Joseph und seine Brüder Ein humanistisches Familienepos zwischen Genesisdeutung, altorientalischem Mythos, Traum und verantwortlicher Menschwerdung
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Produktdetails
Format
ePUB
Kopierschutz
Nein
Family Sharing
Ja
Text-to-Speech
Ja
Erscheinungsdatum
01.01.2026
Verlag
E-artnowSeitenzahl
1457 (Printausgabe)
Dateigröße
2054 KB
Sprache
Deutsch
EAN
4099994080156
Der erste Teil, Die Geschichten Jaakobs, richtet den Blick auf die Ursprünge der Familie. Im Mittelpunkt steht Jaakob, ein Mann von List, innerer Zerrissenheit und grosser Lebenskraft, dessen Lebensweg von Täuschung, Schuld und göttlicher Verheissung geprägt ist. Seine Beziehungen zu Frauen, Kindern und Brüdern sind von Rivalität und Zuneigung zugleich bestimmt und bilden den emotionalen und moralischen Resonanzraum, aus dem die Geschichte Josephs hervorgeht. Bereits hier entfaltet Thomas Mann ein dichtes Geflecht aus Erinnerungen, Legenden und Vorausdeutungen, das die familiären Spannungen und seelischen Konflikte spürbar macht.
In Der Junge Joseph tritt Joseph selbst ins Zentrum. Er erscheint als aussergewöhnlich begabter, schöner und selbstbewusster junger Mann, der sich seiner besonderen Stellung bewusst ist. Seine Nähe zum Vater, seine erzählerische Begabung und seine geheimnisvollen Träume heben ihn von seinen Brüdern ab und nähren zugleich deren Neid und Feindseligkeit. Der Alltag der Hirten, familiäre Gespräche und symbolisch aufgeladene Traumdeutungen verdichten sich zu einer Atmosphäre wachsender Spannung, in der Josephs Unschuld und Selbstgewissheit zunehmend auf eine harte Probe gestellt werden.
Der dritte Teil, Joseph in Ägypten, verlagert die Handlung in eine fremde, hochentwickelte Welt. Joseph findet sich in einer neuen Kultur wieder, deren religiöse Rituale, höfische Ordnung und politische Strukturen mit grosser Anschaulichkeit geschildert werden. In der Begegnung mit mächtigen Persönlichkeiten, klugen Verwaltern und ambivalenten Gestalten des ägyptischen Hofes beginnt Josephs langsamer Weg der Bewährung. Seine Fähigkeit zu beobachten, zu lernen und Zusammenhänge zu erkennen, wird ebenso gefordert wie seine innere Standfestigkeit angesichts von Versuchung, Fremdheit und Abhängigkeit.
Joseph der Ernährer schliesslich weitet den Blick auf das Zusammenspiel von persönlichem Schicksal und geschichtlicher Verantwortung. Joseph bewegt sich nun in einem grösseren politischen und wirtschaftlichen Zusammenhang, in dem Traumdeutung, Verwaltung und Vorsorge eine zentrale Rolle spielen. Alte familiäre Verbindungen, unausgesprochene Schuld und lange zurückliegende Entscheidungen werfen ihre Schatten voraus und verleihen der Handlung eine dichte emotionale Spannung. Ohne das Ende vorwegzunehmen, wird deutlich, dass sich Josephs Weg zunehmend als Teil eines grösseren Plans erweist, in dem individuelles Leiden, Klugheit und moralisches Wachstum eng miteinander verwoben sind.
Thomas Mann erzählt diese Geschichte mit reicher Sprache, feinem Humor und philosophischer Reflexion. Joseph und seine Brüder ist zugleich Familienroman, Mythenerzählung und grosses Abenteuer des Geistes - ein Werk, das die biblische Vorlage nicht nur neu belebt, sondern ihr eine zeitlose, faszinierende Tiefe verleiht.
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