Hürlimann ist ein meisterhafter Geschichtenerzähler. Auch dieses Mal webt er eine spannende Geschichte aus einer Klosterschule in den Bergen, in welchem ein Diamant der Habsburger, einige Schüler, Brüder und Patres, einer etwas originellen Familie und viel Geschichte des Christentums, seiner Traditionen und Rituale eine bedeutende Rolle spielen. Die Geschichte ist gut konstruiert, die Akteure haben ein überzeugendes Profil; in der Geschichte steckt auch viel Humor. Insgesamt ein spannender und sonniger Roman. Der Sprachstiel ist sehr gut; die historischen Kenntnisse des Autors sind gewaltig und gut integriert. Manchmal wird aber die Geschichte leicht überzogen; die Profile wachsen ins leicht Übertriebene, so dass der Leser an der Glaubwürdigkeit des Plots arbeiten muss.
Bewertung
4/5
16.09.2022
eBook (ePUB 3)
Spannend und anregend
Als Leser fühlt man sich in die eigene Kindheit zurückversetzt. Nicht etwa, weil diese einen ähnlichen Verlauf gehabt hätte, sondern weil die Umgebung treffend geschildert wird. Die Kombination aus biografischen und geschichtlichen Elementen, gespickt mit etwas detektivischen Elementen macht das Ganze zum Genuss. Man verzeiht dem Buch ohne weiteres, dass sich die Spannungsbögen manchmal etwas verlieren. Schilderungen über die Beziehungen zum andern Geschlecht empfand ich als etwas holprig und ungelenk. Die Kunst würde wahrscheinlich darin bestehen, keine expliziten Schilderungen zu verfassen, sondern diese Erfahrungen der Protagonisten in liebevollen und verständlichen Erzählbögen darzustellen. Alles in allem, eine interessante Lektüre.
Bewertung
5/5
24.08.2022
Buch (Gebundene Ausgabe)
Köstliche Internatsgeschichte...
Köstliche Internatsgeschichte rund um den Zögling Arthur, seine Kumpanen und den sagenumwobenen Diamanten - sprachlich wie inhaltlich ein absolutes Lesevergnügen!
Bewertung
aus Thürnen
5/5
16.08.2022
Buch (Gebundene Ausgabe)
Fantastisch!
Ich konnte das Buch fast nicht mehr zur Seite legen! Die Story bewegt sich zwischen Zeitzeugen-Bericht, historischem Roman und Krimi und lässt einen nicht mehr los, bis man die ganze Geschichte aufgesogen hat.
Bewertung
Book Circle Community
4/5
15.06.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Eine Bubenbande im Kloster
Der Erzähler Arthur ist vermutlich schon Pensionär, und er berichtet von seiner Vergangenheit. Seine skurrile Mutter Mimi, die ihn ins Klosterinternat fuhr, war die Erste, die enthüllte, dass es einen sagenumwobenen roten Diamanten gäbe, der hinter den Klostermauern verschollen sei.
Ein Trupp Klosterzöglinge, die eine Überlebensbande gründeten, schworen sich, den verborgenen Schatz zu finden. Dies, während die Jahre dahinzogen: die immer gleichen Tagesabläufe hinter lebensfeindlichen Klostermauern unter Aufsicht verschrobener Klosterbrüder. Die Klosterschüler nahmen die Suche bitterernst, studierten Bücher und versuchten, dabei unauffällig zu bleiben.
Der Autor, selbst ehemaliger Klosterschüler, malt ein detailliertes, lebendiges Bild dieses verstörenden Klosterlebens. Die Zöglinge wurden zu Hohlgefäßen (Vasen) erzogen, ohne Individualität, in die alles Mögliche an klerikalem Nonsens reingeschüttet wurde, den sie nebst anderen Gewohnheiten kaum mehr loswerden würden.
Der Geheimbund der Diamanten-Sucher musste tief in die Vergangenheit eintauchen, um die Reise des Diamanten bis zum Kloster aufzudecken. Detailliert wird diese Aufklärungsarbeit dargelegt. Das kommt hie und da etwas langatmig daher. Doch nur die Gesamtheit aller Informationen und das Leben selbst würde zur Lösung beitragen – und nur ein katholischer Klosterschüler würde die Antwort finden können – ein Rätsel wie ein religiöses oder metaphysisches Puzzle, deren Teile in Vergangenheit und Gegenwart, katholischen Ritualen und philosophischem Gedankengut eingepasst wurden. Erschwert wurde die Expedition durch die Demenz einiger Geheimnisträger, in derer sich Teile der Schatzkarte aufgelöst hatten. Da mussten sie mutig, etwas verrückt und findig sein, während sie in die Katakomben des von Ratten verseuchten Klosters hinabstiegen… Die Reise, auf die wir Arthur begleiten, dauert lang und führt uns im letzten Teil bis in den Vatikan.
Die Sprache ist zwischendurch etwas pathetisch, was sehr gut zur Geschichte, zu den religiösen Bezügen und der Bubenbande passt. Lesenswert!
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5/5
03.11.2024
Buch (Taschenbuch)
Schelmische Schatzsuche
Thomas Hürlimann, einst selbst Internatsschüler, nimmt uns an der Seite seines Ich-Erzählers Arthur Goldau mit in die 60er und ins Klosterstift Maria Schnee und auf die abenteuerliche, mystische Jagd nach dem sagenumwobenen Roten Diamanten.
Lustvoll taucht Hürlimann ein in jene längst vergangene Zeit des Umbruchs und in die Gedankenwelt seines jugendlichen Protagonisten. Historische und fiktive Figuren, allesamt überspitzt dargestellt, bevölkern den Roman. Gerade die historische Einbettung mit dem Untergang der Donaumonarchie und dem Schicksal der letzten Kaiserin, Zita, fand ich ungemein faszinierend.
Für mich war es das erste Buch, das ich von Thomas Hürlimann gelesen habe. Ich fühlte mich dabei oft an Erich Kästner erinnert und hatte den Eindruck, der Aufführung eines Theaterstücks beizuwohnen. So lebendig und unterhaltsam, teils ins Absurde gleitend ist der Stil. Auch sprachlich hatte ich meine Freude an den treffenden Spitznamen, den detaillierten Beschreibungen, der Rhythmik und den strukturgebenden Wiederholungen (es gibt allerdings auch Wiederholungen, bei denen ich den Eindruck hatte, mir wird nicht zugetraut, mich an vorherige Schilderungen zu erinnern; auf die hätte ich verzichten mögen ;-)).
Nun ist die letzte Seite leider gelesen (das Ende hielt noch eine überraschende Wendung bereit) und ich muss mir neue Lektüre suchen. Aber ich freue mich schon darauf, das Buch weiterempfehlen und verschenken zu können.