In einem Paradigmengebet und einer Reimrede verarbeitet Hensel Lebenter, ein Nürnberger Kandelgiesser, seine Haft im Schuldturm und schildert in seiner >Lochordnung< die Bedingungen in den Nürnberger Lochgefängnissen unter dem Rathaus. Diese dilettantische Gefängnisdichtung des "kleinen Mannes", datierbar auf die Zeit zwischen 1500 und 1530, ist zwar keine "grosse" Literatur, sie beeindruckt jedoch, weil sich darin die Grenzen zwischen literarischer Inszenierung und tatsächlichem Erlebnis fortwährend überlagern. Lebenters Texte geben Einblick in das um 1500 geschriebene bzw. gesprochene Nürnbergisch und enthalten teils detailreiche Anspielungen auf Gepflogenheiten und Abläufe der Gefängnishaft. Literaturgeschichtlich von Interesse sind die Inszenierung von Autorschaft, die Rezeption durch das städtische Publikum und Bezüge zu mittelalterlicher Gefängnis- literatur (prison writing) auch ausserhalb Nürnbergs.
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