'Eine Autorin mit einem traumsicheren Sprachgefühl'Denis Scheck Iris Wolff erzählt die bewegte Geschichte einer Familie aus dem Banat, deren Bande so eng geknüpft sind, dass sie selbst über Grenzen hinweg nicht zerreissen. Ein Roman über Menschen aus vier Generationen, der auf berückend poetische Weise Verlust und Neuanfang miteinander in Beziehung setzt. Hätten Florentine und Hannes den beiden jungen Reisenden auch dann ihre Tür geöffnet, wenn sie geahnt hätten, welche Rolle der Besuch aus der DDR im Leben der Banater Familie noch spielen wird? Hätte Samuel seinem besten Freund Oz auch dann rückhaltlos beigestanden, wenn er das Ausmass seiner Entscheidung überblickt hätte? In 'Die Unschärfe der Welt' verbinden sich die Lebenswege von sieben Personen, sieben Wahlverwandten, die sich trotz Schicksalsschlägen und räumlichen Distanzen unaufhörlich aufeinander zubewegen. So entsteht vor dem Hintergrund des zusammenbrechenden Ostblocks und der wechselvollen Geschichte des 20. Jahrhunderts ein grosser Roman über Freundschaft und das, was wir bereit sind, für das Glück eines anderen aufzugeben. Kunstvoll und höchst präzise lotet Iris Wolff die Möglichkeiten und Grenzen von Sprache und Erinnerung aus - und von jenen Bildern, die sich andere von uns machen. 'So schön hat noch niemand Geschichte zum Schweben gebracht.' Stefan Kister, Stuttgarter Zeitung 'Iris Wolff erzählt aus einer tiefen Ruhe heraus. Sie weitet dadurch die Zeit. Für ein Jahrhundert und etliche Menschenleben braucht sie nicht einmal zweihundert Seiten. Und nichts fehlt.' Carsten Hueck, SWR2
Kundinnen und Kunden meinen
4.5/5.0
Bewertung
aus Bergisch Gladbach
5/5
28.04.2024
eBook (ePUB 3)
Wunderschöne Literatur
Die in Rumänien geborene Schriftstellerin Iris Wolff ist meines Erachtens eine der sprach begabtesten Prosaerzählerin der zeitgenössischen deutschen Literatur. Nach dem Roman Halber Stein habe ich nun dieses Werk gelesen und bin von beiden Romanen begeistert. Doch was macht den Reiz dieser Geschichten aus? Gewiss nicht Spannung und Dramatik, es passiert eigentlich nicht viel und der Erzählfluss ist sehr langsam und ruhig. Aber gerade die Sprache! Frau Wolffs Sätze sind von gestochen scharfer Brillanz, sind von seidiger Leichtigkeit und poetischer Schönheit. Vor allem aber kann die Autorin im Gegensatz zu vielen ihrer Kollegen*innen wirklich perspektivisch erzählen. Die Geschichten spielen im Umfeld der deutschen Minderheit im Banat und Siebenbürgen. In Die Unschärfe der Welt wird eine Familiengeschichte aus wechselnder Perspektive erzählt, die sich von der kommunistischen Zeit bis heute erstreckt. Dafür braucht sie kein dickes Buch zu schreiben, das ganze ist auf das Wesentliche kulminiert. Ein großer Lesegenuss, der heutzutage seinesgleichen sucht.
Bewertung
aus Belp
5/5
27.02.2021
eBook (ePUB 3)
Enormes Sprachgefühl
eine verdichtete, spannende und zusätzlich eine Zeitgeschichte... sehr empfehlenswerte Lektüre.
Ein Familienalbum voller Poesie In ihrem Roman „Die Unschärfe der Welt“ überführt uns Iris Wolff nach verschneites Banat Ende sechziger Jahre, wo der Protagonist Samuel in einer Pfarrerfamilie zur Welt kommt. Samuel wächst sehr gut behütet auf. Das Pfarrhaus mit großem Garten und Obstbäumen, in dem er viel Zeit vor allem mit seiner Mutter verbringt, gleicht einer Idylle, die von der übrigen von Ceausescu regierten Rumänien abgeschnitten ist. Der Roman ist, genauso wie ein Familienalbum voller diversen Fotos, eine Sammlung von sprachlichen Bildern aus dem Leben der Familie über vier Generationen hinweg. Bildern, die dem Betrachter, die Geschichte dieser Familie erzählen. In kurzen Kapiteln vertrauen uns die einzelnen Familienmitglieder ihre Erinnerungen und Episoden aus ihrem Leben an, erzählen ihre persönlichen Geschichten. So lernen wir nicht nur den schweigsamen Träumer Samuel, der als Kind lange nicht sprechen will, später aber die Kraft und die Wirkung der Worte sehr zu schätzen wusste, aus der Perspektive des jeweiligen Erzählers kennen. Auch die anderen Familienmitglieder, sowie ihre Freunde und die Umgebung, werden uns auf diese Weise nähergebracht. Die unterschiedliche Erzählweise und die Zeitsprünge zwischen den einzelnen Erzählungen bewirken jedoch, dass die Protagonisten unnahbar bleiben, ihre Schicksale berühren nur selten. Vieles bliebt in dieser Geschichte verschwommen, unscharf. Der Roman besticht jedoch durch seine wunderschöne dichterische Sprache und poetische Bilder der rumänischen Landschaft. Auch die emotionale Kritik der Diktatur von Ceausescu beeindruckt und beweist, dass diese Geschichte der Autorin sehr am Herzen liegt. Iris Wolff ist geboren und aufgewachsen im Banat und in Siebenbürgen. Der Roman steht auf der Longlist für den Deutschen Buchpreis 2020. Ich würde ihn allen Lesern empfehlen, für die ein Buch viel mehr als „nur Unterhaltung“ bedeutet.
Barbara T.
aus Hagen
4/5
12.10.2020
eBook (ePUB 3)
Ein Familienalbum voller Poesie
In ihrem Roman „Die Unschärfe der Welt“ überführt uns Iris Wolff nach verschneites Banat Ende sechziger Jahre, wo der Protagonist Samuel in einer Pfarrerfamilie zur Welt kommt. Samuel wächst sehr gut behütet auf. Das Pfarrhaus mit großem Garten und Obstbäumen, in dem er viel Zeit vor allem mit seiner Mutter verbringt, gleicht einer Idylle, die von der übrigen von Ceausescu regierten Rumänien abgeschnitten ist.
Der Roman ist, genauso wie ein Familienalbum voller diversen Fotos, eine Sammlung von sprachlichen Bildern aus dem Leben der Familie über vier Generationen hinweg. Bildern, die dem Betrachter, die Geschichte dieser Familie erzählen.
In kurzen Kapiteln vertrauen uns die einzelnen Familienmitglieder ihre Erinnerungen und Episoden aus ihrem Leben an, erzählen ihre persönlichen Geschichten. So lernen wir nicht nur den schweigsamen Träumer Samuel, der als Kind lange nicht sprechen will, später aber die Kraft und die Wirkung der Worte sehr zu schätzen wusste, aus der Perspektive des jeweiligen Erzählers kennen. Auch die anderen Familienmitglieder, sowie ihre Freunde und die Umgebung, werden uns auf diese Weise nähergebracht. Die unterschiedliche Erzählweise und die Zeitsprünge zwischen den einzelnen Erzählungen bewirken jedoch, dass die Protagonisten unnahbar bleiben, ihre Schicksale berühren nur selten. Vieles bliebt in dieser Geschichte verschwommen, unscharf.
Der Roman besticht jedoch durch seine wunderschöne dichterische Sprache und poetische Bilder der rumänischen Landschaft. Auch die emotionale Kritik der Diktatur von Ceausescu beeindruckt und beweist, dass diese Geschichte der Autorin sehr am Herzen liegt. Iris Wolff ist geboren und aufgewachsen im Banat und in Siebenbürgen.
Der Roman steht auf der Longlist für den Deutschen Buchpreis 2020. Ich würde ihn allen Lesern empfehlen, für die ein Buch viel mehr als „nur Unterhaltung“ bedeutet.
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5/5
18.07.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Fantastisch!
Völlig aus der Zeit gefallen erschien mir Iris Wolffs sprachlich so wunderschöne Familienerzählung. Jeder Teil dieses sorgfältig komponierten Buches wird von einem allwissenden Erzähler aus der Perspektive einer anderen Figur erzählt, wobei wir uns zeitlich immer mehr unserer Gegenwart annähern. Zentrum ist dabei in gewisser Hinsicht Samuel, den wir von seiner Geburt bis ins Erwachsenenalter begleiten. Thematisch kreisen wir unter anderem um den Zauber, der den vielfältigen Seiten der Liebe innewohnt – selbst wenn sie zerbricht. Iris Wolff nimmt uns mit nach Rumänien, in die Nähe von Arad und schildert vor dem Hintergrund der langsam zusammenbrechenden Sowjetunion von Leben und Schicksal in all seinen Facetten. Berührend, beeindruckend und zeitlos grandios.