In ihrem charmanten Hotel am Getreidemarkt hat Marille einen wohligen Zufluchtsort für Menschen auf der Suche nach Geborgenheit erschaffen, der sowohl Reisende als auch Kreative magisch anzieht. Sie geht ganz in ihrer Rolle als Hotelbesitzerin auf und merkt dabei nicht, dass ihr bester Freund Ferdinand sich mehr und mehr zu ihr hingezogen fühlt. Als ein junger Mann aus Afghanistan auftaucht und Marille ihm Hilfe anbietet, gerät ihre kleine geschützte Welt ins Wanken. Und dann ist da noch Astrid vom Reisebüro nebenan, die verzweifelt Anschluss sucht. Als deren Bruder plötzlich auf der Matte steht, müssen sie sich alle entscheiden: Ist Freundschaft stärker als Hass?
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Vielstimmig, sinnlich, gegenwärtig
Bewertung am 22.03.2026
Bewertungsnummer: 3084916
Bewertet: eBook (PDF)
Mit „Das kleine Hotel am Getreidemarkt“ ist Gerda Stauner ein warmherziger, atmosphärisch dichter und zugleich überraschend vielschichtiger Roman gelungen. Schon der Beginn hebt sich von anderen Geschichten ab: Nicht die Figuren stehen zunächst im Mittelpunkt, sondern das Hotel selbst. Mit einem geschichtlichen Rückblick und viel Gespür für Ort und Stimmung entsteht sofort das Gefühl, dieses Haus nicht nur vor sich zu sehen, sondern sich am liebsten selbst dort einquartieren zu wollen.
Besonders stark ist die sinnliche Gestaltung des Romans. Kleine, genau gesetzte Eindrücke verleihen der Handlung Farbe, Duft und Nähe. Der frische Blumenschmuck an der Rezeption, die leuchtende Fassade, die vielen anschaulichen Beobachtungen im Inneren und Äußeren des Hauses machen das Lesen sehr unmittelbar. Genau diese Detailfreude sorgt dafür, dass der Roman nicht bloß erzählt, sondern eine Stimmung erschafft, in der man sich als Leserin oder Leser gern aufhält.
Mit Marille, die das Hotel führt, bekommt die Geschichte dann ihr menschliches Zentrum. Doch die Autorin belässt es nicht bei einer einzelnen Hauptstimme. Der Perspektivwechsel von Kapitel zu Kapitel macht den Roman lebendig und vielschichtig. Neben Marille kommen unter anderem Astrid aus dem Reisebüro gegenüber, Marilles bester Freund Ferdinand, Hotelangestellte, verschiedene Gäste und der aus Afghanistan geflüchtete Gibran zu Wort. Dadurch entsteht nach und nach ein dichtes Geflecht aus Blickwinkeln, Empfindungen und Beziehungen. Gerade diese Vielstimmigkeit ist eine große Stärke des Buches, weil sie die Handlung vertieft und den Figuren Raum gibt, sich glaubhaft zu entfalten.
Was zunächst wie eine warmherzige Geschichte aus dem Alltag wirkt, gewinnt mit jedem Kapitel an Zugkraft. Die Handlung spielt sich über wenige Tage ab, aber in dieser kurzen Zeit baut der Roman Spannung auf, ohne hektisch zu werden. Nach und nach zeigt sich, dass hier weit mehr erzählt wird als eine Geschichte rund um ein charmantes Hotel. Das Buch richtet den Blick auch auf gesellschaftliche Spannungen, auf Vorurteile, auf Menschlichkeit und auf die Frage, wie Menschen aufeinander reagieren, wenn Unsicherheit, Angst oder Fremdheit ins Spiel kommen.
Dass dabei auch eine zarte Liebesgeschichte mitläuft, passt sehr gut in das Gesamtbild. Sie bringt Wärme in die Handlung, ohne kitschig zu wirken, und ergänzt die ernsteren Töne auf angenehme Weise. Überhaupt überzeugt der Roman gerade deshalb, weil er Gegensätze zusammenführt: Behaglichkeit und Unruhe, Nähe und Distanz, persönliches Schicksal und gesellschaftliche Fragen. Nichts davon wirkt aufgesetzt. Vielmehr entwickelt sich alles organisch aus den Figuren und ihren Begegnungen.
Das kleine Hotel am Getreidemarkt ist damit ein Roman, der auf mehreren Ebenen funktioniert. Er bietet Atmosphäre, starke Bilder und ein einladendes Setting, gleichzeitig aber auch Spannung und einen Blick auf Themen, die in die Gegenwart reichen. Das macht ihn nicht nur unterhaltsam, sondern auch relevant. Gerda Stauner gelingt ein Buch, das berührt, fesselt und über die letzte Seite hinaus nachwirkt.
Fazit:
Ein stimmungsvoller, klug gebauter und sehr menschlicher Roman, der mit starken Schauplätzen, unterschiedlichen Stimmen und wachsender Spannung überzeugt. Wer Geschichten mag, die Herz und Haltung verbinden, wird dieses Buch mit großem Vergnügen lesen.
Zum Wohlfühlen
Schoko_und_Buch aus Friedberg am 06.06.2026
Bewertungsnummer: 3160102
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Marille führt ein kleines Hotel am Getreidemarkt und erfüllt sich damit einen Traum. Das Hotel ist familiär, persönlich und sehr individuell, Diskretion versteht sich. Außerdem hat Marille das Herz am rechten Fleck. Und so kommt es, dass an dem Wochenende, an dem sie und ihr bester Freund eine besondere Veranstaltung planen, eine gemischte Klientel im Hotel nächtigt. Als sie auf der Straße einem jungen Mann aus Afghanistan begegnet, quartiert sie diesen kurzerhand im freien Zimmer ein. Doch davon darf niemand erfahren. Marille manövriert sich damit in immer schwierigere Situationen und schließlich kommt es zu einer ungeahnten Katastrophe.
Der Roman ist wie ein kleines Kammerspiel und aus den Sichten der verschiedenen Protagonisten erzählt. Diese sind sehr abwechslungsreich und gut gezeichnet. Die Atmosphäre des gesamten Romans ist von einem Optimismus und positiver Grundstimmung geprägt. Es ist ein Wohlfühlroman, der aber aktuelle gesellschaftliche Themen aufgreift. Daher hatte ich auch nicht die Erwartung, dass diese tiefgründig aufgearbeitet werden. Und so fließen diese in die Handlung mit ein, bleiben aber an der Oberfläche und Harald vereint fast ein wenig das Klischee. Aber wie gesagt, es ist ein Wohlfühlroman und so passt es Mich hat das Buch gut unterhalten und mit einem positiven Gefühl zurückgelassen. Ich war sehr gern Gast bei Marille. Die einzigartige Atmosphäre ihres Hotels hat mich beim Lesen dorthin entführt.