«Mir wurde klar, dass ich das Gleichgewicht des Tages zerstört hatte, die aussergewöhnliche Stille eines Strandes, an dem ich glücklich gewesen war. Da habe ich noch viermal auf einen leblosen Körper geschossen, in den die Kugeln eindrangen, ohne dass man es ihm ansah. Und es war wie vier kurze Schläge, mit denen ich an das Tor des Unglücks hämmerte.» Die Geschichte eines jungen Franzosen in Algerien, den ein lächerlicher Zufall zum Mörder macht, wurde 1942 im besetzten Frankreich zu einer literarischen Sensation. Der Roman bedeutete den schriftstellerischen Durchbruch für Albert Camus und gilt heute als einer der Haupttexte des Existenzialismus.
Kundinnen und Kunden meinen
4.5/5.0
Peter
aus Niedersachsen
5/5
22.01.2026
eBook (ePUB 3)
Eindringlicher Roman, eine Bereicherung für mein Portfolio.
Man sollte sich nicht davon abschrecken lassen, dass "Der Fremde" als eines der Hauptwerke der Philosophie des Existentialismus und Absurdismus beschrieben wird.
Die Ich-Perspektive des Franzosen Meursault, die sehr kurzen Sätze und die ebenfalls kurzen Kapitel erlauben es, den Roman flüssig zu lesen. Die kurzen Sätze drücken aber auch den Charakter von Meursault aus: sein Leben ist ohne Empathie, aber nicht freudlos. Er ist zufrieden mit seinem Dasein, hat Freunde und Freundinnen, aber dennoch lebt er den Alltag in großer Gleichgültigkeit. Sein Handeln folgt keinem fernen Ziel, sondern entsteht aus der Situation. So kommt es auch, dass er fast schon durch ein unglückliches Schicksal einen Menschen erschießt, wofür er vor Gericht gestellt und ins Gefängnis gebracht wird. Das Gefängnis lässt ihm viel Zeit, über das Leben nachzudenken, aber so etwas wie Reue für seine Tat kommt bei ihm nicht auf. Es ist passiert, es ist nicht zu ändern, und sein Los - die Todesstrafe - ist nicht mehr als die logische Konsequenz.
Ich habe den Stil als sehr eindringlich empfunden, aber weder tragisch noch dramatisch. Ja, vielleicht etwas fasziniert von der schlichten Lebensweise und den schlichten Gedanken des Protagonisten und auf jeden Fall als eine Bereicherung.
Bewertung
aus München
5/5
20.01.2017
eBook (ePUB 3)
Mit Genuss wiedergelesen
Erstaunlich wie aktuell Camus immer noch ist. Allein bei der Sprache hat man das Gefühl, dass junge Autoren sich noch immer an dem großen Franzosen orientieren. Klare, kurze Sätze ohne viel Brimborium. Und man spürt den philosophischen Blick des Autors auf die Welt, die er als etwas Absurdes empfand. Habe mir direkt auch die Biographie von Irsis Radisch gekauft. Bin schon sehr gespannt.
Bories vom Berg
aus München
5/5
20.06.2026
Buch (Taschenbuch)
Ein Jahrhundert-Roman
Mit dem Roman «Der Fremde» hat Albert Camus nach Ansicht von Jean Paul Sartre das wichtigste Werk des Existentialismus geschrieben. Anders als bei Sartre aber steht für Camus das Absurde im Zentrum, wie es aus der Gegenüberstellung der menschlichen Sinnsuche und der absoluten Sinnlosigkeit der Existenz entsteht. «L’Etranger», wie der vorliegende, 1942 erschienene kurze Roman im Original heißt, entstand parallel zu Camus philosophischer Abhandlung «Der Mythos des Sisyphos», hier aber wird der Absurdismus erstmals beispielhaft in literarischer Form vorgestellt. Nicht nur in Frankreich gilt dieser gefeierte Roman des späteren Nobelpreisträgers als erfolgreichster den 20. Jahrhunderts.
Die in einer Stadt am Meer in Algerien der 1930er Jahre angesiedelte Geschichte eines Mannes namens Meursault beginnt im ersten Teil damit, dass der introvertierte junge Mann vom Tod seiner im Pflegeheim lebenden Mutter erfährt. «Heute ist Mama gestorben», lautet der erste Satz. «Oder war es gestern, ich weiß es nicht». Aus der Ich-Perspektive wird berichtet, dass er bei der Beerdigung der Mutter keinerlei Reaktionen gezeigt hat. Am nächsten Tag hat er zufällig Marie, eine ehemalige Arbeitskollegin, getroffen, die er lange nicht gesehen hat. Spontan ist er mit ihr zum Schwimmen ans Meer gegangen und hinterher ins Kino, sie wollte unbedingt einen Film mit Fernandel sehen. Im Kino hat er sie dann erstmals geküsst und ihre Brüste gestreichelt, «Nach dem Kino ist sie mit zu mir gekommen». Bezeichnend für den Nihilismus dieses Mannes ist seine Reaktion, als Marie ihm später einen Heiratsantrag macht. Er erwidert, das könne man machen, auf ihre Frage aber, ob er sie denn liebe, sagt er nein, aber das bedeute ja nichts. Der Protagonist wird als antriebsloser Gewohnheits-Mensch geschildert, der völlig zufrieden ist, wenn sein Alltag routinemäßig verläuft, der in den Tag hinein lebt und wirklich alles ungerührt hinnimmt, nicht nur den Tod der Mutter. Als er seinem Nachbarn Raymond hilft, der seine untreue Freundin bestrafen will, gerät er mit ins Visier von deren Brüdern, die sich an Raymond rächen wollen. Am Stand kommt es zu einer Schlägerei, bei der Raymond mit dem Messer verletzt wird. Als Meursault später einen der Brüder am Meer im Sand liegend trifft und der sein Messer zieht, schießt er auf ihn und feuert nach kurzer Pause vier weitere Schüsse auf ihn ab.
Im zweiten Teil des Romans wird der Prozess geschildert, in dem der Angeklagte sich nicht verteidigt und seinen Pflichtverteidiger durch sein absolut gleichgültiges Verhalten zu Verzweiflung bringt. Bei Meursault ist seine Indolenz nämlich nichts anderes als sei originärer Charakter. Der Roman schildert einen interessanten Verfahrensverlauf, der die unbeirrbare, existentialistische Lebens-Philosophie des Angeklagten offen legt, die hier schon beinahe als Unzurechnungsfähigkeit gedeutet werden könnte. Ganz am Ende der Geschichte zeigt er sich dann aber doch empfänglich für «die zärtliche Gleichgültigkeit der Welt».
Stilistisch ist dieses Buch durch eine einfache, knappe Diktion gekennzeichnet, die mit kurzen Sätzen und in einfachen Worten stimmig die Absurdität dieser Geschichte unterstreicht. Lakonisch wird damit auch ein Gefühl der Unmittelbarkeit des Geschehens und sogar die Illusion einer Präsenz des Lesers erzeugt. Oft werden im Roman die Hitze und der Sonnenschein thematisiert als Symbole der absoluten Indifferenz der realen Welt dem menschlichen Schicksal gegenüber, - genau so, wie sie sein apathischer Protagonist ja empfindet. Camus wirft in diesem Roman wichtige philosophische Fragen auf, zu denen vor allem der Sinn des Lebens und der Tod als Schicksal gehören, aber auch die Rolle sozialer Normen oder fehlender Emotionen. Er fragt auch nach dem so genannten ‹freien Willen› und erläutert, dass Meursault für die Gesellschaft «Der Fremde» ist, weil er sich beharrlich weigert, sich zu verstellen oder gar zu lügen. Ohne Zweifel ist dieses bereichernde Werk ein Jahrhundert-Roman, wie es kaum einen zweiten gibt, wobei diese komplexe Erzählung bis zum Schluss auch noch spannend bleibt!
Klaus Effing
aus Köln
5/5
01.02.2026
Buch (Taschenbuch)
Ein Buch mit Tiefgang
„Der Fremde“ ist kein Buch, das man einfach „wegliest“. Es ist eines, das man mit sich herumträgt. Aktuell läuft die neue Verfilmung aus dem Jahr 2025 in einigen Kinos.
Meursault, der Protagonist der um die dreißig Jahre alt ist, wirkt auf den ersten Blick erschreckend gleichgültig: Er weint nicht bei der Beerdigung seiner Mutter, liebt ohne Leidenschaft, und begeht schließlich einen Mord, der eher aus Zufall als aus Absicht entsteht. Doch gerade diese scheinbare Gefühllosigkeit macht ihn so faszinierend — und verstörend.
Camus zeigt hier keinen Bösewicht, sondern einen Menschen, der außerhalb gesellschaftlicher Erwartungen lebt. Meursault fühlt durchaus, aber nicht so, wie wir es für „richtig“ halten. Vor Gericht wird er deshalb weniger für den Mord verurteilt als für seine Abweichung von den Normen: für seine fehlende Trauer, seine Direktheit, seine Weigerung, eine Rolle zu spielen.
Besonders beeindruckt hat mich die schlichte, klare Sprache des Romans. Sie zwingt einen, genau hinzusehen — auf das, was gesagt wird, und vor allem auf das, was unausgesprochen bleibt. Der Roman ist in zwei Teile gegliedert: das Leben vor dem Mord und das Leben danach. In beiden zeigt sich dieselbe bittere Wahrheit: Der Mensch ist der Welt fremd, und die Welt ihm.
Was mich am meisten erschüttert hat: Meursault ist kein Monster. Er ist ein ganz normaler Mensch — und genau darin liegt die beunruhigende Kraft dieses Klassikers.
Auch wenn „Der Fremde“ von 1942 stammt, fühlt er sich erstaunlich modern an. Fragen nach Moral, Freiheit, Schuld und Sinn sind heute genauso aktuell wie damals. Gerade für Leser:innen, die sonst vor allem zeitgenössische Literatur lesen, lohnt sich dieser Ausflug in die Klassik.
Fazit: Kein Wohlfühlbuch — aber ein kluges, kompromissloses und nachhaltig nachhallendes Werk, das man mehr als einmal lesen kann. Die gut 150 Seiten sind echte Literatur!
Bewertung
5/5
30.01.2026
Buch (Taschenbuch)
Die Sünde der Gleichgültigkeit
Der Fremde, eines der grundlegenden Werke der absurden Literatur, thematisiert anhand einer von der Gesellschaft entfremdeten Außenseiterfigur und eines von ihr begangenen unerklärlichen Mordes Fragen nach Schuld und Moral, nach der Unzugänglichkeit individueller Sinnwelten sowie nach der Abweichung von gesellschaftlichen Konventionen und deren Konsequenzen.
Ein zeitloser Klassiker, der den in die Gesellschaft geworfenen Menschen mit Fragen nach der eigenen Existenz konfrontiert und zum Nachdenken anregt.
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5/5
24.08.2023
eBook (ePUB 3)
Manchen Menschen scheint alles egal zu sein
Meursault führt ein stinklangweiliges Leben. Er arbeitet in einem Büro, geht nach der Arbeit nachhause und pflegt kaum soziale Kontakte. Er ist eher still, wenn es nichts zu sagen gibt, dann schweigt er. Eine unscheinbare Existenz, doch Meursault scheint nicht traurig darüber zu sein. Er ist auch nicht traurig, als plötzlich seine Mutter stirbt, und auch nicht, als er im Affekt einen anderen Menschen tötet. Es scheint ihm egal zu sein. Meursault wird angeklagt, er muss vors Gericht. Das Urteil scheint allerdings mehr auf der Persönlichkeit Meursaults zu basieren, als auf der Tat an sich. Es fällt das Urteil Todesstrafe. Es scheint ihm egal zu sein. Camus bildet mit seinen kurzen, prägnanten Sätzen ein wunderbares Bild, welches die Geschichte kunstvoll in ihrer Gleichgültigkeit unterstützt. Man muss dieses Buch einfach gelesen haben!
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5/5
05.03.2023
Buch (Taschenbuch)
Diesen Roman soll keiner missen
Albert Camus schriftstellerischer Durchbruch habe ich mit viel Freude gelesen. Dieses gewichtige, obgleich schmale Werk regt zum Nachdenken an und liest sich sehr angenehm. Natürlich erinnert es an Sartre und seine Texte über den Existenzialismus, was das Lesevergnügen noch verstärkt.
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3/5
25.04.2025
eBook (ePUB 3)
Mutter gestorben. Beisetzung morgen. Hochachtungsvoll.
Es fällt mir schwer diese Rezension zu schreiben. Einerseits hat es mich nicht wirklich überzeugt, wenn mich jemand fragen würde, was nehmen Sie mit - wüsste ich nicht viel darauf zu antworten.
Das der Tod dass einzige ist, worauf man sich verlassen kann? Alles andere ist planbar und wieder verwerflich.
Andererseits gefiel mir doch ein kleiner Funke an Camus` Schreibweise. Diese erinnerte mich an von Schirachs Werke.
Nun ja, vielleicht lese ich ja noch mehr von Camus.