31. Dezember. Steuererklärung, Wohnung putzen, Bett für die Tochter zusammenschrauben, Lebenswerk schreiben, mit dem Rauchen aufhören - eigentlich wollte Lars, neunundvierzigjähriger Vieldenker und angehender Schriftsteller, die Lücke zwischen den Jahren dafür nutzen, endlich alles zu erledigen, was in den letzten Dekaden so auf der Strecke geblieben ist. Doch die Woche, in der noch alles zu schaffen gewesen wäre - plötzlich ist sie aufgebraucht. Der letzte Tag des Jahres hat begonnen - mit Nieselregen, wie sonst? Das Haus ist immer noch chaotisch. Das Leben sowieso. Und als Lars den ersten Punkt seiner To-do-Liste ansteuert, fühlt es sich an, als müsse er nicht nur sich selbst, sondern eine ganze Welt neu erfinden.
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Es war einmal Niesel...
B.S. am 21.09.2023
Bewertungsnummer: 2027296
Bewertet: Hörbuch-Download
Bewegend wie eine Liebesgeschichte, humorvoll wie eine Karikatur, ehrlich wie eine Biografie und lehrreich wie eine Fabel.
Dieses Buch vereint so vieles in sich, dass es mir schleierhaft ist, wie es noch nicht auf den vorderen Plätzen der Bestsellerlisten landen konnte. Aber vermutlich ist das wieder diese Sache der Subjektivität und doch würde ich ganz objektiv behaupten: dieses Buch ist grandios.
Nahezu gänzlich ist es als innerer Monolog verfasst und fast ausschließlich wird man überhäuft mit Gedankenfetzen, Emotionen und melancholischen Ausschweifungen hinein in die tiefsten Abgründe der Vergangenheit.
Man könnte die meisten Sätze als sinnlos, einen Großteil der Gedanken als sinnfrei und eine Mehrheit der Fragen als rhetorisch bezeichnen - mag auch sein, dass diese Ansichten korrekt wären, aber eben auch nur möglicherweise. Denn möglicherweise (und ja, ich wiederhole mich hier bewusst) machen gerade diese aneinandergereihten Sinnlosigkeiten dieses Buch sinnvoll. Möglicherweise machen die Wiederholungen, die Gedankenspiralen, das Auf und Ab und Vor und Zurück des Protagonisten dieses Werk so bewegend und bedeutend. Bedeutend - für ein Individuum auf diesem Planeten, welches möglicherweise gerade in einer ähnlichen Lage ist und aber eben keinen 31. Dezember hat, an dem es wach gerüttelt werden würde und sich von diesem Buch auch nichtzwangsläufig wach rütteln lassen möchte - sondern einfach nur verstanden und akzeptiert werden möchte. Es will gesehen werden. Wer will das nicht? Und dieses Buch gibt einem genau dieses Gefühl. Endlich gesehen zu werden - in all seiner unvollkommenen Nichtigkeit.
Ein neues Lieblingsbuch
Sursulapitschi am 16.09.2023
Bewertungsnummer: 2023534
Bewertet: Hörbuch-Download
Dies ist ein wunderbares Buch, ein Buch zum zweimal oder vielleicht auch dreimal hören und das Buch, das ich allen meinen Freunden schenken möchte. Es ist originell, sehr klug, sehr anrührend, so wahr und dabei noch saukomisch.
Es geht um Lars, der ein begnadeter Schriftsteller wäre, würde er endlich damit anfangen, sein Buch zu schreiben. Lars kann eigentlich nur eins richtig gut kann: Dinge aufschieben.
Am Silvestertag beschließt er, sich zu ändern. Er vermisst seine Frau, die ihn verlassen hat und für sie nimmt er jede Anstrengung auf sich. Akribisch arbeitet er eine Liste mit Aufgaben ab, die er sich selbst gestellt hat. Mit jedem Haken auf dieser Liste möchte er Johanna beweisen, dass es ihm ernst ist, heute noch, scheitern ist keine Option. Heute ist Silvester, der Startpunkt für Veränderungen.
Der Erzählstil ist zum Niederknien:
„…und ehe man es sich versieht, sieht man, wenn man jetzt tatsächlich hinsähe, dann müsste man das ganze Leben aufräumen, also sieht man besser nicht hin. Und die Welt denkt dann vielleicht man sei faul, dabei ist man den ganzen Tag schwer damit beschäftigt, nicht hinzusehen. Und das wissen die Wenigsten, wie anstrengend es ist, nicht hinzusehen, wieviel Kraft es kostet, den Fuß nach jedem Schritt am Hosenbein abzustreifen und trotzdem nicht zu putzen.“
So etwas kennt jeder, aber nicht jeder formuliert es so pointiert. Da gibt ein Wort das andere, man weiß gar nicht, was man zuerst zitieren soll. Natürlich ist das weitschweifig, aber hier sitzt jedes Wort und es ist kein Wort zu viel.
Das Hörbuch liest die Autorin selbst und niemand könnte das besser tun. Man muss sich anfangs daran gewöhnen, dass Lars eine Frauenstimme hat, aber das geht schnell und dann ist es grandios. Man sieht ihm ins Herz, diesem verkopften Nerd, der hier gnadenlos seine eigene Unzulänglichkeit analysiert und verzweifelt versucht, es besser zu machen.
Jetzt muss ich mir wohl noch die Printausgabe kaufen, damit ich dieses Schätzchen ins Regal meiner Lieblingsbücher stellen kann.
Meinung aus der Buchhandlung
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Als Lars mit 49 Jahren auf sein Leben zurückblickt, scheint es so, als ob er all die Dinge, welche er vorhatte, nie wirklich umgesetzt hat. Steuererklärung, mit Rauchen aufhören, Wohnung putzen, Lebenswerk schreiben.... Und all das bitte noch vor dem neuen Jahr. Das einzige Problem, es ist schon der 31. Dezember!
Mit viel Tiefgang und Humor hat Nele Pollatschek Lars und diese Geschichte zum Leben erweckt.
Lars ist mir schnell ans Herz gewachsen und ich musste richtig mit ihm mitfühlen. Auf die beste Art und Weise hält einem diese Geschichte einen Spiegel vors Gesicht.
Sind wir nicht alle ein bisschen ein Lars?
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Lars, 49 Jahre alt, bekommt seit Erwachsenwerden sein Leben nicht in den Griff. Lebenswerk vielfach begonnen, aber nie vollendet, Studium geschmissen, Arbeit zugunsten besagten Lebenswerks an den Nagel gehängt, stattdessen professioneller Prokrastinierer und Fantast geworden, mit dem völlig unterschätzten Talent, alles Unschöne auszublenden. Aber heute, am 31. Dezember soll damit endlich Schluss sein. Seine Johanna gilt es zurückzuerobern und das klappt nur, wenn er ihr beweisen kann, dass er sich geändert hat. Also To-Do-Liste schreiben und: Bett der Tochter aufbauen, aufräumen und putzen, Steuererklärung machen, Lebenswerk vollenden, Regenrinne von Herbstlaub befreien, Vater anrufen, Nudelsalat kochen und Geschenke einpacken. Was kann da noch schiefgehen?
Der liebenswert chaotische Ich-Erzähler schreibt im Präsens von diesem einen Tag und nebenbei in Rückblenden von seinem bisherigen Leben. Dabei wechselt er zwischen wahnwitzig rasantem und depressiv-lethargischem Tempo ab, beschert uns urkomisches Kopfkino und philosophische Momente über den (Un-)Sinn des Lebens. Er hat fast ausschliesslich nur sich selbst als Gesellschaft, führt lediglich in Gedanken Zwiesprache mit Kindern und Johanna. Einzige Ausnahme bildet ein Telefonat mit seinem Vater. Die Spannung baut sich hin zum neuen Jahr mit jeder Seite, jedem Kapitel weiter auf: Wird er schaffen, was er sich vorgenommen hat? Toll auch die Bewusstseinsströme, die in rascher Folge aufeinander aufbauenden Gedanken, mit denen er sich und uns in die Höhe schraubt oder in die Tiefe stürzt.
«Kleine Probleme» ist wieder so ein Buch, das für mich genau im richtigen Moment kam. Schmal, rasant, urkomisch und doch von Bedeutung bin ich Lars Cornelius Messerschmitt durch den 31. Dezember, den Tag aller Tage für neue Vorsätze gefolgt und beschwingt mit ihm ins restliche Leben gestartet.