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Shida Bazyar

1. Die Lücken

Die Lücken Ausgezeichnet mit dem Deutschen Buchpreis 2026

Gesprochen von
15

Fr. 37.90

inkl. gesetzl. MwSt., Versandkostenfrei


Beschreibung

Produktdetails

Gesprochen von

Banafshe Hourmazdi

Spieldauer

14 Stunden und 53 Minuten

Erscheinungsdatum

30.10.2026

Hörtyp

Lesung

Fassung

ungekürzt

Medium

Audio

Verlag

Tacheles!

Sprache

Deutsch

EAN

9783864848841

Beschreibung

Produktdetails

Gesprochen von

Banafshe Hourmazdi

Spieldauer

14 Stunden und 53 Minuten

Erscheinungsdatum

30.10.2026

Hörtyp

Lesung

Fassung

ungekürzt

Medium

Audio

Verlag

Tacheles!

Sprache

Deutsch

EAN

9783864848841

Herstelleradresse

tacheles
Prinz-Regent-Straße 50-60
44795 Bochum
DE

Email: mail@roofmusic.de

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  • Eva

    5/5

    13.10.2026

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    Verzerrte Erinnerungskultur

    Shida Bazyar ist ganz oben angekommen. Die Lücken ist ein sprachlich überzeugendes und inhaltlich hoch komplexes Werk, das individuelle Schicksale mit den Widersprüchen, Leerstellen und Brüchen der deutschen Geschichte verknüpft. Die Lücken stehen für das Ungesagte, das Schweigen, das Schuldbehaftete, das lieber verschwiegen wird, in den einzelnen Biografien genauso wie gesamtgesellschaftlich. Die Auseinandersetzung mit dem Unrecht ist schmerzhaft, unbequem, denn sie steht der unbefleckten Zukunft im Weg. Trügerisch jedoch ist der Neubeginn, wenn er auf Verdrängung beruht. In diese Lücke wirft Shida Bazyar ihren Text, benennt ganz nüchtern das, was geschehen ist. Als Erzählerin wählt sie eine verstorbene Geflüchtete, eine Außenseiterin, auserwählt, um die Geschichte zu erzählen. Es war und ist der Erzählern unmöglich, in Heimesbach Schutz zu finden, wie es auch für die jüdische Bevölkerung nicht möglich war. Sie berichtet von den Zwangsenteignungen jüdischer Familien, den Deportationen, den Berufsverboten und Entmündigungen durch die Rassengesetze. Vom Wegsehen, Schweigen, dem Opportunismus, der Gewalt. Alles wirkt bis heute fort. In offenem oder latentem Rassismus, im Umgang mit der Vergangenheit und den Menschen im Exil. Zurück bleibt eine versagende Erinnerungskultur, die Gedenkplakette für die Synagoge ist leicht zu übersehen, die NS-Devotionalien liegen auf Dachböden. Die Figuren sind lebendig, die Sprache ausgefeilt, die Konstruktion raffiniert, die literarische Stimme souverän. Die Lücken benennt unerschrocken und bildgewaltig den Ursprung zeitgenössischer Missstände, zeichnet ein Panorama deutscher Kultur in all ihren Facetten und stellt äußerst unbequeme Fragen. Shida Bazyar gelingt ein großer Wurf und reiht sich damit ein in eine Tradition großer Schriftsteller*innen. Das ist literarisch höchst bemerkenswert, kosmopolitisch, weitsichtig und ungeheuer aufregend. Die Lücken gehört in den Kanon moderner Klassiker.

  • Bewertung

    5/5

    09.10.2026

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    Ein großartiges Buch

    Die Lücken – Shida Bazyar Deutscher Buchpreis 2026 Die namenlose Erzählerin reist im Traum zurück in das Dorf, Heimesbach, ein Dorf im Hunsrück, in dem sie nur 3 Jahre gelebt hat, „die Götter haben sie dort hingeschickt“, erzählt es ihrer 2 Jahre älteren Schwester Lou. „Ich war 10 Jahre, als wir hierher flohen. Ich war dreizehn Jahre alt, als wir gingen, weil sie uns wegschicken wollten.“ „Entweder hat man uns versehentlich hierhergeschickt oder ich bin in der Hölle gelandet.“ In einer Reise durch die Jahre erfährt sie Dinge, die sie bisher nicht gewusst hat. Ihre Zeitreise beginnt in den 20er Jahren und verfolgt 100 Jahre Geschichte des Dorfes und seiner Menschen. Lore und Johanna, einst unzertrennliche Freundinnen gehen getrennte Wege. Lore wird eines Tages erfolgreich für die Nationalsozialisten agieren, Johanna wird als Jüdin verfolgt und ermordet. Und so wie Johanna ergeht es auch den anderen jüdischen Familien im Dorf, sie werden verfolgt, vertrieben, enteignet und ermordet in einem der Konzentrationslager der Nationalsozialisten. Emil Ackermann, nach Israel geflohen vor den Nationalsozialisten, kehrt in seinen Geburtsort zurück und möchte entschädigt werden, aber: „Nach der Diktatur der Nationalsozialisten herrschte hier die Diktatur der Gleichgültigkeit.“ Und so bleiben in vielen Familien die Geheimnisse im Verborgenen, auch wenn die Enkelkinder in den 80er und 90er Jahren Fragen an die Großeltern stellen. Gab es Juden in dem Dorf? Hast du welche gekannt? Was ist mit ihnen geschehen? In dem ehemaligen „Gaumusterdorf“ wurde bereits 1927 die erste Ortsgruppe der NSDAP gegründet und viele fanden dort „Beachtung“ und eine „Heimat“. In der Reichskristallnacht 1933 werden die Geschäfte der 3 jüdischen Inhaber zerstört, der Tierarzt und andere jüdische Menschen in Schutzhaft genommen, das Dorf macht mit oder schaut gleichgültig zu. Die Autorin schildert in makaberer Genauigkeit die Grausamkeit wie aus einem „Lehrbuch der Perversion“. Resi, früher angestellte im jüdischen Kaufhaus der Familie Lichter, arbeitet auch weiter bei deren Nachfolgern, wird verfolgt von Erinnerungen und kann doch nicht darüber sprechen. „Ihre Schuld bestand ja aus dem, was sie nicht getan hatte (…).“ Man hatte herausgefunden, (…) „wie man es schaffte, von damals zu erzählen und gleichzeitig zu schweigen“ (…). Manche der „Alten“ trauern den guten Zeiten nach. Die nachfolgenden Generationen sind politisch interessiert, engagiert oder desinteressiert. In den 80er Jahren leben auch zwei geflüchtete Familien aus dem Iran im Dorf, es gibt freundliche Menschen, die ihnen helfen und sie unterstützen. Und während noch die Elterngeneration verwirrt in diesem fremden kalten Land hadert, finden die Kinder Kontakte, Freundschaften, Beziehungen und Bildung. Die Erzählungen über die Menschen, die Vielfältigkeit der Charaktere, ihre Familien, ihre Geschichte, laufen parallel, die einzelnen Erzählstränge müssen miteinander verknüpft werden, wobei jede einzelne Geschichte eine eigene Faszination hat, zusammen ergeben sie ein Mosaik. Die Autorin beherrscht das Spiel mit der Sprache, passend zu den Menschen und der historischen Zeit. Sie ist auch eine perfekte Beobachterin der „deutschen“ Rituale, vom „Kindergeburtstag“, „Kinderturnen“ bis zum „St.-Martins-Umzug“ über „Kneipengesprächen“ unter Männern“. Das Buch ist eine große literarische Konstruktion über Ungesagtes, Verantwortung und Schuld, aber auch um Heimat, Verlust sowie Flucht und Vertreibung. Mir gefällt besonders, wie meisterhaft die Autorin die harte Welt des deutschen Dorfes in persische Dichtkunst einbettet. Die Erzählerin, die über allem schwebt, fast traumhaft, distanziert, Grauenvolles beobachtend, die Puzzleteile des Erzählens, die ein Ganzes ergeben, das Unrecht an den jüdischen Menschen, der Schmerz, die Traurigkeit und Sehnsucht der geflüchteten Menschen aus dem Iran, ihre Suche nach Heimat und Menschlichkeit. Die „Lücken“, die Leerstellen, das Ungesagte fordern uns auf, nachzudenken. Shida Bazyar ist zu diesem fiktiven Roman inspiriert worden durch die Recherchen in dem „Gaumusterdorf“ Hermeskeil, ihrem Geburtsort. Es ist ein großartiges Buch. KiWi 2026

  • Bewertung

    aus Graz

    5/5

    07.10.2026

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    Hochverdienter Buchpreis

    Sprachlich sehr interessant geschrieben. Der Roman nimmt sich Zeit und spielt nicht mit einem. Der Text öffnet einen Zeitgeschichte, ein exemplarisches Dorf, mit Menschen und Einzelschicksalen / Leben, die einem zu einem großen Ganzes führen. Das Ergebnis kennen wir. Auch die Botschaft des Romans ist im Grunde mit dem Cover schon klar gemacht. Die Kunst der Literatur liegt vor allem im Schaffen von Bildern und dem Benutzen von Sprache, die bei der Leserin im Herzen und der Seele hängen bleiben. Geschafft. Klare Empfehlung.

  • Bewertung

    5/5

    28.09.2026

    eBook (ePUB 3)

    Hervorragende Gesellschaftsanalyse

    Was wir uns nicht eingestehen wollen und was wir vielleicht nicht verstehen und nicht richtig reflektieren... Das Buch ist ein Hammer und ein Aufmerksamkeits-Spot zugleich. Ich wünsche ihm den Deutschen Buchpreis.

  • Hanna (text.reisen)

    5/5

    27.09.2026

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    Ein Ort, der Zeuge ist - zwischen Gaumusterdorf und Kleinstadidyll

    Ich habe dieses Jahr schon über 50 Bücher gelesen, wenn ich eines empfehlen könnte, wäre es wohl dieses - ein unglaublich starkes und wichtiges Buch, das jede:r lesen sollte! Im Mittelpunkt des Romans steht der fiktive Ort Heimesbach im Hunsrück und seine Bewohner:innen. Was Shida Bazyar dabei besonders gut gelungen ist, ist es den Ort zu mehr als einem Schauplatz zu machen. Der Ort ist lebendig; er beobachtet, wird Zeuge von Ungerechtigkeiten, Gewalt, aber auch Neuanfängen und Zusammenhalt ... Der Ort wird vom Gaumusterdorf unter Hitler zu einer verschlafenen Kleinstadt, in der die wenigen Migrant:innen durchaus willkommen geheißen werden, ohne aber je wirklich dazu zu gehören. Was ist damals passiert? Welche Rolle spielten die Einwohner:innen? Was liegt dazwischen? Wie geht man mit der eigenen Geschichte um und inwiefern prägt die Vergangenheit die Gegenwart? All dem versucht die Autorin auf sehr einfühlsame Art und Weise mit einem breiten Figurenrepertoire nachzuspüren. Es geht um Schuld, Verantwortung und Vergessen. Der Einstieg in die Geschichte kann durchaus herausfordernd sein - es gibt zahlreiche Zeitsprünge und die Beziehungen zwischen den verschiedenen Personen, offenbaren sich erst nach und nach. Ich empfehle daher, das Buch ohne allzu lange Pausen zu lesen, um im Lesefluss zu bleiben und den Überblick zu behalten. Ich selbst konnte es ohnehin kaum aus der Hand legen - das lag aber nicht zuletzt, an Shida Bazyars wundervollem Schreibstil. Sie ist eine unglaubliche versierte Beobachterin und schafft es, das Alltägliche nicht nur in wunderschöne Sprache, sondern auch aussagekräftig Bilder zu verpacken, die sich in einen größeren gesellschaftlichen und politischen Kontext fügen. Dabei steht zwischen den Zeilen mindestens genauso viel wie im eigentlichen Text. In Anbetracht der aktuellen Wahlergebnisse in Deutschland hätte ich mir am Schluss ein etwas eindeutigeres „Nie wieder!“ gewunschen, aber davon abgesehen, dass der Roman ja bereits davor geschrieben wurde, hätte es bei genauerer Überlegung tatsächlich auch nicht dem Stil des Buches entsprochen ... Denn ich denke nicht, dass die Geschichte einen aktivistischen Anspruch erhebt, viel mehr ist sie ein Spiegel für uns; eine Erinnerung daran, dass auch Zuschauen und Schweigen Mittäterschaft sein kann und dass es an uns liegt, offen für verschiedene Erfahrungen und Lebensrealitäten zu sein, die unsere Gesellschaft in ihrer Vielfalt ausmachen.

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Bewertungen (15)

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  • Zum Bewerterprofil von Nadia Fava

    Nadia Fava

    Orell Füssli Bahnhof St. Gallen

    Buchhändler*in

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    5/5

    05.09.2026

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    4.5 Sterne

    Der Klappentext vermittelt nur wenig über das Buch, welches gefüllt ist mit Geschichten und Schicksalen. Shida Bazyar hat einen sehr schönen und zu den Geschichten passenden Schreibstil. Die verschiedenen Perspektiven lassen einen eintauchen in die Geschichte eines kleinen Ortes und dessen Bewohner*innen über die letzten 90 Jahre. Manche Menschen mochte ich lieber und es gab Schicksale, welche mich mehr als andere berührt haben, dennoch habe ich alle gerne gelesen. Es ist kein Buch, welches man einfach so liest, es bewegt und macht an manchen Punkten sprachlos. Ich kann es trotz der Schwere, die es manchmal innehat, sehr empfehlen.

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