Zwanzig Jahre sind vergangen: Als sich Stefan und Theresa zufällig in Hamburg über den Weg laufen, endet ihr erstes Wiedersehen in einem Desaster. Zu Studienzeiten waren sie wie eine Familie füreinander, heute sind kaum noch Gemeinsamkeiten übrig.
Stefan hat Karriere bei Deutschlands grösster Wochenzeitung DER BOTE gemacht, Theresa den Bauernhof ihres Vaters in Brandenburg übernommen. Aus den unterschiedlichen Lebensentwürfen sind gegensätzliche Haltungen geworden. Stefan versucht bei seiner Zeitung, durch engagierte journalistische Projekte den Klimawandel zu bekämpfen. Theresa steht mit ihrem Bio-Milchhof vor Herausforderungen, die sie an den Rand ihrer Kraft bringen.
Die beiden beschliessen, noch einmal von vorne anzufangen, sich per E-Mail und WhatsApp gegenseitig aus ihren Welten zu erzählen. Doch während sie einander näherkommen, geraten sie immer wieder in einen hitzigen Schlagabtausch um polarisierende Fragen wie Klimapolitik, Gendersprache und Rassismusvorwürfe. Ist heute wirklich jeder und jede gezwungen, eine Seite zu wählen? Oder gibt es noch Gemeinsamkeiten zwischen den Welten? Und können Freundschaft und Liebe die Kluft überbrücken?
Kundinnen und Kunden meinen
4.0/5.0
Bewertung
5/5
28.02.2023
eBook (ePUB)
Zwischen Welten
Die Auswirkungen in der Gesellschaft durch die digitalen Möglichkeiten werden beklemmend dargestellt. Man lebt zwischen Hoffnung und Enttäuschung. Kein HappyEnd aber gut nachvollziehbar. Die Tragweite der Äusserungen der Protagonisten geht beklemmend unter die Haut.
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5/5
03.02.2023
eBook (ePUB)
Thema Tessa oder Team Stefan?
Vor zwanzig Jahren lebten die beiden Studenten Theresa und Stefan in einer WG in Münster zusammen und studierten beide Germanistik. Sie waren wie Bruder und Schwester füreinander, bis Theresa in einer „Nacht und Nebel“ Aktion auszog. Sie kehrte zurück nach Brandenburg zu ihrer Familie und führte nach dem Tod ihres Vaters den Landwirtschaftsbetrieb weiter. Von Stefan richtig verabschiedet hatte Theresa sich nie. Erst zwanzig Jahre später treffen sich die beiden in Hamburg bei einer Fahrt in der U-Bahn wieder. Das kurze Treffen der beiden endet allerdings in einem Streit. Zu unterschiedlich die jetzigen Lebensumstände, zu unterschiedlich sind ihre Sichtweisen. Doch die Bio-Milchbäuerin und der Kulturjournalist bleiben dennoch in Kontakt und tauschen sich von nun an per Mail und Nachrichtendiensten sowohl über ihr berufliches und privates Leben als auch über die gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen des Landes aus. Wird ihre alte Freundschaft diese kontroversen Diskussionen aushalten?
Die beiden Autoren Juli Zeh und Simon Urban haben den Roman so konzipiert, dass sich die beiden Hauptprotagonisten ausschließlich über ihre E-Mails bzw. Handynachrichten austauschen. Darin diskutieren die beiden hochaktuelle und brisante gesellschaftspolitische Themen. Es geht um die Genderthematik, die Klimakrise, den Ukrainekrieg, aber auch darum wie Politiker mit Bürgern umgehen, die in Eigeninitiative Verbesserungsvorschläge für bestehende Missstände vor Ort erarbeiten und darum, weshalb sich Teile der Bevölkerung von der Politik allein gelassen fühlen. Der „Briefaustausch“ der beiden Mittvierziger behandelt aber auch aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen, wie z.B. die Macht der sozialen Medien oder die vorherrschende Debattenkultur, die es möglicherweise gar nicht mehr gibt.
Die beiden Protagonisten stehen an sich für den Titel des Buches. Ihr „Schlagabtausch“ bewegt sich auch im übertragenen Sinn zwischen den Welten. Sie stehen für Großstadt und Landleben, für Ost und West, für Politikverdrossenheit und Aktivismus, für Familie und Singlehaushalt, für Frau und Mann.
Die schriftlichen Debatten von Theresa und Stefan werden temporeich und schonungslos geführt. Sie nehmen dabei kein „Blatt“ vor dem Mund. Das muss nicht nur der jeweils andere von ihnen aushalten können, sondern auch der/ die Leser*innen. Ihre unterschiedlichen Sichtweisen, beleuchten verschiedene Aspekte des jeweiligen Themas. Dies ermöglicht dem/der Leser*in, sich selbst eine Meinung zu der jeweiligen Sachlage zu bilden. Eine Meinung, mit der man in die nächste Diskussion mit seinen/ ihren Mitmenschen starten kann. Denn darum geht es ja, selbst eine Meinung angemessen vertreten, aber auch andere Meinungen anhören und aushalten zu können.
Fazit:
Eine gesellschaftskritische Auseinandersetzung mit brisanten, hochaktuellen Themen mit dem Appell zur freien Meinungsäußerung!
Bewertung
4/5
04.02.2023
eBook (ePUB)
Wenn zwei sich streiten, freut sich... ja, wer eigentlich?
Ich gebe es nur ungern zu, aber ich habe mich ein bisschen vor den Büchern von Juli Zeh gedrückt. Ich bin eher die Art von Person, die mit dem Lesen der wahren Welt entfliehen will und Zehs Bücher waren mir immer zu sehr im Hier und Jetzt. Nun habe ich mich endlich dazu durchgerungen. Auch, weil mich das Format der Kurznachrichten und Mails gereizt hat. Trotz meiner Befürchtung, mir ellenlange Monologe durchlesen zu müssen. Denn in dieses Format Bewegung zu bringen, stellte ich mir schwierig vor. 2/3 des Buches hatte ich mit dieser Annahme so ziemlich recht. Man sieht zwei Leuten beim Streiten zu, die ab und an so tun, als wären sie befreunden. "Zwischen [lange Pause] Welten" ist mehr als korrekt, denn die beiden Hauptfiguren könnten nicht in unterschiedlicheren Leben zu Hause sein. Ich war hin und hergerissen zwischen beiden Seiten, aber letztendlich siegte doch meine Antipathie gegen den ach so woken Stephan, der meiner Meinung nach aber einfach nur ein abgehobener und ich-bezogener A**** ist. Der Hauptgrund? Weil seine Sorge um seine "gute" Freundin scheinbar nie groß genug war, dass er sich gen Brandenburg bewegte, um sich eventuell einmal ein richtiges Bild der Lage vor Ort zu machen und nicht immer nur von seinem hohen Ross mit dem Zeigefinger zu wedeln. Ich war zwischenzeitlich so angewidert von dieser Person, dass die eigentlichen Themen des Buches für mich völlig in den Hintergrund gerückt sind. Was aber nicht bedeutet, dass Theresa mir sympathisch war. Nein, gar nicht. Und bevor ich hier noch weiter ausschweife: Trotzdem lesenswert. Die Welt ist eben kein Ponyhof.
Bewertung
2/5
02.04.2023
eBook (ePUB)
Anstrengend
Das Buch passt in keiner Weise zu den anderen Büchern von Juli Zeh. Völlig absurd konstruierte Geschichte, einfach nur anstrengend zu lesen. War sehr enttäuscht von diesem Buch. Auch die Hoffnung auf ein überraschendes Ende wurde nicht erfüllt.
Bewertung
2/5
08.03.2023
eBook (ePUB)
Konstruiert, angestrengt, anstrengend
Auf den neuen Roman von Juli Zeh hatte ich mich sehr gefreut. „Über Menschen“ war ein genialer und Diskurs öffnender Wurf. Juli Zeh beherrscht meisterhaft die schriftstellerische Maxime „Erzähl es nicht, lass es den Leser, die Leserin erleben.“
In Zwischenwelten hat sie gemeinsam mit Simon Urban auf diese Kunst verzichtet. Die verschraubten Dialoge zwischen Tessa und Stefan lassen mich ratlos zurück. Beide überzogen, aus der jeweiligen Blase extrapoliert, müssen sie sich nach dem Willen ihrer Schöpfer an allen diskursrelevanten Themen abarbeiten, zur Not auch mit dem Tablet auf dem Traktor. Sic! Wohl aus dramaturgischen Gründen müssen auch noch Gefühle aufflammen, um die Fortführung des Schriftwechsels zumindest logisch erscheinen zu lassen.
Schade. Ich habe mich durch die Seiten gequält.
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5/5
29.10.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Richtig gut was hier geschaffen wurde!
Dieses Buch ist kaum auszuhalten.
Zuerst, weil es gesellschaftspolitisch so wahr ist:
Cancelculture, Gutmenschentum, Gesinnungsethik, Moralkeule, Shitstorms, Existenzvernichtung digital und realpolitisch, hyperbürokratisierte Totschlagpolitik, Machtlosigkeit des einzelnen……
Auf der anderen Seite das Persönliche. Ist der Leser wirklich der einzige, der spürt, dass diese Onlineliebe in der Realität ein Rohrkrepierer wäre? Wer von beiden Protagonisten (im Mantel des Guten) egoistischer ist, ist für den Leser eine schwere Entscheidung.
Interessant ist auch, wie das Thema der Verantwortung im Leben der/des
Helden*in/nen m/w/d ausgeblendet und der/die Leser*in m/w/d (oder wie auch immer) mit dieser Frage zwischen den Zeilen zurückgelassen wird.
Liebe “Heldin“ und Umfeld: I c h bin verantwortlich, wenn ich das Geld meines Mannes heimlich verschenke. Ich bin verantwortlich, ob ich mir Zeit für meine Familie nehmen will und ich bin verantwortlich für mein Handeln auf einer Demo. Ich bin verantwortlich, ob ich meinen Hof trotz Pleitegeier weiterführe.
Ich bin verantwortlich, wenn ich ein Darlehen annehme und verzocke und leider auch, wenn ich damit dann nicht mehr leben kann. Ich bin verantwortlich, ob ich eine Scheune anzünde, weil ich (als Trinker) entlassen wurde usw.
Leider können wir uns nicht auf das System herausreden, so defizitär und traurig es darum (und um unsere Politiker) auch oft bestellt sein mag.
Und der “Held“ der Geschichte? Wie könnte man so jemanden nennen? Einen Gesinnungslumpen, einen Wendehals im Gutmenschenmantel, eine Laberbacke oder einfach einen normalen
(“linksliberalen“) Glaskasten-Intellektuellen?
Genial, wie Zeh und Urban all das Menschliche und Unmenschliche miteinander verwursten. Und jeder muss sich ein stückweit an die eigene Nase fassen.
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5/5
10.05.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Tessa und Stefan wecheln diskutieren...
Tessa und Stefan wecheln diskutieren per E-mail oder Whatsapp oder grosse und Themen der Gesellschaft. Schonungslos ehrlicher Bericht über Vorurteile, Schubladendenken, Theorie vs Praxis, Aktivismus vs Journalismus. Anwärter für das Buch des Jahres 2023.
Was für ein Ritt! Juli Zeh und Simon Urban lassen in ihrem modernen Briefroman zwei ehemalige Mitbewohner die wichtigsten und aktuellsten Themen debattieren. Das Ergebnis liest sich provokant, erhellend und appelliert daran, einander wieder richtig zuzuhören und unsere Debattenkultur zu fördern.
Theresa und Stefan haben vor 20 Jahren zusammen in Münster Germanistik studiert. Dann brach sie das Studium und den Kontakt zu Stefan ab, um nach dem Tod ihres Vaters dessen Milchbauernhof in Brandenburg zu übernehmen. Stefan beendete sein Studium und ist heute Journalist bei einer renommierten Zeitung in Hamburg. Zufällig laufen sie sich rund um Neujahr 2022 in Hamburg über den Weg und nehmen ihre Freundschaft per E-Mail- und Messenger-Nachrichten wieder auf.
Zwischen den beiden liegen nicht nur 20 Jahre, sondern buchstäblich Welten. Auf der einen Seite Stefan: kinderlos, Single, in einer schicken Wohnung in Hamburg in einer Wohlstandsblase lebend und im Beruf für die gute Sache schreibend. Auf der anderen Seite Theresa: 2 Kinder, bemüht, den Erwartungen ihres Ehemanns an eine gute Ehefrau gerecht zu werden, und gleichzeitig gefangen in der dank Bürokratie, steigender Pachtpreise und gleichzeitig sinkender Lebensmittelpreise immer unrentabler werdenden Tretmühle der modernen Landwirtschaft. Er lebt im Westen, sie im Osten; er in der Stadt, sie auf dem Land; er beschäftigt sich theoretisch mit den Problemen unserer Zeit, sie kämpft tagtäglich praktisch gegen deren Auswirkungen.
Entsprechend inhaltlich geladen sind die Nachrichten teilweise, die sie sich schreiben. Sie versuchen, um Verständnis zu werben für ihre Positionen, scheitern aber zu oft daran, sich nicht richtig zuzuhören und vor allem, sich nicht aufeinander zuzubewegen. Das stellen sie selber fest, suchen nach Ursachen und finden sie in unserer gesellschaftlichen Entwicklung. Sie debattieren Gendersternchen, Feminismus, kulturelle Aneignung, Ukrainekrieg, Politikverdrossenheit, Klimawandel, Journalismus vs. Aktivismus und so vieles mehr.
Die E-Mail- und Messengernachrichten sind unterschiedlich lang und dadurch liest sich der Schlagabtausch entsprechend rasant. Spannend ist, wie sie feststellen, dass ihre Unterhaltung per WhatsApp zu oft eskaliert, und wie sie später, als Theresa sich radikalisiert, zu Telegram und alternativen Mail-Anbietern wechseln. Der Roman ist in drei Teile unterteilt (5.1.-18.5.2022, 4.7.-24.-8.2022 Und 27.8.-4.10.2022) und in den Leben von Theresa und Stefan spitzt sich die Lage immer weiter zu.
Die Sympathien für Stefan und Theresa wechseln zwischenzeitlich und sie sind beide ambivalente, realistische, lebendige Charaktere, über die sich ebenso diskutieren lässt wie über die behandelten Themen.
«Zwischen Welten» hält uns in vielerlei Hinsicht einen Spiegel vor. Ob wir uns darin ganz oder teilweise erkennen, ist natürlich sehr individuell, aber gerade das mag ich. Der Roman bietet unzählige Themen, bei denen wir uns während der Lektüre fragen können: Wie stehe ich dazu? Darüber lässt sich auch prima mit anderen diskutieren, ob oberflächlich oder vertiefend. Urban und Zeh gelingt es zudem, die Probleme, vor denen die Landwirtschaft aktuell steht, sichtbar zu machen. «Zwischen Welten» ist ein hoch politischer Roman, der nicht nur jede*n einzelne*n von uns, sondern auch die Gesellschaft als Ganzes und vor allem die Politik in die Verantwortung nimmt. Mich hat der Roman sehr beeindruckt!