Emilia Papenburg hat ihren Mann Benni verlassen und ist mit den Kindern nach New York gegangen. Ein Neubeginn ohne Familie, an der sie gescheitert zu sein glaubt, genau wie schon ihre eigenen Eltern. Doch vielleicht irrt Emilia sich. Denn ihr Vater und ihre so lange verschollene Mutter wollen um jeden Preis die Familie zusammenbringen. Sie ertragen gegenseitige Verletzungen und enttäuschte Hoffnung für Momente klaren Glücks. Emilias Mann Benni ist da schon einen Schritt weiter: Er stellt seine Freiheit über die Illusion familiärer Notwendigkeiten.
»Papenburg« ist das schillernde Porträt unserer verunsicherten westlichen Gesellschaft und einer Schar verzweifelter und erfindungsreicher Menschen auf der Suche nach Sinn und Vergebung.
Kundinnen und Kunden meinen
4.0/5.0
Bewertung
5/5
17.09.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Family life at its best
Mit Papenburg erzählt Philipp Oehmke die Familiengeschichte der Familie Schönwald weiter, und weitet seinen scharfen Blick auf den zugeheirateten Zweig Papenburg aus.
Nach dem verheerenden Familienstreit ist Emilia mit den beiden Kindern August und Otis nach New York zurückgekehrt und hat einen total… Ex-Ehemann Bennie in der Uckermark zurückgelassen.
Doch der New Yorker Alltag, die Kinder mit Startschwierigkeiten an der neuen Schule und den Vater vermissend, bringen sie bald an ihre Grenzen. Ihre eigene Kindheit mit getrennten Eltern wollte sie ihren Söhnen gerne ersparen. Doch leider hat Bennie alles falsch gemacht, und um wiedergutzumachen, mobilisieren sich plötzlich nicht nur Chris und ihre verschollene Mutter, auch der verschmähte Vater scheint einen Zugang zur verloren geglaubten Tochter zu finden.
„Familie funktioniert nicht als ein Modell, bei dem man nur mitmacht, solange es einem selbst nützt.“
Meine persönlichen Leseeindrücke
Papenburg, der neue Nachname der Familie von Bennie Schönwalds Ehefrau Emilia, erzählt in süffisant, sarkastischem und frechem Ton über das Leben im reichen Amerika, in dem eine Schar von Menschen zwar Geld hat, aber wenig von dem, was es in einem Leben vielleicht wirklich ankommt, und zwar Rückhalt, Familie und Verantwortung. Davon scheint weit und breit nichts in Sicht.
Jeder kämpft mit seiner Existenz, die von Sinnlosigkeit, Unverständnis, Verletzungen und enttäuschten Hoffnungen geprägt ist. Würde ich kurz portraitieren müssen, so wäre meine Lieblingsfigur Chris, der exzentrische Mittelpunkt, Bennie, Jurist und Mathegenie, der komplexe Ereignisse lückenlos planen kann und sich nur in der Welt mathematischer Perfektion wohl fühlt, Emilia, die mental alles andere als stark und von einer Psychoanalyse in die andere trudelt, ohne das Leben weder zu begreifen noch zu entscheiden, Emilias Mutter Katrin patent, wenngleich problembelastet, nicht nur mit ihrer Alkoholsucht und Emilias Vater Thomas nicht bloß ein gelangweilter Millionär, der Angst vor der Apokalypse hat, sondern der sich einbringen und sich um die Menschheit verdient machen will.
„Man hat Verpflichtungen, Thomas. Selbst wenn man sehr reich ist.“
Und nachdem zwei Familien, die unterschiedlicher nicht sein könnten, einen gemeinsamen Versuch starten, eine Familie zusammenzubringen und ein gemeinsames versöhnliches Weihnachtsfest in New York zu verbringen, um zu retten, was zu retten möglich ist, wird klar, dass das ungeahnte Folgen mit sich ziehen wird. Wenn man zu obigen Personenkreis Chris Eltern Ruth, die strenge Realistin und Hans-Harald, scharfer politischer Denker, unerschütterlich und selbstbewusst, ansonsten aber der schwächere Part im Eheleben, dazuzählt, kommen berechtigte Zweifel auf, ob das geplante gemeinsame Weihnachtsfest der drei Generation gelingen kann. Dass es nebenbei auch um die Lösung einer 40jährigen Vaterschaftsfrage geht, gibt der Familiendramatik eine weitere Dynamik.
Nur gut, dass Oehmke sich wieder mit Christopher Schönwald beschäftigt. Ich mag den Typen, der sich stets neu erfindet und durch ein Leben weit weg vom elterlichen Heim trudelt. Er scheint mir fast der normalste in der ganzen durchgeknallten Familienbande, die jüngste Generation mal ausgenommen. Mal schauen, wie es mit ihm wird, plagen ihn doch (berechtige) Zweifel über seine Position in der US Regierung und der MAGA Bewegung.
So geht es originell und wenig konventionell, rauschend und abgefahren durch die Leben der verschiedenen Familienmitglieder. Papenburg ist einmal mehr ein unverhohlener Blick auf eine Gesellschaft, in der einiges falsch läuft, und auf Familienkonstrukte, die so kompliziert sind, wie es Familien (leider) zumal sein können.
Selten erhält mein einen solch intimen und detailreichen Einblick in die Romanfiguren. Das macht den Roman aus, dass ich jeden einzelnen für sich alleine stehend und dann in der seiner Funktion in der Familie betrachten kann. Grandios! Ich liebe so etwas.
Am Ende des fast 450 Seiten langen Romans schließe ich genüsslich und vergnügt das Buch und freue mich, dass auch Reiche mit all ihrem Geld ihre Probleme schwerlich in den Griff bekommen. Sollte die große Familiengeschichte weitergehen, bin ich wieder fix dabei.
Fazit
Papenburg ist weit mehr als die Fortsetzung des Familienromans Schönwald. Philipp Oehmke gelingt es einmal mehr, mühelos eine Gesellschaft zu portraitieren, deren Menschen vor allem eins nicht mehr haben: Sicherheit.
Alrik Gerlach
Thalia Book Circle Community
4/5
24.08.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Familie ist manchmal der komplizierteste Ort der Welt
Familie kann ein sicherer Hafen sein. Bei den Papenburgs fühlt sie sich eher an wie ein Wohnzimmer, in dem seit Jahren niemand mehr das Fenster geöffnet hat. Alle wollen Nähe, aber bloß nicht zu viel davon, und genau dieses herrlich kaputte Durcheinander trägt den Roman.
Emilia geht mit den Kindern nach New York, Benni entdeckt seine Freiheit und die ältere Generation versucht zusammenzukleben, was längst Risse hat. Manche Figuren hätte ich gern einmal kräftig an den Schultern gepackt. Mensch, redet doch einfach miteinander! Gleichzeitig liegt genau darin die Stärke des Buches. Diese Menschen sind egoistisch, verletzlich, manchmal nervig und dadurch erschreckend glaubwürdig.
Oehmke schreibt klug, pointiert und mit feinem Gespür für die kleinen Gemeinheiten innerhalb einer Familie. Nebenbei geht es um Freiheit, Verantwortung und die Frage, was wir einander eigentlich noch schulden.
Ganz warm geworden bin ich nicht mit allen Figuren, dafür bleiben sie emotional oft auf Distanz. Trotzdem hat mich dieses Familienchaos länger beschäftigt als erwartet. Kein kuscheliger Wohlfühlroman, sondern einer, der ziemlich treffsicher zwischen den Rippen stochert.
Tschy
3/5
21.07.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Die Familienbande
Emilia Papenburg hat ihren Mann Benni in Deutschland verlassen und ist nach New York gezogen. Sie stellt schnell fest, dass es dort auch nicht so einfach ist Fuß zu fassen. Ihr Mutter schafft es sie in der Schule ihrer Kinder in die richtigen wichtigen Mütter Kreise zu bringen. Dann wird die Mutter, die seit Jahren alkoholsüchtig ist, wieder rückfällig und Emilia bricht den Kontakt ab. Benni wiederum möchte Kontakt mit seinen Kindern und wünscht sich ein Nestmodell, bei dem immer der jeweilige Elternteil, der die Kinder in der Woche betreut, bei den Kindern im Haus ist. Emilia weiß gar nicht wo sie hin soll, wenn Benni und die Kindern bei ihr im Haus sind. Benni bricht seine Zelte in Deutschland ab und geht nach USA. Es ist alles nicht so einfach, es gibt viele Verletzungen und Missverständnisse, die dazu geführt haben, dass sich die Familie auseinandergelebt hat. Nun wird viel unternommen, um die Familie auf Teufel komm raus wieder zu vereinen.
Ich bin irgendwie nicht richtig warm geworden mit dem Buch und konnte mich nicht so richtig in die Protagonisten hineinfühlen.
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4/5
07.08.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Eindrucksvoller Gesellschaftsroman
Papenburg ist ein Gesellschaftsroman aus Amerika mit aktuellen politischen gesellschaftlichen Fragen verpackt in einer Familiengeschichte. Der Roman erzählt von Liebe, Enttäuschung, Freiheit und dem Wunsch nach Zugehörigkeit. Mutter, Alkoholikerin, ihr Mann, ein Tech-Millionär trennte sich von ihr, die Tochter wünscht keinen Kontakt zur kranken Mutter. Doch als die Tochter sich von ihrem Mann trennt und von Deutschland wieder nach New York zieht kommt es anders.