvoll fand ich, dass die Geschichte überwiegend aus Josefs Sicht erzählt wird. Man erlebt direkt, wie er Wörter mit Farben verbindet und Geräusche körperlich spürt. Auch seine Abhängigkeit von Routinen und sein Stimming werden sehr gut beschrieben. Ein Beispiel dafür ist die Szene, in der seine Mutter sieht, wie er eine Katze streichelt, um wieder Halt zu finden. Daraufhin schenkt sie ihm ein Stück ihrer geerbten Pelzstola, das er fortan immer bei sich trägt. Mit den Jahren verändert sich auch das Dorf. Die Ideologie der NS-Zeit dringt immer stärker ein, Menschen verschwinden oder wenden sich gegeneinander. Man spürt, wie gefährlich die Lage für Josef wird. Erwachsene wie der Dorfarzt und sein Lehrer versuchen, ihn zu schützen, doch die Bedrohung rückt immer näher. Das offene Ende fand ich sehr gut gewählt, weil es einerseits die historische Realität mitschwingen lässt, andererseits aber auch einen kleinen Funken Hoffnung für Josef‘s Zukunft bewahrt. Ich habe mir beim Lesen Zeit gelassen, nicht weil das Buch schwer geschrieben wäre, sondern weil ich Josefs Perspektive nicht so schnell hinter mir lassen wollte. Seine Beziehung zu seiner Mutter und sein Blick auf die Welt sind mir sehr nahegegangen. Für mich ist Seerauchen ein Herzensbuch. Gerade weil es ein Debütroman ist, beeindruckt mich, wie poetisch und zugleich einfühlsam Sabine Eschbach erzählt. Ein bewegendes, zärtliches und zugleich erschütterndes Buch, das mir sicher noch lange im Gedächtnis bleiben wird.

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